
hat mich gestern die Hausverwaltung – ich solle gefälligst aufhören, den Eigentümer zu belästigen!
Aber von vorne. Wie an anderer Stelle bereits erwähnt, wurde unser Mietshaus (24 Mietparteien) von einer Baugesellschaft gekauft, die als erstes gleich die Mieten erhöht hat. Das Haus liegt in bester Lage in einer beliebten deutschen Großstadt und es wurden in den letzten Jahren nur einzelne Dinge in verschiedenen Wohnungen renoviert. Das Baujahr liegt zwischen 1950 und 1966 und überall um uns herum wurden in den Straßenzügen alle Wohnungen und Bürohäuser bereits modernisiert bzw. saniert. Ein Schelm wer Böses denkt? Eine Baufirma kauft ein Haus unter diesen Bedingungen und keiner denkt an Luxussanierung?
Nunja, bis auf ein kleines gallisches Dorf, in dem sich Widerstand regt… ach, das war eine andere Geschichte…pardon… jedenfalls habe ich mich vor einigen Wochen bei der Hausverwaltung erkundigt, ob bzw. wann denn die Sanierung unseres Hauses geplant ist, worauf man mir sagte, man wisse es nicht. Also habe ich kurz darauf den Eigentümer angerufen, besagte Baufirma, und sprach jedes Mal mit einer netten Assistentin, die mir jedes Mal versicherte, sie leite mein Anliegen weiter und ich werde zurück gerufen. Doch das passierte nie, komisch oder? Nein, nein, das läge nicht an mir, Herr xyz habe nur so schrecklich viel zu tun! Ja, genau. Nachdem ich mehrmals freundlich nachgefragt hatte, gab ich im Laufe dieser Woche auf und rechnete nicht mehr damit, angerufen zu werden. Aber ich ließ es mir nicht nehmen, im Internet die schlechteste Bewertung dieser Firma abzugeben. Das war das erste Mal, dass ich sowas getan habe, es fühlte sich komisch und doch auch richtig an.
Und was passiert als Nächstes? Genau, die Hausverwaltung ruft mich an und will mir verbieten, den Eigentümer wieder anzurufen, dieser sei nicht mein Ansprechpartner sondern die Hausverwaltung selbst und man wisse gar nicht, wieso jetzt alle Mieter den Eigentümer anriefen und wegen Sanierungen nachfragten. Tja, da komm ich jetzt auch nicht drauf – könnte es eventuell damit zu tun haben, dass die meisten Mieter Angst vor einer weiteren deftigen Mieterhöhung haben, nachdem die Wohnungen saniert wurden – weil offensichtlich ist, was angeblich nicht stimmt? Die Dame der Hausverwaltung wollte mir allen ernstes verkaufen, dass die Baufirma selber noch nicht wisse, was sie mit dem Haus plane! Man wisse nicht, was in einem, zwei oder drei Jahren sei – ach was – aber erstmal bliebe alles beim alten. Ich konnte es mir nicht verkneifen und erklärte der Dame erstmal, dass für mich bereits jetzt nichts beim alten geblieben ist, denn durch die Mieterhöhung bin ich nun Empfänger der Grundsicherung und dass eine weitere Erhöhung dazu führen würde, dass ich umziehen muss, was wiederum in unserer schönen Stadt ein Kunststück ist, das kaum zu vollbringen ist, weil es eben keinen günstigen Wohnraum gibt.
Und wer bitte ist so naiv zu glauben, dass eine Firma, die mit exclusiven Neubauten und noch exclusiveren Modernisierungen auf ihrer Internetseite wirbt, dass diese Firma nicht wisse, was sie mit einem Haus in dieser Lage anzufangen gedenke? Ich bitte Sie, Frau B. von der Hausverwaltung, das glaubt Ihnen doch kein Mensch!
Aber davon abgesehen, dass man die Mieter offenbar für dumm verkaufen will, was Modernisierungspläne angeht (diese müssen im übrigen leider nur drei Monate im Voraus angekündigt werden, eine Zeitspanne, in der, realistisch betrachtet, definitiv keine Alternative zu finden sein wird), empfinde ich es als Frechheit, dass man mir vorschreiben will, wen ich anzurufen habe und wen nicht. Ich erklärte Frau B., dass ich ja bereits bei der Hausverwaltung nachgefragt hatte, die aber keine Auskunft geben konnte und dass ich deshalb den Vermieter direkt angesprochen hatte – was daran verwerflich sein soll, erschließt sich mir nicht! Aber es offenbart die Haltung des Vermieters gegenüber seinen Mietern: lästiges Beiwerk einer lukrativen Immobilie in der Innenstadt.
Unser Haus war über die letzten 20 Jahre tatsächlich wie ein kleines, gallisches Dorf in unserem Viertel – als einziges, verbleibendes Mietshaus in dieser Straße, mit angemessenen Mieten, gehörten wir einer Privatperson, die kein Interesse daran hatte, den Mietenboom mitzumachen. Vor allem deshalb gibt es auch viele Mieter hier, die schon sehr lange hier wohnen und die auf die moderaten Mieten angewiesen waren. Ich denke da an einige Nachbarn, die Rentner sind oder an die Studenten, die auch hier wohnen.
Warum man uns keinen reinen Wein einschenkt, kann ich nur erahnen. Und wer jetzt denkt: was will sie denn, dann gibt’s halt keine Sanierung, soll doch froh sein – der soll mir bitte erklären, was eine Baufirma sonst mit dem Haus anfangen soll und vor allem erinnere ich an die Aussage der Hausverwaltung, dass man ja nicht wissen könne, was in einem, oder zwei Jahren sein wird. Ich kann mir gut vorstellen, dass man verhindern möchte, dass sich echter Widerstand formiert und die Mieter sich organisieren, um sich zu wehren. Das scheint mir sehr plausibel.
Und für den Fall, dass ich mich doch täusche und die Immobilie als Abschreibungsobjekt gekauft wurde, kann ich nur sagen: ich würde mich freuen wie Bolle, wenn ich Unrecht hätte!
Da ich das aber für wenig wahrscheinlich halte, werde ich also anfagen, mich nach einer anderen Wohnung umzusehen. Dass ich etwas vergleichbares finde, ist unwahrscheinlich. Man darf mir also die Daumen drücken, dass ich mich mit meinen
47m² wenigstens nicht verkleinern muss und höchstens an den Rand der Stadt ziehen muss.
Das wäre nicht das Schlimmste, denn mit mehr Grün um mich zu wohnen, fände ich auch schön und vielleicht, ja vielleicht klappt ja auch die angedachte WG, wer weiß. Ich versuche also, aus den drohenden Veränderungen das Beste zu machen – und dennoch ärgere ich mich über den Umgang mit uns als Mietern und es macht mich wütend, dass trotz der Wohnungsnot Investoren immer noch freie Hand haben, bezahlbaren Wohnraum weiter zu verknappen. In diesem Punkt fühle ich mich auch als Wählerin betrogen und sähe es wirklich gern, wenn die Kommunalpolitik endlich ihre Hausaufgaben machen würde. Denn letztendlich führen die Entwicklungen auf dem Immobilienmarkt dazu, dass all die Menschen, die mit ihren Jobs eine Stadt am funktionieren halten (öffentlicher Nahverkehr, Gesundheitssektor, sozialer Sektor, Dienstleistungen, usw.), sich ein Leben in dieser nicht mehr leisten können. Das kann nicht gewollt sein – oder doch?
Meine ersten Internet-Suchanfragen auf einer bekannten Immobilienplattform haben gruselige 3-6 Treffer erziehlt, und das in Gegenden, in denen ich partout nicht wohnen möchte. Ich möchte außerdem nicht wissen, wie viele Bewerber es auf die einzelnen Angebote wohl gab. Aufgeben werde ich trotzdem nicht sondern weiter suchen, immerhin hab ich ja wenigstens noch eine Weile Zeit.
Aber heute ist erstmal Samstag und den halte ich mir in der Regel von unangenehmen Pflichten frei. Und so wünsche ich Euch und mir selbst ein sorgenfreies, entspanntes Wochenende und verbleibe
Eure Merle
Liebe Merle,
nun scheint Dich das einzuholen, was man sonst nur in Zeitungen liest…
Trotz Deiner dummen und unklaren Lage, hast Du mit so viel Humor geschrieben (wenigstens im ersten Teil), dass ich mich echt unterhalten gefühlt habe :-). Bewahre Dir dieses (Galgen)humörchen bei allem was kommt und richte Dir schöne, grübelfreie Zeiten ein!!
Herzlich Miriam
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Liebe Miriam, herzlichen Dank für Deinen Kommentar – und es freut mich, dass Dir der Text Spaß gemacht hat, so soll es sein 🙂 – Nein, meinen Humor lass ich mir nicht nehmen, auch wenn es manchmal schwer fällt… Liebe Grüße, Merle
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wen sonst sollst du denn belästigen? ich frag doch auch nicht die brötchen, wenn ich was vom bäcker wissen will.
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😀 Herzlichen Dank für den herrlichen, launigen Kommentar! Den Satz werd ich mir merken! LG Merle
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