
Es gibt Tage, da ist das aufregendste, was passiert, das Rotieren der Wäsche in der Waschmaschine. Heute ist so ein Tag und ich zähle ihn zu den grauen Tagen. Besonders gerne kommen graue Tage an Feiertagen im Herbst und Winter, sie sind mit einem entsprechend grauen Himmel gekrönt und verheißen… einfach nichts. Es gibt auch keine besonderen Aufgaben oder Pflichten die zu erledigen wären, das Geschirr ist gespült, die Wohnung aufgeräumt, nur die Wäsche gehörte, wie gesagt, in die Waschmaschine, aber das ist nun wirklich kein Aufwand. Zum Kochen habe ich keine Lust und ein ungelesenes Buch liegt auch nicht herum.
Was also tun? Es ist der perfekte Tag zum Nichts-Tun, aber manchmal mag auch das nicht klappen. Es ist ein bißchen wie mit dem Appettit, den man hat, aber man weiß nicht worauf und tigert lustlos in der Wohnung herum, auf der Suche nach etwas von dem man eigentlich nicht weiß, was es ist, außer, dass man es bestimmt nicht zu Hause hat.
Also setze ich mich jetzt hin und mache Atemübungen. Was mich schon nach 10 Sekunden kirre macht, ich habe gerade gar keinen Nerv dazu. Dann versuche ich eben zu zeichnen – wird auch eher enttäuschend, mir fehlt heute die Inspiritation. Neben mir meckert meine Katze, die wohl spürt, dass ich total unzufrieden mit mir bin, und entweder sie jammert mit aus Sympathie oder die Unzufriedenheit hat sie angesteckt. Ich weiß es nicht genau und lasse sie weiter jammern. Erstmal einen Pott Kaffee trinken und eine Zigarette rauchen. Danach geht es mir schon etwas besser. Ich könnte einen Film auf DVD gucken oder trotz grauem Wetter spazieren gehen oder versuchen zu schreiben. Also setze ich mich hin und schreibe und da bin ich jetzt. Schaue zwischendurch immer wieder der Karussell fahrenden Wäsche zu (die Waschmaschine steht in der Küche) und habe inzwischen eine Katze auf dem Schoß.
Manche Feiertage könnten sie von mir aus auch abschaffen, sie unterbrechen für mich auf unangenehme Art und Weise den Fluss der Woche, ich kann nicht zur Post oder Bank um Dinge zu erledigen und draußen ist alles wie ausgestorben. Das sollte mir als Stadtbewohnerin gefallen aber heute finde ich es einfach nur trist. Tristesse en gros, so könnte man meine Stimmung auch betiteln. Wenigstens bewirkt die Katze auf meinem Schoß, dass meine Unruhe zum Großteil nachlässt und ich mich langsam ein wenig entspannen kann. Ich denke darüber nach, wie ich dem grauen Tag noch eine farbige Wendung geben kann – außer Farbe und Pinsel auszupacken – und beschließe, meinen Freund zu mir zum Kaffee einzuladen. Er hat Zeit und wird mich nachher noch besuchen, das ist schön.
Ich nehme an, Tage des Leerlaufs gehören zum Leben dazu, mich irriteren Sie bisweilen ungemein, weil ich mit zu viel Leere am Tag nichts anfangen kann. Ein bißchen Leerlauf ist fein, damit kann ich gut umgehen, aber so gaaaaanze Taaaaage, da kann ich ganz schön muffelig werden, besonders, wenn nicht mal die Sonne scheint. Aber ich habe mir ja vorgenommen, meine Stimmung nicht mehr so abhängig vom Wetter sein zu lassen und bin jetzt auch in Anbetracht des bevorstehenden Besuchs etwas besser gelaunt. Man könnte solche Tage natürlich auch durchgängig im Bett verbringen, das habe ich schon versucht, geht aber nicht, denn ich werde spätestens mittags total unruhig und muss aufstehen.
Grundsätzlich halte ich ja Langeweile für ein notwendiges Phänomen um kreativ sein zu können, sozusagen Phasen des Leerlaufs in dem die Batterien für spätere Kreativität aufgeladen werden. Man muss sich dann aber auch der Langeweile hingeben können, sie auskosten und spüren, dann kommt auch wieder die innere Gegenbewegung. Das werde ich dann heute nach meinem Besuch praktizieren und gucken, was dabei heraus kommt. Vielleicht ein Gedicht, vielleicht ein Bild, wer weiß…
Ich wünsche allen noch einen schönen, wenn möglich farbigen Feiertag!
Eure Merle