
Liebe LeserInnen, ich kann es selbst kaum glauben und es tut mir auch leid, aber ich muss heute über Weihnachten schreiben, auch wenn es noch drei Monate bis dahin sind. Letzte Woche hatten wir hier noch fast dreißig Grad im Schatten, aber wie aufs Stichwort findet sich spätestens zum Schulanfang Anfang September Weihnachtsgebäck in den Regalen der Supermärkte. Ich weiß nicht warum, aber dieses Jahr ist mir das besonders aufgestoßen und ich frage mich: muss das wirklich sein? Ist es wirklich nötig noch im Sommer Weihnachtsware anzubieten? Und zu kaufen? Denn wenn es nicht gekauft würde, stünde es nicht schon im Laden herum.
Ich bin nicht gläubig, aber für mich war Weihnachten, nachdem ich die kindlichen Vorstellungen von Christkind und Nikolaus hinter mir gelassen hatte, immer ein Fest des Lichts, denn entsprechend der Wintersonnenwende am 21.12. gibt es ja zu feiern, dass die Tage wieder länger werden. Bis zur Einführung des gregorianischen Kalenders Ende des 16. Jahrhunderts wurde Weihnachten übrigens auch am 21.12. gefeiert. Wer also nicht die Geburt des Heilands feiern will, kann sich darüber freuen, dass die Erde sich weiter dreht und der Lauf der Natur bzw. der Gestirne dafür sorgt, dass die Dunkelheit des Winters wieder langsam der Helligkeit und der ansteigenden Zahl der Sonnenstunden weicht. Warum in aller Welt sollte ich dieses vom Gang der Jahreszeiten abhängende Ereignis bereits im September feiern? Das macht überhaupt keinen Sinn!
Natürlich ist mir klar, dass hier der Hang der Menschen zum weihnachtlichen Konsumrausch vom Einzelhandel ausgenutzt wird. Aber ich wollte doch nochmal darauf aufmerksam machen, was wir an Weihnachten eigentlich feiern, sei es die Geburt Christi oder die Wiederkehr des Lichts. Für mich hat Weihnachten immer eine besondere Magie, vielleicht reagiere ich deshalb so allergisch auf Monate im Voraus angebotene Artikel. Ich verstehe nicht, wie man sich das Besondere der Weihnachtszeit bewahren will, wenn man bei noch sommerlichen Temperaturen schon Lebkuchen futtert. Ich erinnere mich so gerne an die Adventszeiten in meiner Kindheit, wenn meine Mutter anfing, Plätzchen zu packen und die ersten Printen des Jahres im Adventskalender waren. Diese ganz spezielle Freude war eben dadurch speziell, dass es diese Dinge nur im Dezember gab. Es ist ja mit Ostern nicht anders, Osterhasen kann man auch schon Monate vorher kaufen, aber irgendwie stört mich die vorgezogene Weihnachtszeit mehr.
Ich empfinde die Schokonikoläuse und Pfeffernüsse, die mir in den Läden im September schon entgegengucken, als Beleidigung. Mir ist bewusst, dass sich Traditionen im Lauf der Zeit ändern, Dinge hinzu kommen und andere weggelassen werden. So wie es hierzulande beispielsweise auch immer üblicher wird, am Abend vor Allerheiligen Halloween (all hallows eve) zu feiern, könnte man den vorgezogenen Weihnachtseinkauf ja auch als Veränderung des Brauchtums akzeptieren. Aber davon abgesehen, dass ich auch Halloween als Zumutung empfinde, kann ich mich mit dem Diktat des Einzelhandels nicht anfreunden. Ich habe tatsächlich Bekannte, die jetzt schon Weihnachtsgeschenke einkaufen und sich über den Ablauf des Festes Gedanken machen. Für mich sind daran die Lebkuchen kurz vor der Supermarktkasse schuld, daran besteht kein Zweifel. Während also die einen das Oktoberfest begehen, packen die anderen schon Weihnachtsgeschenke ein.
Ich weiß, es bleibt mir nichts anderes übrig, als diesen Umstand zu akzeptieren und mich darüber zu wundern, dass eigentlich alle Menschen, die ich kenne, behaupten, sie kauften vor Dezember kein Weinhachtsgebäck… ja wer denn dann? Ich jedenfalls nicht, ich weigere mich standhaft vor dem 1. Advent einen Lebkuchen zu essen! Aber ich habe schon zu früh zu viel über Weihnachten gesagt und lasse es damit für heute bewenden… und wünsche allen einen herrlichen Altweibersommer!
Eure Merle