Sagen, was ich denke und was ich möchte…

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…ist immer eine gute Idee, allein ich kann es nicht immer und so geht mein heutiger Beitrag über ein Gespräch, das ganz anders verlaufen wäre, hätte ich gleich den Mut gehabt, zu sagen, was ich denke und was ich möchte.

Es fing damit an, dass der Installateur für den Warmwasserzähler mit einer Verspätung von fast einer Stunde nach dem ursprünglich angegebenen Zeitraum bei mir auftauchte. Ich würde jetzt gern dem Installateuer die Schuld in die Schuhe schieben, das geht aber leider nicht. Jedenfalls war der gute Mann so spät, dass ich einen Freund, den ich eigentlich heute noch hatte sehen wollen, nicht mehr treffen konnte. Ich rief also besagten Freund an, nachdem der Monteur meine Wohnung verlassen hatte und hörte am Ton seiner Stimme, dass es ihm nun zu spät war noch bei mir vorbei zu kommen. Der aufmerksame Leser wird sich jetzt fragen: Häh? Wie kann sie das am Ton erkennen? Sollte man da nicht lieber fragen? Richtig! Das tat ich dann auch, aber so verklausuliert und gewollt humorvoll, dass das Gespräch sich in eine völlig seltsame Richtung entwickelte und das Ergebnis war jedenfalls das gleiche, es war ihm zu spät, noch vorbei zu kommen. Mittlerweile war ich so angestrengt und enttäuscht (ich halte mir zugute, dass ich insgesamt drei Stunden auf den Handwerker hatte warten müssen und ziemlich entnervt war), dass ich nicht mehr in der Lage war, zu fragen, was mir eigentlich wichtig war, nämlich ob wir uns am Wochenende sehen würden. Eigentlich kein Problem, mein Freund ist ein offener Typ, man kann ihn im Prinzip alles fragen und davon abgesehen ist das ja auch keine große Sache. Aber ich war mir nicht sicher, ob es ihm Recht sein würde, ob es ihm nicht zu viel würde, da er am Wochenende auch (im Schichtdienst) arbeiten muss und so verabredeten wir uns für Freitag, wo ich eigentlich selber schon recht viel vorhabe.

Kurz gesagt, nachdem ich den Höhrer aufgelegt hatte war ich total verwirrt, unzufrieden und völlig unklar darüber, was das jetzt für ein Gespräch war. Kein Wunder! Ich hatte versucht, mich ganz nach meinem Gesprächspartner zu richten, hatte dabei aber vergessen, was ich eigentlich wollte und schwurbelte derart so ziemlich durch die Gegend. Ich hatte jetzt nicht nur eine Verabredung an einem Tag, an dem ich sie ursprünglich nicht hatte haben wollen sondern hatte auch noch das Gefühl, übergangen worden zu sein. Was totaler Blödsinn ist, da ich ja gar nicht gesagt hatte, was ich wollte. Da kann man schlecht von anderen übergangen werden. Aber ich hatte mich selber übergangen!

Ich nehme an, es geht jedem manchmal so, dass man besonders an Tagen, an denen man ohnehin schon genervt oder angefasst ist, eine dünne Haut hat oder ein bißchen neben sich steht, dass man an solchen Tagen gerne seltsame Gespräche hat oder mit der Umwelt meint, nicht klar zu kommen. Ich habe an solchen Tagen öfter das Gefühl, dass mich keiner versteht, dass ich nicht akzeptiert bin oder ich fühle mich eben übergangen. Retrospektiv stellt sich in der Regel heraus, dass ich selber unklar bin, nicht genau weiß, was ich eigentlich will und ergo dies auch anderen nicht mitgeteilt habe. Dass es da zu Missverständissen und unbefriedigender Kommunikation kommt, liegt auf der Hand.

Ich habe übrigens meinen Freund nochmal angerufen und dieses Mal klar formuliert, was ich mir wünsche – und siehe da, es war gar kein Thema. Mein Kopfkino hatte mal wieder völlig umsonst alle möglichen Irrungen und Wirrungen vollzogen, die mit der Realität nicht so furchtbar viel zu tun hatten. Ich halte also für mich persönlich wieder mal fest, dass es von unschätzbarem Wert ist, die eigenen Gedanken im Zweifel zu überprüfen, indem ich nachfrage bzw. klar sage, was ich will. Tue ich das nicht, gebe ich dem anderen gar keine Chance, klar auf mich zu reagieren. Es entstehen Wortwechsel mit zig Subtexten und Zwischen-den-Zeilen-Botschaften, die kein Mensch ernsthaft entschlüsseln kann oder will.

Für die Zukunft nehme ich mir vor, öfter mal inne zu halten und nachzuschauen, ob ich mich selber gerade spüre, ob ich im Kontakt mit mir bin. Denn wenn ich das nicht bin, verliere ich mich im Gespräch und werde unklar. Ganz bei einer Sache zu sein und achtsam mit sich selbst und dem Gesprächspartner umzugehen, scheint mir sehr wichtig, zumindest möchte ich das für mich wieder bewusster praktizieren. Denn das heutige Beispiel hat mir wieder gezeigt, wieviel schlechte Laune und Unmut es macht, Gespräche zu führen, in denen man mehr aneinander vorbei als miteinander redet. Es ist außerdem eine wunderbare Erfahrung, dass eine Bitte, die ich äußere, erfüllt wird, einfach so! Wahrscheinlich würde das viel öfter in meinem Leben passieren, wenn ich mich nur trauen würde, sie auszusprechen. Da haben wir es also mal wieder, das Übungsfeld!

Also lautet das heutige Fazit: nicht nur geschrieben sondern auch gesprochen: Mund auf, sagen, was ich denke und was ich möchte! Mehr als „nein“ kann der andere übrigens im schlimmsten Fall auch nicht sagen 😉

Und so verbleibe ich heute mit heiteren Grüßen

Eure Merle

 

2 Gedanken zu „Sagen, was ich denke und was ich möchte…“

  1. Liebe Merle,
    Mir ist so etwas auch schon öfters passiert. Auch schon im Gespräch mit einer guten Freundin, mit der ich mich sonst eigentlich immer super verstehe. Es gab Gespräche in denen ich, bzw wir beide, uns anscheinend so undeutlich ausgedrückt hatten, dass es schon fast zum Streit kam, bis klar wurde, dass wir jeweils den anderen falsch verstanden hatten und in Wirklichkeit nur aneinander vorbei geredet haben. Inzwischen ist es jedoch schon eine ganze Weile her, dass uns so etwas passiert. Ich glaube wir haben es beide geschafft, in unseren Gesprächen sofort anzusprechen, wenn uns etwas unklar ist und uns zu vergewissern, dass wir den anderen richtig verstanden haben. Natürlich reden wir oft genug etwas wirr vor uns hin, ohne klar auszudrücken was wir eigentlich sagen wollen. Durch die Nachfragen des anderen, lernen wir jedoch (zumindest geht’s mir so), die eigenen Gedanken erst einmal für uns selbst klar zu formulieren.
    Mit den meisten anderen Leuten funktioniert das bei mir leider noch nicht so gut. Ich ärgere mich dann, wenn ich mich falsch verstanden oder übergangen fühle. Gleichzeitig neige ich dazu, die Situation einfach so zu akzeptieren und alles Mögliche in die Worte und das Verhalten des anderen rein zu interpretieren, statt nochmal deutlich meine Wünsche zu äußern. Am Ende bin ich meistens sehr frustriert und von mir selbst enttäuscht.
    Ich denke es ist wohl gut, weiter mit meiner Freundin zu üben und die erprobten Mechanismen auch in anderen Gesprächen zu übernehmen.
    Viel Erfolg Dir (und uns allen), Gedanken und Wünsche deutlicher auszudrücken,
    Deine Jumo

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    1. Liebe Jumo, ganz herzlichen Dank für Deinen Kommentar, ich freue mich sehr, dass das Thema noch jemanden anspricht! Ich kann Deine Frustration bei misslungener Kommunikation nur zu gut verstehen und es ist wirklich nicht einfach, die eigenen Wünsche und Belange immer in Gedanken vorher klar zu haben, bevor man sie ausspricht. Ich stelle für mich fest, dass es auch sehr auf das Umfeld bzw. mein Gegenüber ankommt, wie gut ich direkt im Gespräch Klarheit für mich bekommen kann. Im Arbeitsumfeld fand ich das meist schwierig, weil oft ziemlicher Zeitdruck herrschte, was eher dazu führt, dass ich unklar bin. Ich habe aber auch eine liebe Freundin, mit der auch ich übe und merke, dass es immer besser funktioniert, bei mir zu bleiben und zu sagen, was ich wirklich meine und denke. Wichtig ist glaube ich auch, dass wir uns das Recht heraus nehmen, etwas, was wir gesagt haben, zu revidieren bzw, zu modifizieren und wenn wir merken, dass ein Gespräch in eine seltsame Richtung läuft, das auch anzusprechen bzw sich bemerkbar zu machen, wenn wir uns nicht verstanden fühlen oder spüren, dass wir haarscharf an dem vorbei reden, was wir wirklich sagen wollen. Ich möchte zum Beispiel den Mut aufbringen können, auch mal zu sagen, „Moment bitte, darüber muss ich erst nochmal nachdenken, hier bin ich mir unsicher.“ Oder so ähnlich. Und ja, es bedarf der Übung, darum kommen wir nicht herum 😉 Ich wünsche uns beiden – und allen anderen, denen es ähnlich geht – ein gutes Gespür für uns selbst und den Mut, uns zu zeigen! Ganz liebe Grüße, Merle

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