
Aufmerksame Leser meines Blogs werden es schon bemerkt haben: ich habe in letzter Zeit öfter mal unangenehme Pflichten zu erledigen wie zum Beispiel müßige Gespräche mit Krankenkassen und Ämtern – und da so etwas nicht spurlos an mir vorüber geht, muss ich ab und an dringend dagegen steuern und mir etwas Gutes tun. Wie ich mit Hilfe von zwei besonderen Freundinnen feststellen durfte, ist es unglaublich ratsam und erholsam, selbst mitten in der schlechtesten Laune, albern zu sein und Quatsch zu machen, egal wo, auch oder vielleicht gerade in der Öffentlichkeit, weil manche Gesichter, die man dann zu sehen bekommt, gleich noch mehr zum Lachen anregen.
Ich empfehle ja immer wieder gerne Helge Schneider, der für mich der Meister des Quatschs ist, von ihm kann man sich wirklich köstliche Anregungen holen. Oder auch Monty Python, deren legendärer Film „Das Leben des Brian“ einigen bekannt sein dürfte. Sehr gerne übe ich derzeit meine Bewerbung im Ministry of Silly Walks. Probieren Sie es aus! Gehen Sie in der Ihnen unmöglichsten Art und Weise zur U-Bahn, zum Beispiel in ständiger Grätsche oder Hüpfen sie zwischen jedem Ihrer Schritte oder aber ziehen Sie einfach ein Bein im Schlenker immer hinterher… es gibt da ungeahnte Möglichkeiten! Egal, wie mies drauf Sie vorher waren, Sie werden während der Ausübung alberner Gangarten automatisch lachen müssen!
Aber meinen Freundinnen und mir fällt auch ohne Vorbildern genügend Quatsch ein. So ist es sehr amüsant, sich anzusingen anstatt normal zu sprechen. J. kann wunderbar Opernsängerinnen imitieren und so wird jeder Satz zu einer kleinen Arie. Oder wir unterhalten uns nur per Mimik, ohne Laute, das bringt auch großen Spaß. Ich persönlich bevorzuge es, Dialekte oder Fremdsprachen-Akzente nachzuahmen. Also klingt zum Beispiel der Satz, „Ich möchte noch einen Cafe trinken und noch nicht nach Hause gehen“, so: „Isch möschte gährne nok eine Café aben et pas gehön nak ause.“ Noch habe ich mich nicht getraut, mich so an die Servicekräfte in unserem Stammcafé zu wenden, aber wer weiß, vielleicht tue ich das bei der nächsten großen Verstimmung.
Grundsätzlich sollte man natürlich aufpassen, dass sich niemand veräppelt vorkommt, deshalb haben wir bisher vor allem intern solchen Quatsch ausgeübt. Hübsch ist übrigens auch, dem anderen mit vollkommenen nonsense-Sätzen zu antworten. Wenn ich beispielsweise gefragt werde, wie mein Tag war, antworte ich mit “ Bitte wenden Sie sich an Ihren Administrator“ oder aber „Ihr Guthaben ist bereits aufgebraucht.“ – Hier sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt.
Wichtig ist die richtige Dosierung und das Gespür dafür, wann der andere tatsächlichen Gesprächsbedarf hat. Solchen Unfug zu verzapfen bringt natürlich nur Spaß, wenn alle Anwesenden in der richtigen Stimmung sind und keinem gerade etwas Wichtiges auf der Seele brennt. Und man darf sich nicht scheuen, sich vor Wildfremden lächerlich zu machen. Wenn ich laut „Fitze, fitze, fatze…“ (von Helge Schneider) singend die Straße runter gehe, darf ich mich über schräge Blicke natürlich nicht wundern. Aber wie gesagt, trägt das eher noch mehr zu meiner Erheiterung bei.
Sie fragen sich jetzt vielleicht (zurecht!), ob ich nicht doch einen an der Klatsche habe, aber das ganze hat in der Tat einen ernsten Hintergrund: das Leben ist so absurd und auf so vielen Ebenen sinnfrei, dass es schlichtweg befreiend wirkt, dieser Absurdität den eigenen Humbug entgegen zu setzen. Anstatt nach dem Warum und Woher zu fragen, wenn der Alltag mal wieder voller Hindernissen ist und müsame, zähe Bürokratie oder ähnliches einem die Laune versauern, dann ist es eigentlich nur folgerichtig, dem mit Albernheit und sinnbefreitem Humor zu begegnen. Wie E. neulich in unserer Unterhaltung so schön meinte: „Die Welt ist eh so absurd, bitte mehr Quatsch!“ Jawoll, bitte mehr Quatsch, weniger Ernst, das wünsche ich mir auch und ich bin froh, dass mir dazu ein gewisses Talent gegeben ist.
Um Missverständnissen vorzubeugen: es geht nicht darum, jemanden zu provozieren oder Aufmerksamkeit zu erregen! Das ist nicht der Sinn der Übung, sondern es geht vielmehr darum, sich Spaß zu erlauben und gegebenenfalls dabei nicht vom Urteil Anderer einschränken zu lassen. Grundsätzlich ist es genauso witzig, allein zu Hause albern zu sein, das Rückwärtslesen von Produktbeschreibungen hatte ich ja schonmal erwähnt und laut singen kann man in den eigenen vier Wänden auch sehr gut. Aber mancher Humor funktioniert natürlich besser mit einem Gegenüber, das mitspielt.
Und so plädiere ich zum Abschluss vehement für die Einführung von Quatsch und Albernheiten in den Alltag und rege an, sich mal wieder an die Kindheit zu erinnern, als Blödsinn und Unfug noch nicht so vom Verstand be- oder entwertet wurden sondern ganz selbstverständlich waren. Ich weiß nicht, in welchem Alter es genau anfängt, dass Kinder sich der Beobachtung anderer bewusst werden und man anfängt, das Bedürfnis zu entwickeln, sich konform zu verhalten. Aber seit dem ich gespürt habe, wie gut es tut, mal aus der Reihe zu tanzen und sich eben nicht konform zu verhalten, habe ich mir vorgenommen, dies wieder öfter zu tun. Wenn Sie also demnächst jemanden total albern durch die Gegend hüpfen sehen, könnte das vielleicht ich sein…
Und so verbleibe ich für heute Abend herzlichst,
Eure Merle