Reden hilft….!

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Es ist eigentlich eine Binsenweisheit, aber man kann es gleichzeitig nicht oft genug betonen: miteinander reden hilft! Undzwar nicht nur, um ein etwaig gestörtes Verhältnis zwischen zwei Personen zu klären sondern auch, um sich selbst besser zu verstehen. Dinge laut auszusprechen führt oft dazu, dass man sich eigener Gefühle und Wünsche bewusst wird, die vorher im Verborgenen schlummerten. Im Gespräch mit Freunden werden wir mitunter gespiegelt und werden Sachverhalte verhandelt, die wir durch die Sicht des anderen umfassender verstehen bzw. lernen wir uns gegenseitig immer besser kennen und im Idealfall, lieben.

Die Frage, die ich mir in dem Zusammenhang neulich stellte, ist: wie ehrlich dürfen oder können wir mit unserem Gegenüber sein? Ist es angemessen, der Freundin mitzuteilen, dass ich finde, ihr neuer Freund tut ihr nicht gut und darf ich überhaupt Beziehungstips geben? Und darf ich meinem Freund sagen, dass das neue Outfit entsetzlich aussieht? Teile ich meiner Begleitung auf einer Party mit, dass sie sich, betrunken wie sie ist, gerade lächerlich macht und wie gehe ich damit um, wenn mir jemand freudestrahlend vom neuen Job erzählt, der meiner Meinung nach überhaupt nicht zu dieser Person passt? Kurz: wieviel Kritik ist erlaubt und darf ich ungebeten Ratschläge erteilen?

Zwei Dinge fallen mir dazu sofort ein: erstens, Ratschläge sind auch Schläge – und in einer Freundschaft darf jeder ehrlich seine Meinung sagen. Ja, wie denn nun?!

Es ist, fürchte ich, wie immer eine Frage des Maßes und es gibt kein schwarz-weiß, kein eindeutiges Ja oder Nein. Grundsätzlich bin ich der Ansicht, dass ungebetene Ratschläge ein No-Go sind. Da, wo ich kein Problem sehe bzw. nicht um die Unterstützung gebeten habe, möge man mich bitte damit verschonen. In der Regel weiß jeder immer noch selbst am Besten, was gut für sie oder ihn ist. Anders liegt der Fall, wenn um meine Meinung gebeten wird, dann sollte ich als Freundin offen und ehrlich über meine Sichtweise reden können, ohne dass mein Gegenüber beleidigt ist. Natürlich hängt das wiederum auch davon ab, wie ich meine Worte wähle und in welchem Ton ich meine Botschaft übermittle.

Allerdings gibt es hier noch einige Nuancen und Feinheiten, die meines Erachtens zu beachten sind: hilft es meinem Gesprächspartner wenn ich ihm mitteile, dass seine – erstmal nicht rückgängig zu machende – Entscheidung ein Flop war? Was hilft es, gegen den Partner meiner Freundin anzureden, wenn diese nunmal in der Beziehung bleiben will? Bin ich dann nicht eine bessere Freundin, wenn ich zuhöre und Empathie zeige anstatt kluge Tips zu geben, wie man aus der Beziehung raus kommt…? Wenn ich nichts hilfreiches und unterstützendes zu sagen habe, sollte ich dann nicht generell eher den Mund halten?

Oder ist es als Freundin meine Pflicht, auf Missstände und (eventuelle) Fehlentscheidungen aufmerksam zu machen? Bin ich als Reflektant nicht doch eher in der Position, Schieflagen zu erkennen? Was, wenn ich glaube, dass jemand, der mir nahe steht, ins Unglück rennt – muss ich dann nicht intervenieren? Vorausgesetzt, es handelt sich um erwachsene Personen, wäre ich hier vorsichtig. Es scheint mir in Ordnung, sich wertfrei und so neutral wie möglich dem Anderen mitzuteilen, auf Dinge aufmerksam zu machen, aber man sollte sich hüten, Urteile zu fällen und eigene Wahrheiten als die allein gültigen darzustellen. Das ist nicht zur nicht hilfreich sondern führt gerne auch mal dazu, dass der Andere sich zurück zieht und ein Gespräch miteinander gar nicht mehr möglich ist.

Das bedeutet auch, dass jeder das Recht hat, in sein Unglück zu rennen und sich daneben zu benehmen, solange ich nicht selbst davon in meiner Freiheit eingeschränkt werde. Freundschaft bedeutet, auch das zu tolerieren. Und wenn der worst case wirklich eintritt und meine Freundin kommt dann zu mir um sich auszuweinen, dann bin ich da und habe eine freie Schulter und ein offenes Ohr, anstatt zu sagen: ich hab’s Dir gleich gesagt!

Miteinander reden hilft, undzwar vor allem dann, wenn alle Beteiligten in der Lage sind, Ich-Botschaften zu senden, urteilsfrei zu sprechen und Wertschätzung entgegen zu bringen. Aber auch Kritikfähigkeit und Akzeptanz der anderen Sicht gehören dazu und die Fähigkeit, nicht alles persönlich zu nehmen sondern sich in Ruhe anzuhören, was der andere zu sagen hat um dann zu reflektieren, ob ich die Kritik annehme oder nicht. Hat sie mich getroffen, habe ich ziemlich wahrscheinlich tatsächlich ein Problem, das sich lohnt, es anzuschaun.

In diesem Sinne wünsche ich Euch gute Gespräche mit passenden Gesprächspartnern und Freunde die wissen, wann ihr Rat gefragt ist 😉

Herzliche Grüße
Merle

 

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