Ungeliebte Geschenke

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Wie in meinem vorigen Beutrag schon erzählt, bin ich heute dabei, mein Bücherregal auszumisten und dabei bin ich auf Titel gestoßen, die ich nie gelesen bzw. nur angelesen habe und dann beiseite gelegt habe, weil ich mich einfach nicht in die Lektüre einfinden konnte. Da sie aber Geschenke waren, habe ich sie pflichtgemäß in mein Regal gestellt. Außerdem bin ich über das ein und andere „Steh-Rümchen“ gestolpert, welche ich ebenfalls geschenkt bekommen habe und mich nicht getraut habe, wegzugeben oder gar wegzuschmeißen – denn immerhin hat der oder die Schenkende es ja lieb gemeint.

So sehe ich mich jetzt einer erklecklichen Ansammlung von Büchern und Gegenständen gegenüber, die mich alle vorwurfsvoll anstarren, weil ich sie nicht mag. Ich starre stur zurück und denke mir: nein, das kann es nicht sein! Ich möchte mich nicht mehr mit diesen Dingen belasten, die kommen jetzt weg. Also bereite ich einen Karton vor, packe die Sachen hinein und stelle ein Schildchen dazu: ZU VERSCHENKEN und bringe das ganze vor unsere Haustür. Vielleicht gefällt ja dem ein oder anderen Passanten, was er sieht und auf diese Weise wird niemand zwangsbeglückt.

Bin ich jetzt unhöflich oder undankbar? Ich meine nicht. Ich habe sogar mit einer langjährigen Freundin die Übereinkunft, dass wir uns sagen, wenn das Geschenk an die andere nicht gefällt – dann darf ich es ohne schlechtes Gewissen zurück geben und es findet anderweitig eine Verwendung und einen Besitzer, der es schätzt. Das ist doch allemal besser, als wenn es still und leise bei mir vor sich hin gammelt. Ich kann mich noch gut erinnern, wie ich besagter Freundin ein Werk von Herman Hesse zum Geburtstag geschenkt habe. Ich war so stolz auf den Einfall und ich liebe Hesse. Die Reaktion meiner Freundin, war, nunja, eher zurückhaltend. Sie gestand mir auf unglaublich charmante Art und Weise, dass sie mit dem Buch überhaupt nichts anfangen könne und im ersten Moment war ich zutiefst erschrocken. Doch dann dachte, Gott sei Dank sagt sie es mir, wie blöd wäre es, wenn sie mir Gefallen vorheucheln würde! Und damit kam unser gegenseitiges Einverständnis in die Welt, bezüglich Geschenken immer ehrlich zu sein.

Aber das funktioniert bei weitem nicht mit jedem. Viele Menschen reagieren beleidigt und verletzt, wenn man ihre Geschenke nicht super findet. Was macht man in solchen Fällen? Eine Verstimmung in Kauf nehmen und trotzdem ehrlich sein? Eine Notlüge erfinden und hoffen, dass nie nach dem Inhalt des Buches oder dem Verbleib des Gegenstandes gefragt wird? Darf man solche Dinge weitergeben oder entsorgen? Ganz grundsätzlich bin ich für Ehrlichkeit, aber ich muss mir eingestehen, dass ich das eben nicht in jedem Fall hin bekomme. Es ist wie eine Absage, wenn einem ein Geschenk nicht gefällt und das ist nicht immer einfach. Jemanden zu enttäuschen, der sich wahrscheinlich Gedanken gemacht hat und es gut meint, finde ich sehr schwierig. Und ja, ich finde es auch nicht leicht, „nein“ zu sagen, wenn ich um einen Gefallen gebeten werde oder zum Beispiel Einladungen abzusagen. Ich tue es, denn derart verbiegen kann und will ich mich auch nicht, aber es schmerzt und fällt schwer.

Geschenke sind im besten Fall Gesten, die die Beziehung erhalten und festigen und die vor allem die besondere Wertschätzung zwischen zwei Personen ausdrücken. Natürlich kann es sich aber auch um eine lästige Pflicht handeln, eine Geste der Höflichkeit, weil man das halt so macht. Und wenn einem nichts passendes einfällt, dann kauft man irgendwas. Letzteres kenne ich aus meinem Umfeld dankenswerter Weise nicht, aber ich habe Freundinnen, die von ungeliebten Geschenken der Schwiegermutter berichten oder von sagenhaft hässlichen Deko-Artikeln, die bis zum Besuch der Oma im Schrank aufbewahrt werden und zwei Mal im Jahr schnell hervor gekramt werden. Doch, das gibt es wirklich.

Zu meiner Studienzeit – also vor gut 20 Jahren  – bekam ich selber noch „Carepakete“ von meiner Großmutter, in der immer eine bestimme Körperlotion und ein Haarshampoo waren sowie ein ganz bestimmtes Unterhosenmodell. Ich fand alle drei Dinge zum abgewöhnen, brachte es aber nie übers Herz, das meiner Oma mitzuteilen, sie hat sich so gefreut, mir eine Freude zu machen. Also habe ich stillschweigend über Jahre abartige Unterhosen angesammelt… was man nicht alles tut…aber ich bin davon überzeugt, dass es in diesem Fall richtig war, gute Miene zum bösen Spiel zu machen, denn sie hätte es nicht verstanden und wäre zutiefst verletzt gewesen,

Es bleibt also eine Einzelfallentscheidung, wie ich mit ungeliebten Geschenken umgehe, aber mit der klaren Tendenz zur Offenheit. Wenn ich meinen Freunden nicht sagen kann, was mir gefällt und was nicht – wem dann?

Und dann gibt es noch die ganz besonderen Geschenke, nämlich diejenigen, die selbst gemacht sind. Was soll ich sagen, das Salzteig-Namensschild einer Bekannten hat es nicht an die Tür geschafft, aber meistens sind selbst gemachte Geschenke doch von ganz eigenem Charme, speziell, wenn sie von Kindern kommen. Das vogelwilde Bild meiner 7-jährigen Nichte hängt zwar nicht an der Wand, aber es wird umsichtig aufbewahrt, ebenso wie andere handgemachte Dinge, die ich im Lauf der Jahre bekommen habe. Nicht alle gefallen mir, aber ich schätze den ideellen Wert, den solche Geschenke für mich haben.

In den letzten Jahren bin ich vermehrt dazu über gegangen, meine Freunde zu fragen, was sie sich wünschen, das verringert das Risiko, daneben zu liegen, ungemein. Und ganz wichtig: Geschenke zum Geburtstag oder Weihnachten sind keine Selbstläufer, will sagen, es besteht kein Zwang zu schenken. Gerade zu Weihnachten entsetzen mich oft die Summen, die da zum Teil ausgegeben werden und die inzwischen zum Klischee verkommene Frage: ist den Leuten noch der ursprüngliche Sinn des Schenkens bewusst? drängt sich unweigerlich auf. Ich persönlich schenke lieber nichts als zu einer Notlösung zu greifen, denn davon hat niemand was.

Und natürlich darf man sich der Dinge entledigen, die so gar nicht ins eigene Heim passen. Auch ich habe die Unterhosen meiner Großmutter nicht ewig aufbewahrt. Einige sind zu Putzlumpen geworden, andere fanden direkt den Weg in den Müll. Allerdings erst, als es meine Oma nicht mehr gab.

So, jetzt bin ich gespannt, was mir bei meiner Entrümpelungsaktion noch so alles über den Weg läuft – und ob meine zu verschenkenden Dinge neue Besitzer finden… falls nicht, ich nehme sie nicht zurück, dann müssen sie entsorgt werden!

Für heute verabschiede ich mich und wünsche Euch einen schönen Abend!

Eure Merle

 

 

 

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