
Hallo liebe Leserinnen und Leser! Ich hoffe, Ihr seid alle gut ins Jahr 2020 gerutscht, für das ich Euch Gesundheit, Glück und Frieden wünsche!
Meinen heutigen Beitrag schreibe ich noch unter dem Eindruck des Jahreswechsels, an dem man ja gerne mal die Vergangenheit Revue passieren lässt und an dem folgendes Thema diskutiert wurde:
Es ist die alte „Harry und Sally“-Frage: können Mann und Frau einfach „nur“ befreundet sein? Und, so füge ich hinzu: können sie das, nachdem sie eine Beziehung miteinander hatten? Und ist es in Ordnung, sich nach vielen Jahren der Funkstille bei einem/einer Ex zu melden, schlicht weil man gerne wissen möchte, wie es der Person inzwischen ergangen ist, weil man interessiert daran ist, wie es dem ehemaligen Partner geht?
Warum nicht? …möchte man auf Anhieb sagen, spricht doch in keinem Fall etwas dagegen? Oder?
Wenn ich mich in meinem weiteren Bekannten- und Freundeskreis umsehe, dann finde ich dort alle möglichen Varianten vom Umgang mit dem Ex. Bei mir selber konstatiere ich, dass ich weder Freundschaften zu Männern habe (ausser die zu meinem Partner), noch Kontakt zu einem meiner früheren Freunde. Dass ich darüber ins Grübeln kam liegt unter anderem daran, dass sich der Ex-Freund einer Bekannten nach fast zehn Jahren ohne Kontakt gemeldet hat um einen neuen, „unverfänglichen“ Kontakt herzustellen. Das hat nicht nur meine Bekannte sondern auch deren aktuellen Freund in Wallung versetzt, weil beide sich nicht vorstellen können, dass dieses Ansinnen wirklich „harmlos“ ist. Was ich wiederum etwas erschütternd fand, denn ist es wirklich so schwer vorstellbar, dass ehemalige Partner ein freundschaftliches Interesse haben? Aber warum hab ich dann keinen Ex-Freund als Freund und warum hab ich überhaupt keine männlichen Freunde?
Ich verstehe ja, dass Beziehungen, die eher unschön endeten, keine Fortsetzung in Freundschaften fanden – aber die Partner, von denen ich mich „im Guten“ getrennt habe, hätten doch durchaus Freunde werden können? Wenn da nicht diese Vertrautheit und Intimität wäre, die ich geteilt habe. Die es mir schwer gemacht haben, den anderen plötzlich als Kumpel zu sehen. Wenn da nicht die unzähligen, einzigartigen Augenblicke abgespeichert wären, die jede Beziehung zu etwas Besonderem gemacht haben. Wenn da nicht trotz aller Differenzen die körperliche Anziehung weiter bestehen würde, die schlicht nicht wegzudiskutieren ist. All dies, so erinnere ich mich nun, sind gute Gründe gewesen, Abstand zu nehmen und sich nicht mehr zu kontaktieren. Allerdings, auch das ist wahr, treten diese Eindrücke und Gefühle ja irgendwann in den Hintergrund. Und dann hätte man sich ja auf einer neuen Ebene treffen können. Ja, aber dann gab es einen neuen Partner, der damit nicht einverstanden war oder ich hatte Befürchtungen, die Neue vom Ex kennenlernen zu müssen, oder es gab zu viel Ungeklärtes, das im Raum schwebte. – Kurz, es ist gar nicht so selbstverständlich und einfach, eine Freundschaft mit dem Ex aufzubauen. Die Fälle, die ich kenne, in denen das funktioniert, finde ich bewundernswert, insbesondere, wenn die aktuelle Partnerin die Freundschaft zur Vorgängerin akzeptiert. Und warum ist das alles nicht so einfach? Vielleicht, weil Liebe eben nicht mal eben so verschwindet und weil man die gemeinsam geteilte Zeit nicht ungeschehen macht, wenn man sich trennt. Oder weil nie fertig ausgetragene Konflikte noch immer in der Luft hängen und das Verhältnis zueinander belasten. Es gab ja einen Grund für die Trennung und eventuell sitzen die Verletzungen auch zu tief.
Wenn es allerdings gut läuft und das Verhältnis geklärt ist, keiner keinem etwas nachträgt und die Emotionen keine Wellen mehr schlagen, wenn die Anziehung verflogen ist und beide den anderen tatsächlich als einen Freund sehen können – ich glaube, dann sind sehr tiefe Freundschaften möglich, die von der gemeinsamen Zeit profitieren und nicht daran kaputt gehen.
Und was ist mit meinen Freundschaften im Allgemeinen, warum gibt es da kein männliches Exemplar? Tatsächlich blicke ich auf einige Ansätze zurück, mit einem Mann eine Freundschaft zu versuchen – doch in jedem Fall kam früher oder später das Eingeständnis des Mannes zutage, dass er eigentlich gerne mehr als eine Freundschaft hätte. Dieser Wunsch stand immer gegen eine Freundschaft, was ich jeweils schade fand, aber nicht ändern konnte. Daraus könnte ich nun – wie Harry aus dem Film „Harry und Sally“ – schließen, dass Freundschaft zwischen Mann und Frau einfach nicht funktioniert. Männer wollen einem früher oder später an die Wäsche, nicht wahr? Um ehrlich zu sein, das glaube ich nicht, dafür gibt es zu viele Beispiele in meinem Umfeld, in denen das seit Jahren wunderbar funktioniert. Weshalb mir bisher kein Freundschaft-kompatibler Mann über den Weg gelaufen ist, weiß ich nicht – aber mir fällt auf, dass ich generell eher Frauen als Männer neu kennenlerne, was vielleicht an der Infrastruktur meines Alltags liegt.
Und wie ist das, wenn sich jemand nach einem Jahrzehnt plötzlich wieder an den Ex erinnert? Zugegeben, ich finde das charming und kann absolut nachvollziehen, dass es einen interessiert, wie es dem anderen in der Zwischenzeit ergangen ist. Immerhin hat einem derjenige ja mal Einiges bedeutet. Ich würde es nicht machen wie meine Bekannte, die sich tatsächlich getraut hat, eine Party zu schmeißen, zu der sie alle ihre Ex-Freunde einlud, auch die, zu denen sie seit Jahren keinen Kontakt mehr hatte. Leider war ich auf dem Fest nicht anwesend, aber es muss eine bemerkenswerte Atmosphäre geherrscht haben! Ich persönlich würde zwar das zweier-Gespräch vorziehen, ziehe aber meinen Hut vor so viel Chuzpe!
Mein Fazit lautet jedenfalls, dass ich es in ein paar Fällen bedaure, keine Freundschaft angestrebt zu haben, weil ich zu lange zu sehr in den Emotionen der Paarbeziehung hängen geblieben war. Dabei hätte eigentlich nichts dagegen gesprochen, mich nach einer letzten, privaten Abschiedsphase zu melden, trotzdem habe ich das leider nie getan. Da ich nicht den Mut habe, mich viele Jahre später zu melden, werde ich mich also immer mal wieder fragen, wie es X oder Y geht und hoffen, dass das Leben es gut mit ihnen meint.
Mit diesem Wunsch verabschiede ich mich für heute und verbleibe
Eure Merle
Ein Abstand zu den Exen ist sicher der bessere Weg für alle. Obwohl ich einen Freund bewundere bei dem viele Ex-damen an seinem Geburtstags zusammenkommen (bestimmt an die 24) Ob aber alle von den anderen die volle Kenntnis haben bezweifle ich. Spannungen gibt es jedoch immer…..
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Naja, zumindest unmittelbar nach dem Ende ist Abstand wohl klüger… Jedenfalls käme mir wirklich nie in den Sinn, meine Verflossenen alle gleichzeitig einzuladen, das wär mir zu nervenaufreibend 😅 und ich lege bei Feierlichkeiten Wert darauf, dass meine Gäste sich wohl fühlen, was ich mir bei einem Pulk aus „Exen“ echt schwierig vorstelle…aber Cojones hat Dein Freund..! 😂
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Das Bedürfnis, die Befindlichkeiten der Exen herauszubekommen, weckt bei mir den Anschein, als würde man grad dies und das bereuen. Schließlich und endlich hatten die Trennungen ja ihren Grund. Ob das ein guter war, sei dahin gestellt.
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Nicht ganz. Ich bereue lediglich, keine Freundschaft mit für mich besonderen Menschen hinbekommen zu haben. Es ist doch so: nur weil eine Beziehung nicht klappt, heißt das ja noch lange nicht, dass ich den anderen nicht als Mensch genauso mag. – Man trifft in einem Leben nicht so viele, für einen besondere Menschen, deshalb finde ich es schön, wenn aus einer gescheiterten Paarbeziehung Freundschaft werden kann.
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