
Ich habe zu viel Zeit. Eindeutig. Und es gibt Tage, da fällt es mir ziemlich schwer, mit meiner Zeit sinnvolles anzufangen. Also wird ein bißchen mit Farben gespielt, hier gelesen, dort eine geraucht… und dann warte ich auf anstehende Termine oder Verabredungen, und bin ungeduldig mit mir selbst. Heute habe ich zum Beispiel bis 16 Uhr Zeit, bis der Sohn einer Bekannten zum Englisch pauken zu mir kommt. Darauf freue ich mich, das wird bestimmt nett. (Also für mich – für ihn, weiß ich nicht *grins*.) Aber bis dahin ist einfach zu viel Zeit! Ich höre förmlich die Stimmen, die da sagen: spinnt die? Soll doch froh sein, dass sie zu viel Zeit hat, wer beschwert sich denn über sowas!? Das ist ja voll das Luxus-Problem!! – Stimmt, ist es, das macht’s aber nicht besser und zum Trost für alle, denen oft oder gar immer Zeit fehlt: auch ich kenne Phasen, in denen einem die Zeit buchstäblich davon rennt und man gar nicht mehr weiß, wie man alles unter einen Hut bringen soll.
Aber heute schreibe ich -kurz- über Langeweile. Ein meines Erachtens weit unterschätztes Phänomen. Denn Langeweile gehört zum Leben, ist sogar notwendig, um Raum für Kreativität zu öffnen und ist insofern spannend, als dass sie mich auf mich selbst zurück wirft. Ich muss mich mit mir und meiner inneren Leere auseinander setzen. Das ist nicht angenehm, bisweilen aber erhellend. Eine Pause von all den Aktivitäten zu haben, die sonst den ganzen Tag erfüllen und die ein ständiges Hintergrundgeräusch verursachen, zeigt mir, inwieweit ich wirklich bei mir selbst bin oder eben doch ganz woanders. Nicht der Versuchung zu erliegen, die Leere mit Musik, Literatur oder Bewegung zu füllen sondern sie auszuhalten – das ist eine Kunst, die geübt werden will. Nichts zu konsumieren, einfach in sich hinein zu hören und zu gucken, was da kommt, wenn Stimulantien von außen fehlen… das erfordert Geduld und den Mut, in nicht so angenehme Gefühlszustände zu geraten. Ungeduld, Ärger, Missmut, Trauer und so weiter recken da ihre Köpfe und fragen, wo denn jetzt der Input bleibt, die Ablenkung.
Nein, sage ich zu meiner Langeweile. Jetzt lenken wir uns mal nicht ab sondern halten das aus. So, an dem Punkt habe ich dann vorhin meine Stifte gepackt und hab gemalt und dann fing ich an, diesen Beitrag zu schreiben. Wie schön, eine Stunde ‚rum. Aber noch zweieinhalb vor mir, uff. Ich werde mir jetzt einen Tee machen und dann höchstwahrscheinlich ein paar Entspannungsübungen versuchen und dann wollen wir doch mal sehen, ob das nicht klappt mit der Akzeptanz der Langeweile…und wenn nicht, habe ich immer noch meine Katze, der ich beim Schlafen zusehen kann 🙂
Herzliche Grüße
Merle