
Als erstes ist es mir vor zwei Jahren aufgefallen, als ich in den verschiedenen Postkartenregalen immer mehr Spruchkarten fand, die das Einhorn zum Thema hatten, wie zum Beispiel „Komm Einhorn, wir gehen!“ oder „Vergesst den Prinzen, ich nehm das Einhorn!“ oder auch „Sei immer Du selbst, und wenn das nicht geht, sei ein Einhorn!“ Ich springe hier auf keinen Trendzug auf sondern erlaube mir die Interpretation, dass offensichtlich ein großer Bedarf an Einhörern besteht. Und warum auch nicht? Oder besser gesagt: aber natürlich!
Über die Feiertage habe ich in meine DVD-Sammlung gegriffen und mir Ally McBeal-Folgen angesehen, eine US-Serie, die Ende der 90er, Anfang der 2000er Jahre lief, in deren Mittelpunkt eine neurotische wie sich einsam fühlende Anwältin steht, Ally McBeal. Der Mythos um die Serie besagt, dass die in ihr gezeigten Gerichtsfälle alle auf realen Verfahren beruhen und ich möchte das gerne glauben, besonders bei der Folge, in der ein Banker seinen Job verliert, weil er ein Einhorn gesehen hat und dies unter Kollegen kundgetan hat um sich zu vergewissern, wer das Einhorn noch sah. Er wird gekündigt, weil er als nicht mehr zurechnungsfähig gilt und geht vor Gericht. Sein Anwalt hält ein wunderbares Plädoyer, in dem es darum geht, dass wir alle Hoffnung brauchen, dass vor allem einsame Menschen Hoffnung brauchen und dass es keinen Grund gibt, jemanden für verrückt zu erklären, nur weil er oder sie etwas gesehen hat, was andere nicht sehen können. Ich kann dem nur rundweg zustimmen, obwohl ich selber noch nie ein Einhorn gesehen habe, leider.
Das Einhorn gilt als Symbol für Einsamkeit, aber auch der Hoffnung und Liebe und diejenigen, die es sehen können, sollen mit einer besonderen, magischen Fähigkeit ausgestattet sein. Es ist also kein Wunder, dass Einhörner schon seit einer Weile hoch im Kurs stehen, denn ich denke, dass immer Menschen unter Einsamkeit und Isolation leiden. Wem möchte man da kein Einhorn wünschen? Nur nebenbei erwähnt: In England gibt es seit einer Weile ein Ministerium für Einsamkeit, es soll sich um die steigende Anzahl der vor Einsamkeit kranken Menschen kümmern, man hat das Phänomen dort bereits als Kostenfaktor erkannt. Ich glaube, England ist keine Ausnahme, so ein Ministerium bzw. die damit verbundenen Projekte und Maßnahmen könnten viele, vor allem westliche Industrienationen gut gebrauchen.
Der um sich greifenden Einsamkeit beizukommen, ist nicht einfach. Ich gehe davon aus, dass die meisten Menschen so mit sich und ihrem Leben beschäftigt sind, dass sie wenig Kraft und kaum einen Blick für Andere haben. Ich konnte mich kurz vor Weihnachten selbst dabei beobachten, wie ich kein Wort für einen Gast in einem Cafe übrig hatte, in dem ich gerade mit meiner Freundin war. Der Mann versuchte, sich in unser Gespräch zu mischen und ich fand das nur unhöflich und ignorierte ihn, aber am Ende dachte ich mir, wahrscheinlich war er einfach nur einsam. Einsamkeit begegnet mir im Alltag häufig und ich selber fühle mich auch oft einsam. Bisher habe ich mir mehr schlecht als recht Strategien zurecht gelegt, um mit der Einsamkeit umzugehen. Wie schön wäre es, wenn ich einen Zugang zu der Weltenebene hätte, in der es Feen, Elfen, Engel und Einhörner gibt. Ich glaube, ohne dieses Reich in unser Leben zu lassen, ohne der Magie Raum in unserem Leben zu geben, sind wir um einiges ärmer.
Die Menschen, die in Kontakt zu diesen Sphären sind, finde ich beneidenswert. Wir sollten jeden, der Einhörner sieht, beglückwünschen und uns freuen, dass es sie gibt. Oft werden unsere Mitmenschen, die an solche übernatürlichen Wesen glauben als Spinner abgetan, Menschen, die sich mit Übersinnlichem beschäftigen als Esoterik-Schlümpfe abgewertet. Ich meine, da sollten wir vorsichtig sein! Nur weil ich etwas nicht sehe oder spüre, was ein anderer sieht und spürt, heißt das noch lange nicht, dass es so etwas nicht gibt! Und vielleicht kommen ja die letzten Einhörner gerade jetzt wieder vermehrt zu uns, da sie fühlen, dass die Menschheit sie braucht! Der Bankmanager aus der Serie Ally McBeal hat übrigens nach dem leidenschaftlichen Plädoyer des Anwalts seinen Job wieder bekommen.
Es gibt viele Gründe, Vorurteile gegenüber Anderen zu haben; Menschen, die nicht konform gehen, die etwas „abseits“ der Gesellschaft stehen oder die etwas entrückt wirken, werden gerne vorverurteilt – nur weil sie nicht in den Mainstream passen. Vielleicht macht es manchen ja auch Angst, was da draußen noch so alles existieren könnte. Mein eigener Weg muss aber nicht in Frage gestellt werden, nur weil ein Anderer ihn nicht geht. Umgekehrt genauso. Ich stelle daher die Behauptung auf, dass es uns allen etwas besser ginge, wenn wir mehr „Ver-rücktheit“ in unser Leben ließen und offen bleiben für das Fremde, das Nicht-Erklärbare, das Magische.
Wie ich selbst aktiv Kontakt zu Einhörnern aufnehmen kann, habe ich noch nicht heraus gefunden, ich schätze, das lässt sich auch nicht beschleunigen, ich muss einfach geduldig sein. Die eine oder andere Fee lade ich auch herzlich gerne ein! 😉
Vielleicht ist ja unter meinen LeserInnen eine Glückliche, die damit schon Erfahrung gemacht hat und möchte diese mit uns teilen? Ich würde mich sehr darüber freuen…!
In diesem Sinne verbleibe ich freudig gespannt,
Eure Merle
Ein wunderschönes Werk!👏👏👏👌
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Dankeschön, das freut mich ungemein! *rot werd und lächel*
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