Vom Glück, allein zu wohnen…

dav

Eigentlich ist der Titel ja nicht ganz korrekt, denn immerhin teile ich mein zu Hause mit zwei Samtpfoten, aber menschentechnisch gesehen, lebe ich allein und ich genieße es. Ich habe WG-Zeiten hinter mir und habe auch schon ein paar Monate mit einem Partner zusammen gelebt. Wenn ich aber von einer durchschnittlich großen Wohnung ausgehe, finde ich, dass alleine wohnen genau meinem Naturell entspricht. Und ich würde sogar die These aufstellen, dass viele Beziehungen länger halten würden, wenn die Beteiligten nicht zusammen wohnen.

Die Vorteile liegen klar auf der Hand: wenn ich in der Früh als Morgenmuffel das Bett verlasse, kann ich in Ruhe vor mich hin muffeln. Ich muss mit niemandem ein Gespräch führen und muss auch nicht so tun, als wäre ich ein Sonnenschein. Ich darf in meinem Tempo im Tag ankommen, was ich wirklich als großes Geschenk betrachte.

Auch muss ich nicht darauf achten, wann wer ins Bad gehen möchte, da bin ja nur ich, und was noch schöner ist, es gibt keine Haare im Waschbecken von Mitbewohnern und die Klobrille ist auch immer unten. Überhaupt, das ganze leidige Putzthema, das einem jede WG vermiesen kann, fällt einfach weg, wenn es irgendwo dreckig ist, ist es mein Dreck.

Darüber hinaus empfinde ich es als großen Luxus, dass die Dinge, die ich eingekauft habe, auch noch im Kühlschrank sind, wenn ich sie konsumieren will. Ich erinnere mich lebhaft an Zeiten, als weder Beschriftungen, noch getrennte Fächer noch mehrfache Gespräche verhindern konnten, dass die Milch doch alle und der Joghurt schon aufgegessen waren. Sehr unschön. Obwohl ich meinen Mitbewohner sehr mochte, konnte mich das wirklich auf die Palme bringen…

Am besten aber ist, und das betrifft nun wieder das Zusammenleben als Paar, das ich mein Bett für mich allein habe. (Wer es sich leisten kann, kann natürlich zwei getrennte Schlafzimmer einrichten, aber das ist in der Stadt, in der ich lebe, mit normalen Jobs eigentlich nicht bezahlbar.) Es gibt niemanden, der mir die Bettdecke klaut und vor allem ist da, außer mir, niemand der schnarcht. Schnarchende Bettgenossen machen mich aggressiv und sowieso haben Studien gezeigt, dass man einfach besser schläft, wenn man alleine schläft. Mich kann es richtig kirre machen, wenn ich noch nicht eingeschlafen bin und mitbekomme, wie der andere sich im Schlaf hin und her dreht oder eben eigenartige Geräusche von sich gibt. Nein, ich liebe mein Bett für mich. Sollte ich jemals doch mit meinem Partner zusammen ziehen, wird es mindestens zwei Schlafzimmer geben müssen.

Es gibt Leute, die sind der Meinung, ich hätte ein Problem mit Nähe und dass ich etwas daran ändern müsse. Diese Meinung beinhaltet die Überzeugung, dass es „normal“ ist, in einer Beziehung zusammen zu leben und dem würde ich mich nicht anschließen. Ich glaube, es gibt diesbezüglich einfach kein normal oder unnormal und jedes Paar muss für sich herausfinden, was am besten den jeweiligen Bedürfnissen entgegen kommt. Ich kenne inzwischen übrigens einige verheiratete Paare, die bewusst in getrennten Wohnungen leben, weil jeder der beiden sein eigenes Reich für sich braucht. Wie eine Freundin von mir so schön meinte: „Wenn mir danach ist, kann ich nackt durch die Wohnung tanzen und niemand stört mich dabei.“ Genau.

Ich denke nicht, dass ich aufgrund meiner Einstellung zum Zusammenleben eine Soziopathin bin. Ich weiß einfach, dass ich viel Zeit für mich selbst brauche und dass ich Phasen habe, in denen ich mich mit Gesellschaft schwer tue. Natürlich finde ich es auch fantastisch, dass ich in vielen Bereichen keine Rücksicht auf etwaige Mitbewohner nehmen muss, aber von einer ganz anderen Seite betrachtet, ist das getrennt leben für Beziehungen auch durchaus förderlich, weil man immer wieder auch Sehnsucht nach dem anderen hat und sich Nähe wünscht! Und diese Nähe kann ich viel mehr genießen, wenn sie nicht zur täglichen Selbstverständlichkeit geworden ist. Nach meiner persölichen Erfahrung hilft es der Romantik auch durchaus, dass ich mich nicht mit den dreckigen Socken meines Parnters beschäftigen muss. Alltag kann sehr hinderlich sein für romantische Anwandlungen, so dass alleine dieser Punkt mich zur Verfechterin des alleine Wohnens macht.

Mir gefällt daran auch, dass man, wenn man getrennt wohnt, nur dann gemeinsam Zeit verbringt, wenn beide das auch möchten. Man trifft immer wieder bewusst die Entscheidung zur Zweisamkeit und das finde ich nicht verkehrt. Davon abgesehen schätze ich es sehr, in Konfliktsituationen meinen Rückzugsort zu haben. Keiner muss nach einem Streit Stunden lang im Regen spazieren gehen oder im Café hocken, jeder kann für sich im eigenen zu Hause sein Mütchen kühlen.

Ich bewundere Menschen, die schon über Jahre ohne größere emotionale Unfälle zusammen leben, sei es in WGs oder mit ihrem Beziehungspartner, ich glaube, für mich wäre dieses Modell, wenn überhaupt, nur in einem Haus lebbar.

Meine Katzen finden übrigens, dass ich eine ganz passable Mitbewohnerin bin: ich bin genauso launisch wie sie und fahre meine Krallen aus, wenn ich in Ruhe gelassen werden möchte…

Ich wünsche allen ein schönes Wochenende und freu mich über Kommentare!

Eure Merle

 

2 Gedanken zu „Vom Glück, allein zu wohnen…“

Hinterlasse einen Kommentar