
melde ich mich heute mit zwei neuen Werken zurück. Das eine ist hier im Beitrag zu sehen, das andere findet Ihr unter dem Menüpunkt „Malerei.“
Ich habe mir eine kurze, ungeplante und unangekündigte Auszeit genommen, da ich zum einen neue Inspiration brauchte und mir zum anderen auch darüber klar werden wollte, wie wichtig mir mein Blog ist – und ich habe festgestellt, dass er mir sehr wichtig ist. Deshalb musste ich mir auch darüber klar werden, wie ich weiter schreiben möchte, was ich von mir preisgeben will etc. Der Prozess ist noch nicht abgeschlossen, aber ich bin dem Ziel schon um einiges näher. Und heute fühle ich mich wieder literarisch genug um eine kleine, aber feine Anekdote des öffentlichen Nahverkehrs zu berichten.
Nachdem ich die letzten Tage in einem eher autistischen Zustand verbracht habe, musste ich heute früh wieder hinaus in die Welt und die U-Bahn benutzen. Ich war schlecht gelaunt, es regnete und war kalt und ich hatte überhaupt keine Lust, zum Arzt zu gehen. Und dann schien mir auch noch die U-Bahn vor der Nase wegfahren zu wollen. Aber halt! Da rief der Fahrer die Fahrgäste auf, nochmal alle Türen zu öffnen – die Gelegenheit für mich, noch schnell hinein zu schlüpfen. Ich ließ mich müde auf einen Sitz fallen, da kam wieder die Durchsage, dass alle Türen nochmal geöffnet werden müssten, sonst könne es nicht weiter gehen. Da sich die anderen Fahrgäste anscheinend auch alle in einer Art autistischem Zustand befanden und sich nicht rührten, erbarmte ich mich der mir am nächsten liegenden Tür und öffnete sie zwei bis drei Mal – bis dann auf einmal die Fahrt weiter gehen konnte. Was dann kam, hat mich auf sehr charmante Weise aus meiner Lethargie gerissen, denn der U-Bahn-Fahrer bedankte sich im herrlichsten frrränkischen Dialekt für die Mithilfe der Fahrgäste, das sei eine pfundige Geschichte gewesen, dass da so viele mitgeholfen haben und er wünschte uns allen noch einen wunderschönen Tag und eine gute Fahrt. So etwas finde ich einfach herrlich, da werde ich dankbar und ein bißchen wehmütig, weil ich mir denke, solche kleinen außerplanmäßigen Liebenswürdigkeiten könnte es eigentlich viel öfter geben, Gelegenheiten dazu gäbe es auf jeden Fall jede Menge und ich will mal sehen, ob ich nicht selber auch öfter mal die Quelle solcher Liebenswürdigkeiten sein kann. Nach dem Motto: nicht über das Dunkle jammern sondern lieber selber eine Kerze anzünden.
Und das bringt mich zu einer weiteren Erkenntnis, die ich in den letzten Tagen wieder mal gewonnen habe. Sie kommt mir immer mal abhanden, aber dann werde ich wieder erinnert: Es sind auch und vor allem die kleinen Dinge, die das Leben angenehm machen. Ich habe zum Beispiel wieder schätzen gelernt, kleine alltägliche Verrichtungen mit Achtsamkeit durchzuführen und mich dann über das Ergebnis zu freuen. Sei es Geschirr spülen, Wäsche waschen oder die Katzentoiletten sauber zu machen – diese Dinge geben in ihrer ritualisierten Form nicht nur Halt, sie können sogar Freude bereiten, wenn man das Ergebnis mit berücksichtigt. Besonders jetzt, wo die Tage kurz und eher grau sind, fällt es mir natürlich leichter, mich dem Zustand meines zu Hauses zu widmen und weiß ich es wieder mehr zu schätzen, wenn mein Heim auch heimelig ist. Ich hoffe, ich werde diese Einsicht nicht wieder über den Alltag vergessen sondern sie weiter mit mir tragen.
Meinen geschätzten Leserinnen und Lesern wünsche ich nun erstmal eine gute Woche und verbleibe
Eure Merle