
…hat mein Künstlerherz heute beim Farbenkauf 🙂
Eine geschlagene Stunde bin ich davor im Laden um die Marker-Stifte herum getigert, habe verschiedene Firmen ausprobiert, mir Papiere angeguckt und erlesene Farbtöne bewundert. Beraten worden bin ich ganz gut, wenn die Verkäuferin auch leider meine Begeisterung für ein Sammelpaket mit 96 (!) Farbtönen nicht teilte. Wow, das hat mir erstmal den Boden unter den Füßen weggezogen – denn wenn ich ehrlich bin, dann muss ich zugeben, dass ich zu dem Künstlerbedarf-Fachgeschäft gefahren bin mit der offiziellen Ansage an mich selbst, dass ich ja erstmal nur die verschiedenen Marker ausprobieren will – aber der inoffiziellen Hoffnung und Vorfreude auf eben jenes Paket mit 96 Farben. Ich liebe Farben, ich könnte Stunden lang einfach nur Farbtöne ausprobieren, kombinieren, übereinander legen, verblenden… mit Farben spielen macht einfach Freude und 96 davon in der Schatzkiste zu haben, darauf habe ich mich tierisch gefreut! Und dann kommt da eine ganz nüchterne Verkäuferin die sagt, als Einsteigerin mit Markern würde sie mir davon abraten, ich solle lieber einzeln die Farben von allen möglichen Herstellern zusammen suchen.
Nun ist der Kauf von einzelnen Stiften natürlich teurer, aber ganz konnte ich den Einwand der Fachverkäuferin nicht beiseite schieben. Vor allem aber hat sie mich darauf aufmerksam gemacht, dass die Großbox den Promarker enthält, der eine feine Spitze aber keine Pinselspitze hat – wohingegen ich doch den Brushmarker mit der Pinselspitze favorisierte. Aber ach, Entscheidungen treffen ist so gar nicht meine Stärke, schon gar nicht, wenn ich am liebsten den halben Laden leerkaufen würde. Der Katalog des Ladens ist gut 10 Zentimeter dick und im Laden selbst findet man auf zwei Ebenen wirklich alles, was das kreative Herz begehrt. Schrecklich-schön ist das und deshalb fahr ich auch nur selten dorthin. Aber zurück zu meiner Kaufaktion: ich wog ab und überlegte hin und her – Großbox ja oder nein, einzelne Brushmarker oder lieber eine ganz andere Firma? Aber die Stifte der anderen Firma haben nicht so einen guten Strich und lassen sich nicht so schön vermalen. Oder doch die ganz teuren, die immerhin wieder auffüllbar sind? In Zeiten der Nachhaltigkeit auch nicht zu verachten, aber rund 400 Euro für eine halbwegs ordentliche Anzahl an Farben – das war mir dann doch zu viel. Siehst Du, lieber innerer Kritiker, ich hätte noch ganz anders auf die Pauke hauen können!
Schlußendlich war ich dabei, mir tatsächlich die einzelnen Farben des Brushmarkers zusammen zu sammeln, als ich bewusst bemerkte, dass die Stifte in dem Regal von den Kunden benutz wurden, um sie zu testen. Wie ja auch von mir, denn wie mir die freundliche Verkäuferin gesagt hatte, gab es keine Tester und man solle einfach die Stifte aus dem Fach nehmen. Unmöglich zu sagen, welcher der Stifte schon wie oft und wie lange in Gebrauch ist! Wollte ich das? Nein, definitiv nicht. Also die Stifte wieder retour gepackt. Herrje war ich unzufrieden! Ich hatte mich doch so auf einen kreativen „Outburst“ zu Hause gefreut und hatte schon die tollsten farbigen Muster vor mir gesehen! Aber was soll man machen, manchmal passt’s einfach nicht. Ich entschloss mich dann, wenigstens schonmal einen Block passendes Papier mitzunehmen, nicht ohne von der Verkäuferin einen schrägen Blick zu ernten. Nunja, was soll’s.
Auf dem Heimweg in der U-Bahn. Ich bin enttäuscht und irgendwie ist die Luft raus. Oder? Ach, vielleicht ist es doch besser, dass ich keine Marker gekauft habe, die sind ja eh zu teuer und wenn ich ehrlich bin, habe ich das Geld nicht wirklich. Also, es ist schon da, aber ich sollte es lieber sparen. Für noch knappere Zeiten. Aber ich würde so gerne mit diesen Farben arbeiten! Humpf. Langsam bin ich von mir selbst genervt. Und noch bevor ich zu Hause bin, beschließe ich, die Brushmarker über den Internetshop des Fachmarktes zu bestellen, undzwar weniger als 96 Farben aber eben genug, um damit kleine bis mittelgroße Farbexplosionen zu kreieren. Auf diese Weise bekomme ich auch Marker, die garantiert noch nicht länger offen sind und benutzt wurden.
Was soll ich sagen, es sind 55 Farbtöne geworden, ich komme damit deutlich günstiger als bei der Großbox weg und ich habe dazu noch genau die Stifte, die ich wollte. Noch während des Bestellprozesses sagt mir meine vernünftige innere Stimme, dass ich mir das trotzdem nicht leisten kann, aber ich schiebe sie weg und beschließe bewusst, für meine Kreativität unvernünftig zu sein. Und als ich schließlich den Button „kaufen“ gedrückt habe, stellt sich endlich wieder die pure Freude ein. Es ist ein diebisches Vergnügen, ein leicht schaumgebremstes Lachen und die absolute Vorfreude machen sich breit. Ich kann es kaum erwarten, bis die Stifte da sind und werde jeden einzelnen Tag mit glühender Begeisterung auf die Lieferung warten. Und ich bereue meinen Kauf überhaupt nicht, denn ich weiß, ich werde diese Stifte zu meinem größten Vergnügen nutzen. Ist deshalb mein innerer Kritiker ruhig und zufrieden? Von wegen! Er meckert immer noch und ist der Meinung, dass das eine vollkommen unmögliche Aktion war – aber ich weiß es besser und lass mich nicht mehr aus der Ruhe bringen.
Denn was wäre das Leben, wenn wir nicht ab und zu unvernünftig wären, über die Strenge schlagen würden und uns Dinge leisten, die uns im weitesten Sinne des Wortes gut tun? Wie öde und fahl, immer auf der Seite der Vernunft zu bleiben und nicht hin und wieder einfach zu tun, wozu einem Lust und Laune raten? Speziell, wenn es um die eigene Passion geht, also das, was man gerne macht, dann muss oder darf man vielleicht manchmal mehr investieren, als es rein rechnerisch vertretbar wäre. Dafür nehme ich dann auch eine Verknappung der Mittel an anderer Stelle gern in Kauf.
So, und jetzt beginnt das Warten auf die Lieferung. Noch habe ich kein Lieferdatum genannt bekommen, aber das kann nicht mehr lange dauern, hoffe ich zumindest. Bis die Farben da sind, kann ich ja schonmal vorarbeiten und Muster entwerfen, die ich dann kolorieren werde. Und damit fang ich jetzt an. Nein, definitiv keine Reue 🙂
Vielleicht habt Ihr ja Lust, von Euren inneren Dialogen zu berichten und wie es Euch ergeht, wenn Vernunft und Passion miteinander streiten…
Für heute verabschiede ich mich und verbleibe wie immer
herzlichst, Eure Merle
diesen inneren prozess kenne ich sehr gut. und zwar in beinahe der gleichen richtung. wiewohl es nun nicht gerade die marker sind, bei denen mein herz juchzt. bei denen tendiere ich zur billigvariante, weil ich mehr male als zeichne.
dennoch: https://www.korrekturen.de/beliebte_fehler/ueber_die_strenge_schlagen.shtml
😉 Pardon!
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Hach, danke!! Da bin ich ja froh, dass ich wenigstens einen beliebten Fehler begangen habe 😂LG Merle
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sorry, sorry, sorry. sowas beißt mich ins auge.
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Nein, nein, ich bin froh, dass Du mich drauf aufmerksam gemacht hast!
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