Zu viel Information!

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Heute war es mal wieder so weit – ich bin in eine Situation geraten, in der ich mit zu viel Information überschwemmt wurde und ich konnte nichts dagegen tun außer das innere Abschalten zu üben, was schwierig ist, wenn sich auf dem gleichen Sofa sitzend eine Frau sehr laut mit einem daneben sitzenden Mann unterhält. Konkret war ich im Wartezimmer eines Arztes und musste nicht nur sehr lange warten sondern wurde auch mit lautstarken, sehr persönlichen Gesprächen dauerbeschallt, was mich unglaublich anstrengt und müde bzw. ärgerlich macht. Ich verstehe so etwas schlichtweg nicht.

Es ist das gleiche mit Handygesprächen in öffentlichen Verkehrsmitteln! Muss man in aller Öffentlichkeit die letzten Details vom Frauenarztbesuch besprechen oder die intimsten Probleme in der Beziehung? Manchmal, an guten Tagen, bin ich versucht, einfach ungefragt meinen Senf dazu zu geben, so à la: „junge Frau, wenn er sich bis jetzt nicht gemeldet hat, wird er es vermutlich auch nicht mehr tun, finden Sie sich damit ab!“ An den meisten Tagen aber nervt es mich einfach nur und ich finde es unhöflich, so belästigt zu werden.

Gibt es die Disziplin weghören? Ich weiß, dass meine Katzen selektiv hören können, sie sind definitiv in der Lage, bestimmte akustische Reize einfach auszublenden. Ich übe das seit Jahren, komme aber auf keinen grünen Zweig. Dabei habe ich ein ständiges Übungsfeld direkt bei mir im Haus, in Form meiner Nachbarn. Die eine scheint das zwanghafte Bedürfnis zu haben, täglich ihre Möbel umzuräumen und die andere feiert ihre Schäfterstündchen so laut, dass ich teilweise das Gefühl habe, es fände in meinem Schlafzimmer statt. Dass es in Mietshäusern, gerade in neueren, hellhörigen Modellen, dazu kommt, dass auch mal Alltagsgeräusche anfallen, ist selbstverständlich. Aber was sich fast täglich in meinem akustischen Radius abspielt, finde ich, na sagen wir mal, überdurchschnittlich laut und unnötig. Aus meiner Sicht. Ich finde, ich erhalte zu viel Information über das Leben von Menschen, die ich nicht kenne und die ich auch nicht kennenlernen möchte, zumindest nicht auf diese Art.

Vielleicht liegt es auch daran, dass ich in einer Mietwohnung groß geworden bin und schon sehr früh beigebracht bekommen habe, dass man Rücksicht übt und wenn möglich andere Menschen nicht mit Lärm belästigt. Und dass persönliche Gespräche nicht in der Öffentlichkeit geführt werden sondern in einem dafür passenden Rahmen.

Nennen Sie mich ruhig altmodisch, aber ich finde diese akustische Umweltverschmutzung wirklich beklagenswert. Einer Klatschzeitung oder einer Schlagzeilenschleuder kann ich aus dem Weg gehen, den Fernseher kann ich ausschalten, aber was sage ich einer geschätzt 16jährigen in der vollen U-Bahn, die neben mir sitzt und ihr Gefühlsleben mit ihrer Freundin diskutiert? Zu viel Information! Vor allem morgens um kurz vor acht! Ich will das alles nicht wissen, es geht mich nichts an, es verpestet die Atmosphäre und gelangt in Ohren, wo es nicht hingehört! Fehlt diesen Menschen das Bewusstein dafür, dass um sie herum andere Menschen sind, oder dass diese Menschen notgedrungen mithören oder ist es ihnen einfach egal? Ich fürchte ja fast, letzteres ist der Fall, was ich noch erschreckender finde.

Aber um nochmal auf das selektive Hören zu kommen – ich weiß nicht, warum das so schwer ist. In dem Moment, in dem ich beschließe, ein bestimmtes Geräusch nicht hören zu wollen, wird es lauter. Es ist wie mit dem rosa Elefanten, an den man nicht denken soll. Versuchen Sie das mal, es klappt nicht! Sie denken garantiert an einen rosa Elefanten, wenn Sie es nicht sollen/wollen. Wieviel mehr Frieden gäbe es in den Schlafzimmern der Welt, wenn man einfach ein Geräusch, nämlich das Schnarchen des Anderen, ausblenden könnte. Es gibt Oropax nicht umsonst – aber wer möchte schon immer mit Oropax durch die Welt laufen.

Ich habe mir jetzt ernsthaft überlegt, Geräusch-neutralisierende Kopfhörer anzuschaffen, leider sind die etwas teuer und ich weiß auch nicht, ob ich es angenehm finde, oft mit Kopfhörern rumzulaufen. Der Gedanke ist also noch in Arbeit. Derweilen überlege ich, ob es nicht einen höflichen aber unmissverständlichen Satz gibt, den man allzu mitteilungsfreudigen Mitmenschen sagen kann, ohne sie total vor den Kopf zu stoßen. Bislang ist mir nichts eingefallen, nur bissige Kommentare, die ich lieber für mich behalte. Mal sehen, vielleicht platzt ja eines Tages einer davon einfach so raus – ich werde Ihnen berichten, wie die Reaktion war!

Sollten Sie ansonsten irgendwelche Tips diesbezüglich haben oder Erfahrungen gesammelt haben, die mir weiter helfen – immer gerne!

Und so verbleibe ich

Eure Merle

 

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