Kunst Im Sein
Es ist meine tiefe Überzeugung, dass alle Menschen eine mehr oder weniger bewusste Sehnsucht danach haben, bei sich anzukommen – oder doch zumindest irgendwo anzukommen. Das Leben begreife ich als eben diese Reise – oder einen Teilabschnitt davon. Diese Reise bietet uns Abenteuer, Herausforderungen, Wunderbares, Wunderliches und eine Menge Ablenkungen. Wer kennt das nicht? Der schönste Urlaub ist der ohne Plan, hier verweilen, da erkunden, dort versanden… Doch irgendwann merken die meisten von uns, es wäre schön, mal wieder zur Ruhe zu kommen, bei sich zu sein, die Erfahrungen zu integrieren und einfach einen festen, sicheren Ort als Fixpunkt zu haben. Wo der ist und wie wir da hin kommen, darüber scheiden sich die Geister und nachdem ich fast fünf Jahrzehnte die Menschen um mich herum beobachte, schlußfolgere ich, die meisten suchen im Außen. Wir Menschen wenden sehr viel Energie auf, um im Außen Dinge zu erzeugen, die uns ein Gefühl von Sicherheit, Stabilität und Zufriedenheit und oftmals auch Macht und Kontrolle geben. Als Ethnologin weiß ich, dass das wesentliche Motoren jeder Kultur sind und das soll auch nicht bewertet werden – doch wenn dem Streben im Außen kein Erkunden im Innen dazu gesellt wird, entsteht mitunter eine Leere, die im Außen nicht gefüllt werden kann. Meiner Erfahrung nach.
Mein Weg, durch zwei existentielle Krisen entschieden beeinflusst, ist immer mehr der nach Innen. Im Sinne von Selbsterkenntnis, Bewusstheit, Aspektintegration und Selbstmitgefühl. Um die Kunst dieser Reise, des Ankommens und schließlich des Seins geht es in diesem virtuellen Logbuch. Kunst verstehe ich dabei als Fertigkeit, Kreation und Meisterschaft. Wie kann ein geschmeidiges Integrieren unserer Aspekte gelingen und was bedeutet es im Alltag, sich auf den spirituellen Weg zur eigenen Quelle zu machen? Wie ist es möglich, ehrlich mit sich selbst zu sein und dennoch freundlich zu sich und anderen? Um diese und andere Fragen geht es hier.
Die Malerei ist seit gut vier Jahrzehnten mein treuer Begleiter, Katalysator, Kommunikationsmittel und Illustration meines Wegs und meiner Prozesse. In meinen Bildern drücke ich oft aus, wofür mir die Worte fehlen. Und bestimmt kennen viele diesen Moment, wenn man sich Fotos zum Beispiel von einem schönen Moment an einem speziellen Ort ansieht – ich bin eigentlich immer enttäuscht, dass das Foto nicht wiedergeben kann, was ich sah, fühlte, empfand. Mein Malen ist also auch ein Versuch, Atmosphären festzuhalten, die mit Fotografie und / oder Worten nicht zu beschrieben sind. Ähnlich wie bei der Musik, z.B. auf einem Konzert, glaube ich, dass Farben und Formen, dass Bilder ein verbindendes Element haben, das wir über den Verstand hinaus erfahren können, wenn wir uns auf ein Bild einlassen.
Abschließend möchte ich sagen, dass es mir große Freude bereitet, meine Erfahrungen mit anderen zu teilen, die sich ähnliche Fragen stellen wie ich oder die sich einfach inspirieren oder unterhalten lassen wollen. Bei allem aber, was ich berichte, schreibe ich von mir und meinen Erfahrungen und zitiere gegebenenfalls Fachliteratur. Ich erhebe nicht den Anspruch, allgemeingültige Wahrheiten zu verbreiten. Es sind meine Wahrheiten.
Merle
© Copyright
Die Texte und Bilder (Fotografien und Fotografien von Malerei, Zeichnungen und anderen künstlerischen Werken) der Webseite sind urheberrechtlich geschützt. Das Urheberrecht liegt, soweit nicht ausdrücklich anders gekennzeichnet, bei C. (Merle) Stadler