
werde ich mit Sicherheit nie ziehen, trotzdem habe ich mich gefragt, was ich auf eine einsame Insel mitnehmen würde, wenn ich müsste. Es ist ja eine Frage, die immer wieder gern in Persönlichkeitstests, Interviews oder geselligen Runden gestellt wird und sie hat auch ihre Berechtigung, weil man bei dieser Frage darüber nachdenken muss, was einem lieb und teuer ist und was einem in der Einsamkeit am besten die Zeit vertreibt. Ich persönlich finde die Vorstellung, auf einer einsamen Insel zu sein, eher grauenvoll, besonders wenn es keine Verbindung zum Festland gäbe, insofern ist für mich die Beantwortung dieser Frage eine spezielle Herausforderung, der ich mich nun stelle. Zehn Dinge darf ich mitnehmen, keine Personen oder Tiere. (Da ist schon der erste Haken, ohne meine Katzen ziehe ich nirgendwohin! Aber es ist ja nur ein Gedankenspiel…)
Also wäre das erste, was ich auf eine einsame Insel mitnehme ein Vorrat an Notizbüchern und Stiften, denn ich brauche unbedingt etwas zum Schreiben, wenn ich schon mit niemandem sprechen kann. Was ich mache, wenn die Stifte aufgebraucht sind, weiß ich noch nicht, aber vielleicht finde ich eine Vogelfeder und kann mit Pfanzensaft weiter schreiben. Solange die Notizbücher reichen….hm, ich werde also sehr, sehr klein schreiben müssen. Als zweites würde ich, ja, im Ernst, Seife mitnehmen, in der Hoffnung, dass es eine Quelle auf der Insel gibt und ich mich und mein bißchen Kleidung dort waschen kann. Ich habe mal gelesen, dass besonders in Außnahmesituationen die Aufrechterhaltung von täglichen kleinen Routinen sehr wichtig ist, darunter würde dann das Waschen fallen. Als drittes nehme ich einen 1-A-ausgestatteten Werkzeugkasten mit, damit ich mir so was ähnliches wie eine Hütte und kleine Möbel bauen kann. Also eine Säge müsste mit dabei sein und Nägel und Schrauben etc… Das nächste wichtige Ding wäre meine Guitarre. Ich gehe davon aus, dass ich keinen Strom auf der einsamen Insel habe, also werde ich selber für Musik sorgen. Bei der Gelegenheit nehme ich auch noch jede Menge Noten mit, denn ich werde unendlich viel Zeit haben, nach Noten zu spielen zu üben, das kann ich nämlich noch nicht so gut. Da wären wir auch schon beim sechsten Artikel, das sind Shakespeares gesammelte Werke, die ich auswendig lernen und unter Palmen rezitieren werde. Vielleicht kann ich dabei auch ein paar Fische ins Koma labern, falls das nicht geht, nehme ich lieber noch eine Angel mit. Ich habe keine Ahnung vom Angeln, aber das kann ich dann ja auch in aller Ruhe erlernen. Ich überlege gerade, ob es nicht sinnvoll wäre, entweder ein Surfbrett oder ein kleines Boot mitzunehmen – ich entscheide mich für das Boot, damit ich auch mal raus komme. Das wären jetzt schon acht Dinge, wenn ich mich nicht verzählt habe, bleiben also noch zwei Sachen, die ich für unabkömmlich halte: ich nehme ein Fotoalbum mit, mit Bildern von allen Menschen, die ich liebe und die mir nahe sind. Ich glaube, das brauche ich, um nicht durchzudrehen. Und als letztes nehme ich eine Leuchtpistole mit in der Hoffnung, dass irgendwann ein Schiff vorbei kommt, das ich so auf mich aufmerksam machen kann und das mich dann wieder mit in die Zivilisation nimmt.
Ich muss sagen, bei dem Gedankenspiel fühle ich mich überhaupt nicht wohl. Ich wäre wohl willens und in der Lage, es mir irgendwie einzurichten auf so einer einsamen Insel, (hätte ich vielleicht lieber Autan statt den Fotos mitnehmen sollen?) aber glücklich wäre ich nicht. Es gibt ja immer wieder Menschen, die sich auf eine einsame Insel wünschen, auch wenn es nur mal ein paar Wochen Urlaub wären. Ich stelle fest, ich kann dem nichts abgewinnen, vor allem wenn es nicht gesichert täglich die Möglichkeit gäbe, wieder von der Insel abzureisen. Ich liebe die Ruhe und die Natur, ein Waldspaziergang ist für mich ein großes Geschenk! Aber in der Regel sind das Aufenthalte, die zeitlich begrenzt sind und nicht über Nacht und überhaupt… Einsame Inseln haben ja auch die Angewohnheit, irgendwo in den Tropen zu liegen und eine Vielzahl an Tierchen zu beherbergen, mit denen ich als Mitteleuropäerin nicht warm werde.
Am Schlimmsten wäre aber tatsächlich für mich das Abgeschnitten sein von anderen Menschen. Kein Gegenüber, keinen Gesprächspartner zu haben, für was weiß ich wie lange, das sprengt meine Vorstellungskraft. Insofern beneide ich die Einsame-Insel-Menschen, da sie sich offenbar selbst genug sind und kein Problem mit der Einsamkeit hätten. Allerdings weiß ich natürlich auch nicht, wieviele Menschen sich diesem Selbstversuch schon freiwillig unterzogen haben und wie es ihnen danach ging, das wäre in der Tat mal sehr interessant herauszufinden.
Ich fasse zusammen, als fantasierte Möglichkeit ist die einsame Insel mal ganz witzig, aber in der Realität brauche ich das nicht. Mich würde interessieren, wie meine LeserInnen darüber denken! Gibt es unter Euch Einsame-Insel-Menschen, die sich das wünschen und gerne mal ausprobieren wollen, wie das ist? Oder vielleicht hat von Euch schon jemand diese Erfahrung gemacht? Dann würde ich mich sehr über einen Kommentar hierzu freuen!
In diesem Sinne verbleibe ich – froh mit meinen Katzen in meinen vier Wänden –
Eure Merle