Alleinsein und Einsamkeit

dav

Ich bin gern allein. Wie in einem früheren Beittag auch schon ausgeführt, genieße ich es, alleine zu wohnen und es gibt viele Dinge, die ich lieber allein als in Gesellschaft mache. Essen und Fernsehen gehören zum Beispiel dazu oder lesen. Aber auch Spaziergänge und Reisen (wenn ich denn mal verreise) unternehme ich lieber alleine. Was ich daran mag, ist, dass ich nicht das Gefühl habe, beobachtet (und bewertet) zu werden und dass ich mehr vom Erleben mitbekomme. Ich kann mich besser, also achtsamer auf das Essen oder einen Film konzentrieren, wenn ich reise bekomme ich viel mehr vom Reiseziel mit, ich kann mehr Eindrücke einholen und auch abspeichern, die Erfahrung wird allein, für mich, reichhaltiger.

Es ist nicht so, dass ich es nicht auch genießen kann, in großer Runde um einen Tisch versammelt zu sein und gemeinsam zu Essen. Es ist nur ein völlig anderes Erlebnis für mich und hat dann weniger mit der Aufmerksamkeit auf das Essen als vielmehr mit Geselligkeit zu tun. Aber zu behaupten, wie viele Menschen, die ich kenne, das Essen schmecke ihnen in Gesellschaft besser, auf die Idee käme ich nie.

Mit anderen Personen wo hinzufahren, sei es auf eine Party, einen Ausflug oder eine Reise finde ich schon schwieriger. Ich bestimme gern selbst, wann ich gehe und wohin ich gehe und ich tue mich mit Absprachen ein wenig schwer. Wenn ich verreise, möchte ich spontanen Eingebungen folgen können und möchte nicht an Verabredungen gebunden sein. Interessanter Weise wird übrigens auch meine Angst vor dem Reisen nicht zwingend weniger, wenn ich nicht allein verreise. Im Gegenteil, im Zweifel kommt dann noch Angst dazu, dass es Konflikte geben könnte und man sich nicht einig wird etc..

Wie gesagt, ich bin gern allein und komme in der Regel alleine gut klar. Ich habe auch kein Problem damit, mich alleine in Cafés oder Restaurants zu setzen oder mal alleine ins Kino zu gehen. (Was ich selten mache, aber wenn, gern allein.) Als ich früher noch häufiger abends zum Tanzen weg bin, habe ich das auch gern allein gemacht, weil ich dann kommen und gehen konnte, wie ich lustig war und getanzt hab ich ohnehin lieber allein – also freestyle in Clubs, kein Paartanz.

Trotz alledem, und das ist keine rethorische Verwunderung, werde ich ziemlich häufig von sehr heftigen Einsamkeitsgefühlen befallen, die ich mir nicht erklären kann. Ich glaube, dass Einsamkeit eine allgemein menschliche Erfahrung ist, keine Frage. Aber ich erlebe das schon ziemlich häufig und finde das verwunderlich, denn ich bin ja nunmal gern allein. Andererseits ist es ja so, dass Einsamkeit oft nichts damit zu tun hat, ob andere Menschen anwesendend sind. Man kann sich inmitten von Menschen schrecklich einsam fühlen. Während ich über dieses Phänomen so nachdenke, kommt mir der Gedanke, dass Einsamkeit vielleicht weniger mit Alleinsein zu tun hat als mit Kontakt. Vielleicht geht es darum, ob ich mit mir selber oder gegebenenfalls mit anderen in tatsächlichem Kontakt bin. Ich fühle mich zum Beispiel schrecklich einsam, wenn ich unter Menschen bin, die nur oberflächlichen Smalltalk reden. Das macht mich regelrecht fertig. Führe ich aber ein Gespräch mit echter Bedeutung in dem jeder der Teilnehmer sich wirklich einbringt, fühle ich mich auch nicht einsam.

Und das gleiche gilt natürlich auch für mich wenn ich mit mir allein bin. Ich bin davon überzeugt, dass man mit sich selber auch herrlich Smalltalk führen kann. Also Ablenkung betreiben, seine Angelegenheiten oberflächlich erledigen, nicht bei der Sache sein. Wenn ich mich aber auf den Moment und die gerade anstehende Tätigkeit oder Untätigkeit einlasse, fühle ich mich schon weniger einsam. Und es ist egal, ob es dabei um das Säubern der Katzenklos oder um eine meditative Pause geht. Sich einlassen, bei sich sein, in sich selbst hineinhören, das scheint mir wichtig, um der Einsamkeit zumindest etwas an die Seite stellen zu können, wenn ich ihr auch nicht immer ganz entgehen kann.

Ich nehme an, dass Menschen, die häufig Achtsamkeitsübungen machen, sich weniger einsam fühlen. Dies ist also mal wieder einer der Momente, in denen ich mir vornehme, wieder öfter meine eigenen Achtsamkeitsübungen zu machen und öfter mit mir selber ins Gespräch zu kommen. Vielleicht liegt ein Teil der Ursache meiner Einsamkeiten auch darin, dass ich manchmal das Gefühl habe, nichts interessantes zu sagen zu haben. Dabei sollte gerade ich mir doch am besten zuhören können, und wenn es nur albernes Zeug ist, was ich mir selber zu erzählen habe. Jedenfalls klingt das für mich nach einem guten Plan und ich nehme mir jetzt vor, mich ab und an mit mir selbst zu verabreden. Ein Date mit mir, mit einem Kaffee und guten Gesprächen… das wird toll!

Wie geht Ihr mit Einsamkeit um? Fragt sich

Eure neugierige Merle

 

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