Geschmeidige Tage

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Es gibt diese Tage, da läuft alles wie am Schnürchen, oder? Man wacht auf, ist ausgeschlafen und sieht, dass das Wetter schön zu werden verspricht. Der Kaffee schmeckt heute irgendwie besonders gut und die Katzen beschweren sich auch noch nicht, dass der Wasserhahn noch nicht läuft oder der Futternapf noch leer ist. Sie liegen beide noch zufrieden eingerollt an ihren Schlafplätzen. Ich kann mich also in Ruhe hinsetzen, die erste Tasse Kaffee mit der ersten Zigarette des Tages genießen und das Morgenlicht im Küchenfenster bewundern. Von der Baustelle auf der anderen Seite der Straße dringt ausnahmsweise kein Lärm herüber und die Nachbarn schmeißen die Türen auch noch nicht im Akkord.

Und so geht es weiter! Ich erhalte vom Finanzamt den Steuerbescheid, der mir genau die erwartete Steuerrückzahlung bestätigt, als ich einkaufen gehe sind alle Ampeln auf dem Weg grün und ich bekomme im Laden, neben den üblichen, wöchentlichen Notwendigkeiten auch noch zwei Nusschnecken.

Als ich mich am Nachmittag hinsetze, um zu malen, komme ich so richtig schön in den flow und kann wunderbar arbeiten. Ich verbringe sehr befriedingende drei Stunden mit kreativer Arbeit und mache dann ein Päuschen. Schließlich werfe ich einen Blick auf meinen Blog und die Statistik und sehe, dass ich einen neuen follower habe, was mich total freut. Die Anzahl der Aufrufe und Besucher kann sich auch sehen lassen, schöner kann der Tag sich nicht dem Ende zuneigen.

Nachdem ich einen Beitrag geschrieben und gepostet habe, sehe ich noch einen erbaulichen Film im Fernsehen und falle danach zufrieden lächelnd ins Bett.

Nun meine Frage: warum kann nicht jeder Tag so sein oder zumindest ein paar mehr von den Tagen, die ich lebe? Was führt dazu, dass ein Tag völlig geschmeidig dahin fluppt während andere Tage das genaue Gegenteil sind? Bin ich bei den fließenden Tagen mehr bei mir, in meinem Zentrum? Bin ich bei Hindernislauf-Tagen zu sehr im Außen und lasse mich von erschwerenden Energien um mich beeinflussen? Sind wir generell äußeren Einflüssen mehr ausgesetzt, als wir wahrnehmen oder liegt der Grund doch vollständig im Innen?

Ich kann nur sagen, dass ich nach meinen Beobachtungen schon öfter sehr bei mir war, geerdet und zentriert und der Tag begann katastrophal und steigerte sich über seinen Verlauf bis zu kaum mehr erträglich. Da kamen Hiobsbotschaften, starke Kopfschmerzen, unangenehme Gespräche und einiges mehr zusammen und am Ende des Tages fragte ich mich, wie ich aus dem Schlamassel je wieder rausfinden würde. Nun, ich habe bisher immer wieder herausgefunden, aber ich wüsste doch wirklich zu gern mehr darüber, was einen Tag positiv oder negativ verlaufen lässt.

An den Einfluss der Sterne glaube ich nicht, an karmische Strafen oder Lernaufgaben auch nicht. Es muss also doch etwas in uns sein, das Chaos anzieht oder es ist eine Mischung aus dem, was in uns liegt, vielleicht bestimmte Ängste oder eine gewisse Verschlossenheit der Welt gegenüber, was dann auf die passenden Energien im Außen trifft und uns den Tag so richtig verhageln kann. Das würde allerdings bedeuten, dass an Tagen, an denen alles flutscht, wir von günstigen Energien umgeben sind. Und dann stellt sich mir natürlich die Frage: was verursacht die hinderlichen oder förderlichen Energien im Außen? Ziehe ich diese automatisch durch meine innere Haltung an (was ich spontan, zumindest so pauschal formuliert, verneinen würde, weil ich der Meinung bin, Gegenbeweise erbringen zu können) oder sind diese Energien im Außen schlicht existent und Teil eines ohnehin recht chaotischen Universums? So dass wir einfach lernen müssen, mit Chaos-Tagen zurecht zu kommen? Vielleicht am besten, indem wir gleich im Bett bleiben, wenn wir merken, hoppla, heute holpert es gewaltig?

Zugegeben, das sind alles recht verkopfte Überlegungen, meine Achtsamkeitslehrerin würde sage, dass radikale Akzeptanz das Beste ist und immer schön bei sich zu bleiben das Ziel. Ja, schon, aber wenn ich das Gefühl habe, ich könnte vielleicht etwas mehr und aktiv Einfluss nehmen auf die Qualität meines Tages, dann denke ich darüber nach, wie das klappen könnte.

Allerdings könnte genau das der Pferdefuß an der Geschichte sein: vielleicht stimmt mein Gefühl, mehr Einfluss nehmen zu können überhaupt nicht, vielleicht ist das ein Trugschluss und die Qualität des Lebens wird tatsächlich durch mehr Akzeptanz gesteigert. Also ist die Lösung eventuell tatsächlich, öfter mal, nun, nicht gerade im Bett bleiben, aber es ruhig angehen zu lassen, schwierige Aufgaben wenn möglich auf andere Tage zu verschieben und besonders achtsam und selbstfürsorglich mit sich zu sein, an den Tagen an denen wir merken, es könnte ein Hindernislauf-Tag werden. Wenn wir dann wieder in den flow kommen, schaffen wir umso mehr und können es richtig genießen.

In diesem Sinne wünsche ich Euch allen viele Tage im Fluß, freue mich über jegliche Kommentare und verbleibe

Eure Merle

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