
Unbekannte Landschaften, das ist nicht nur der Titel von dreien meiner Werke, es drückt auch mein derzeitiges Lebensgefühl aus. Ich fühle mich, als sei ich unterwegs in unbekannten Landschaften, als hätte mich jemand mitten auf dem Planeten in diesem Leben abgesetzt und gesagt: jetzt mach mal! Und ich stolpere so dahin in den Landschaften… ich bin jetzt 44 Jahre alt und hab schon ein bißchen was erlebt, und ich weiß nicht, ob es anderen auch so geht, aber immer wieder im Leben bin ich an Punkte gekommen, an denen ich dachte, ich hätte jetzt das Leben so einigermaßen verstanden, ich wüsste, worauf es ankommt und was ich vermeiden sollte. Aber dann passiert garantiert mir oder meinen Lieben irgendetwas, was mich wieder völlig aus dem Konzept haut und ich muss mir sagen: denkste! Nix haste kapiert! Das Leben ist und bleibt unberechenbar, unvorhersehbar und ganz schön seltsam bisweilen.
Ich komme auch auf diese Gedanken, weil ich unlängst eine Nachricht von einer Freundin bekommen habe, dass sie ein geliebtes Wesen gehen lassen musste und diese Freundin hat wirklich seit geraumer Zeit eine arge Pechsträhne und ich frage mich dann schon: muss das sein, gerade diese Häufung an schmerzhaften und unschönen Erfahrungen…? Der Mensch hält ja viel aus, aber muss es denn bei manchen bis zur Schmerzgrenze und darüber hinaus gehen? Reicht es nicht irgendwann einmal? Und woran liegt es, dass die einen über weite Strecken kämpfen müssen und die anderen nicht? Ich weiß, Vergleich ist aller Unzufriedenheit Anfang, dennoch komme ich nicht umhin zu sehen, dass den einen das Leben ungleich viel leichter fällt als den anderen.
Und natürlich kenne ich all die Theorien, warum das so ist, angefangen bei dem, was wir qua Geburt und Genetik mitbekommen und dann durch die gesellschaftliche Prägung und ich kenne die Statistiken die besagen, dass manche Menschen überdurchschnittlich oft Opfer von Verbrechen oder Unglücken werden und vieles hat sicher auch mir der eigenen Haltung zum Leben zu tun – aber doch nicht alles! Ich kenne auch die der Esoterik oft nahe stehende Annahme, man habe sich das, was im jetzigen Leben passiert, vorgeburtlich selber ausgesucht. Nun, jedem das Seine, aber diese Theorie teile ich jedenfalls nicht und sie jemandem als Erklärung anzubieten, der beispielsweise durch eine schwere Krankheit durch muss, finde ich fast schon zynisch. Ich würde es jedenfalls nicht als Modell für mich wählen.
Und während ich also so rumüberlege und versuche zu verstehen, habe ich immer mehr den Eindruck, dass doch viel mehr willkürlich und nach dem Chaosprinzip passiert und ich vielleicht wirklich aufhören muss, die Frage nach dem Warum zu stellen und mich stattdessen auf das Wie zu konzentrieren. Wie begegne ich dem Leben und wie gehe ich durch schwere Zeiten, völlig egal, wie oder warum ich hinein geraten bin. Eine gute Bekannte von mir sagt immer: die Schuldfrage hat noch niemandem geholfen. Ich möchte das gerne erweitern und würde sagen: Weder die Frage nach der Schuld noch die nach dem Warum hilft weiter.
Es fällt mir schwer, das gebe ich zu, das Warum loszulassen, aber ich weiß, dass es richtig ist. Also werde ich zukünftig versuchen, die unbekannten Landschaften weniger analytisch und mehr sinnlich zu erfahren und mich nicht fragen, woher dies oder jenes kommt, sondern es als gegeben akzeptieren, wenn es sich ohnehin nicht ändern lässt. Ich bin mal gespannt, wie gut mir das gelingt…
Und so grüße ich Euch heute leicht hadernd, vorsichtig optimistisch und wünsche uns allen eine gute Woche!
Eure Merle