Entrümpelung

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Nachdem ich gestern in „Geschmeidige Tage“ über die Wechselwirkung von unserem Innen mit dem Außen geschrieben hatte, sinnierte ich noch eine Weile über mögliche Zusammenhänge und kam schließlich auf folgenden Punkt, der zwar eine Binsenweisheit ist, aber dennoch spannend, wie ich finde: unser Inneres wird im Außen gespiegelt und das läßt sich auch an unseren Wohnungen erkennen. Wie wir unser zu Hause einrichten sagt etwas über unsere innere Ordnung – oder Unordnung – und wenn ich Dinge anhäufe und meinen Keller oder bestimmte Ecken in der Wohnung zustelle, dann kann ich mit großer Wahrscheinlichkeit auch sonst im Leben eher schlecht loslassen und schleppe noch viel Vergangenheit mit mir herum.

Ich habe vor gar nicht allzu langer Zeit die Erfahrung gemacht, dass die Entrümpelung und das Aussortieren alter, nicht mehr in Gebrauch befindlicher Dinge sehr befreiend ist. Da ich in früheren Jahren öfter mal umgezogen bin, fand der Vorgang der Entrümpelung mit jedem Wohnungswechsel statt, wobei ich manche Dinge, zum Beispiel Unterlagen aus meinem Studium, tatsächlich in jedes neue zu Hause mitschleppte. Da ich seit vielen Jahren nicht mehr umgezogen bin, wurde es letztes Jahr Zeit, mal wieder ernsthaft und dieses Mal im großen Stil mein Hab und Gut durchzugehen und zu gucken, vovon ich mich verabschieden kann.

Die größte Ausbeute kam bei den Büchern zustande. Ich hatte Unmengen an Büchern angehäuft, auch ungelesene, und fand, dass sie irgendwie zu mir gehören und etwas über mich aussagen. Dabei war mir nicht aufgefallen, dass der Druck, die noch nicht gelesenen Bücher endlich in Angriff zu nehmen, immer größer geworden war. Bei meinem Rundumschlag letztes Jahr kam bestimmt die Hälfte meiner Bücher weg, ich verschenkte sie oder verkaufte sie auf dem Flomarkt und bin bis heute froh, mich von einer riesigen Last befreit zu haben. Entgegen meiner Vorstellung trauerte ich nicht mal den ungelesenen Büchern hinter her. Aber auch Kleidung, in die ich irgendwann wieder passen wollte oder die ich noch umnähen wollte und Schuhe, die nur einmal getragen waren, wurden ausgemistet und weggegeben. Schließlich machte ich mich sogar an meine Unterlagen und Büro-Ordner und schmiss ein Gutteil der Papiere weg und ich kann gar nicht beschreiben, wie gut das tat.

Ich kann also eine Entrümpelung der eigenen vier Wände wärmstens empfehlen, ich habe nicht nur Platz geschaffen sondern tatsächlich Ballast über Bord geworfen. Ich habe das große Glück, dass mich in regelmäßigen Abständen eine Unruhe, ein ungutes Gefühl befällt, wenn ich irgendwo in der Wohnung seit längerem Sachen ansammle über die ich keinen Überblick mehr habe oder wenn ich seit längerem nicht mehr in diese Schublade oder jene Truhe geguckt habe. Wenn dieses mulmige Gefühl kommt, weiß ich, es wird Zeit, mal wieder auszusortieren und eine Wegwerf,- oder Weitergabe-Aktion zu starten.

Und so befällt mich auch mit schöner Regelmäßigkeit jenes ungute Gefühl, wenn ich an meinen Keller denke. Dieser ist seit vielen Jahren nicht entrümpelt worden, da sich dort kaputte Elektrogeräte und aussortierte Möbelstücke befinden, die ich ohne Auto nicht abtransportieren kann bzw. die zum Sondermüll gebracht werden müssten. Ich habe schon diverse Entrümpelungsfirmen kontaktiert, doch die waren mir alle zu teuer oder zu unsympathisch, so dass der Keller ein Barmuda-Dreieck geworden ist, in dem Dinge auf Jahre verschwinden. Natürlich habe ich mich schon gefragt, ob mein Problem mit den Entrümpelungsfirmen nur ein Vorwand meines Unterbewusstseins ist, das nicht loslassen will. Ich kann mir zwar nicht vorstellen, warum ich ausgerechnet an defekten Geräten und hässlichen oder nicht mehr brauchbaren Dingen hänge, aber wer weiß, vielleicht habe ich Angst, dass sich unter all dem Müll doch noch etwas befindet, dass für mich wertvoll ist. Seit ein paar Jahren wünsche ich mir nun schon einen leeren Keller, aber es wird einfach nichts draus und das wird schon seine Gründe haben. Wahrscheinlich wird mir die richtige Firma über den Weg laufen, sobald mein Inneres bereit ist, mich von all den Dingen zu verabschieden.

Ich stelle jedenfalls immer wieder fest, dass es einen starken Zusammenhang zwischen der inneren Bedindlichkeit und der unmittelbaren äußeren Umgebung, dem zu Hause gibt. Und das schöne ist, dass das Phänomen in beide Richtungen funktioniert: einerseits kann ich meine innere Aufgeräumtheit darin beobachten, dass meine Wohung auch aufgeräumt ist, bin ich aber andererseits innerlich in Aufruhr, hilft es, im Außen Ordnung zu schaffen, den Schreibtisch aufzuräumen, Papiere zu sortieren usw. – die neu geschaffene Ordnung wirkt dann zurück auf mich. Zu diesem Prinzip passt auch wunderbar das Beispiel, wie Lächeln wirkt: bin ich froh, dann lächle ich. Bin ich schlecht gelaunt, reicht es, bewusst den Mund zu einem Lächeln zu formen, die Stimmung wird sich allein durch diese herbeigeführte Mimik verbessern.

Wie ich dieses Prinzip bei meinem Keller anwenden kann, weiß ich noch nicht, aber es wird sich beizeiten zeigen 🙂

Ich wünsche allen einen fröhlichen Freitag und freue mich wie immer über Kommentare!

Eure Merle

 

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