Achtung, Ungeduld!

dav

Liebe LeserInnen, ich muss Euch warnen, dies ist kein beschaulicher Artikel und nichts Beruhigendes zum Abend – ich bin ziemlich aufgebracht und entnervt über all die Wartereien im Leben, über die vielen kleinen Hürden und Hindernisse, die wir im Alltag erwarten, sprich aussitzen müssen und hoffen, dass irgendwann von der relevanten Stelle eine Antwort kommt.

Ich muss auf einen Termin beim Arzt warten, ich muss auf Gutachten warten, ich warte seit August auf eine Antwort meines zuständigen Finanzamtes und seit Tagen auf den Rückruf meiner Krankenkasse. Aber auch da, wo ich zahlendes Mitglied bin (ach ja, das bin ich ja in der Krankenkasse auch!), nämlich im Mieterverein, klappt es nicht besser, da warte ich auch seit Wochen auf Meldung von der zuständigen Anwältin. Und wenn ich dann – egal bei welcher dieser Stellen – selber anrufen will, warte ich in der Warteschleife zu unsäglicher Musik, die meinen Gehörnerv beleidigt und die nur ab und zu von der Automatenstimme unterbrochen wird, die mir mitteilt, ich möge doch bitte weiter warten, der nächste freie Platz ist für mich reserviert. Mancher dieser Anlagen haben inzwischen wenigstens die Auskunft parat, wie lange die ungefähre Wartezeit beträgt oder wie viele Anrufer vor einem in der Leitung warten; wenn aber diese Zahlen über Wochen erschreckend hoch sind, nutzt es auch nichts, dann muss man da durch. Also Telefon auf Lautsprecher und nebenbei Abspülen.

Ich finde Warten einfach entsetzlich. Ich weiß nicht, wer es erfunden hat, aber ich bin  der Meinung, man könnte das alles besser organisieren, ich meine, wir fliegen zum Mond!! Und noch nicht mitgezählt habe ich die Stunden an roten Ampeln, Supermarktkassen, Fahrkartenautomaten, Postschaltern… wie gut, dass ich noch nie irgendwo behauptet habe, ich wäre ZEN, das bin ich nämlich nicht, falls das noch nicht rüber gekommen ist. Ich habe aber versucht, die Zeit in Warteschlangen meditativ bzw. für Achtsamkeitsübungen zu nutzen – worin ich kläglich scheiterte, ich werde einfach zu leicht durch die Präsenz meiner Mitmenschen abgelenkt. Ich gehöre auch nicht zu den Leuten, die ständig mit ihrem Smartphone beschäftigt sind, also starre ich Löcher in die Luft, singe innerlich ein Lied und ärgere mir das ein oder andere Loch in den Bauch, weil mal wieder nichts weiter geht. Eine Freundin von mir meinte unlängst, ich solle froh sein, nicht in einem südlicherem Land geboren worden zu sein, da würde man auf alles noch viel, viel länger warten. Wer weiß, dachte ich, vielleicht wäre mit dem Mehr an Sonnenstunden auch ein Mehr an Geduld für mich dabei gewesen?!

Was mich am Warten so aufregt, ist, dass es bei mir so viel Energie bindet, dass ich zu kaum etwas anderem fähig bin, während ich warte. Ich bin einfach nur ein Bündel Ungeduld und komme nicht vom Fleck, zumindest fühlt es sich so an. Allerdings muss ich gerade meine innere Top-Ten an nervigsten Wartereien überdenken – soeben erreicht mich der Anruf einer Freundin, die heute vier volle Stunden im Zahnarztsessel verbrachte, unter anderem immer wieder darauf wartend, dass dies oder jenes aushärtet…das ist schon Warterei auf Level 99, würde ich sagen, da komme ich mit meiner popligen Supermarktkasse nicht gegen an.

Und dann gibt es aber noch die wirklich wichtigen Dinge auf die man wartet, die bis zu einem bestimmten Stichtag irgendwo eingereicht werden müssen, weil sonst der Strom abgestellt, das Haus verpfändet oder sonstwas Dramatisches passieren wird – dann der Willkür bzw dem Tempo eines Sachbearbeiters ausgeliefert zu sein, ist für mich der Vorhof zur Hölle. Nein, er könne mir nicht sagen, ob das Formular bis zum 15. zurück ist, ja, ich habe keine andere Wahl als zu Warten. (Und Beten, vielleicht sollte ich damit wieder anfangen.)

Ich bewundere Menschen zutiefst, die in solchen Situationen die Ruhe bewahren und einfach darauf vertrauen, dass sich schon alles regeln wird. Ich kann das nicht. Ich telefoniere und laufe hinterher und mache mir zig Gedanken, gehe was-wäre-wenn-Szenarien durch und vergeude meine wertvolle Zeit mit Gedankenspielen, die völlig zwecklos sind, denn den Sachbearbeiter beeindrucken sie nicht. Ich kann also aus all dem nur die Konsequenz ziehen, dass ich dringend lernen möchte, ein geduldigerer Mensch zu werden. Denn die Warterei werde ich nicht abschaffen können, leider.

Ich gebe zu, ich sehe dem Projekt: „Merle übt Geduld“ sehr skeptisch entgegen, aber da das Leben mir gerade so unendlich viele Übungsfelder bietet, kann ich ja auch einfach schonmal mit Üben anfangen, schaden kann es nicht. Und wenn mir doch wieder der Hut hoch fliegt vor lauter Ungeduld, schreibe ich vielleicht einfach nochmal einen Artikel darüber, ich hoffe, meine LeserInnen verzeihen mir das dann…

In diesem Sinne wünsche ich allen einen kurzweiligen Abend!

Eure Merle

4 Gedanken zu „Achtung, Ungeduld!“

  1. Liebe Merle,
    wer könnte Dich da nicht verstehen, dass sind doch wirklich unangenehme Situationen! Man fühlt sich da wirklich im freien Fall!
    Ich wünsche Dir von Herzen, daß sich jetzt alles schnell regelt!😉🤗😁👍Und Du beruhigt in die Zukunft sehen kannst!😉

    Liebe Grüße Babsi

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    1. Liebe Babsi, ganz herzlichen Dank für Deinen lieben Kommentar und die guten Wünsche, die kann ich gut gebrauchen! Das mit dem freien Fall ist ein passendes Bild… aber ich hoffe, ich lande gut… ich werde immer mal wieder hier berichten 😉 🙂 Liebe Grüße, Merle

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      1. Nicht’s kann so schlecht sein, daß es nicht für irgendwas gut ist! Das hat schon meine Urgroßmutter gesagt! Verlier nicht den Mut und die Hoffnung und glaube mir, ich weiß von was ich spreche!🤗😉

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