Ausgangssperre

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Nun ist es also soweit: Bayern hat eine Ausgangsbeschränkung erlassen, ab Freitag Mitternacht darf man nur noch für dringend notwendige Erledigungen das Haus verlassen. Ich bin zwiegespalten: ich hatte damit gerechnet und bin angesichts der vielen Regelübertretungen mit der Maßnahme einverstanden. Andererseits graut mir davor, die nächsten Woche in meinem Zuhause eingesperrt zu sein. Ich habe noch Glück, insofern dass ich den Hund einer alten Dame regelmäßig zum Gassigehen ausführe, und das ist ja noch erlaubt, aber ich werde nicht mehr in das Atelier gehen können, wo ich fast täglich gearbeitet habe und ich darf meine Freunde nicht mehr treffen. Das sind beides Einschränkungen, die mich ziemlich treffen. Ich gehe davon aus, dass das Telefon in den nächsten Tagen sehr wichtig wird und ich überlege schon, wie ich mir zu Hause einen Arbeitsplatz einrichten kann. Aber es wird nicht dasselbe sein, denn es fehlt mir der Austausch mit anderen und es ist ein riesiger Unterschied, ob man in einem eigens für Kunst ausgerichteten Raum oder im eigenen Wohn- und Schlafzimmer arbeitet.

Alldieweil ich mit der Verordnung gerechnet hatte, habe ich mir schon überlegt, wie ich meinen Tagesablauf am besten strukturieren kann und womit ich mich beschäftigen werde. Neben den unerlässlichen Spaziergängen, ohne die ich wahrscheinlich sehr schnell am Rad drehen würde, habe ich mich mit Kreuzworträtseln eingedeckt. Außerdem warten mindestens drei dicke Bücher darauf, gelesen zu werden und ich habe Pinsel und Farben nach Hause mitgebracht. Darüber hinaus lugt meine DVD-Sammlung um die Ecke und bietet einige Klassiker an, die man immer wieder mal gerne sieht und ich habe mir vorgenommen, wieder Briefe zu schreiben. Strickzeug und genügend Wolle ist auch vorhanden, ebenso eine erkleckliche Anzahl an Kleidungsstücken und Socken, die gestopft werden wollen. Also alles im grünen Bereich, oder?

Mitnichten. Die Ausgangsbeschränkung erzeugt in mir ein mulmiges Gefühl und ich habe jetzt schon Angst vor Kontrollen. Ich frage mich immer nervös, wenn ich die blau Uniformierten sehe, ob ich irgendwas falsch gemacht habe – das wird jetzt noch schlimmer, egal ob ich mich an die Regeln hatte oder nicht, ich stelle mir die Kontrollen nicht nett vor. So weiß ich zum Beispiel nicht, wie groß die Runde sein darf, die ich mit dem Hund gehe. Wir haben eine feste Route, die ich immer mit ihr gehe, aber ob die zu weit von der Wohnung wegführt? Und wird es ein Problem geben, weil es nicht mein Hund ist? Ich weiß es nicht.

Davon abgesehen, glaube ich, dass eine ganz schön gespenstische Atmosphäre in der Stadt entsteht, wenn das öffentliche Leben derart herunter gefahren wird. Der Virus bzw. die Maßnahmen zur Eindämmung des Virus zeigen uns auf drastische Art und Weise, dass wir Menschen eben doch hochsoziale Wesen sind. Durch den Wegfall der sozialen Kontakte wird einem das so richtig bewusst. Man sollte nicht unterschätzen, was das für Auswirkungen auf unsere Psyche haben kann, ganz zu schweigen von der fehlenden Bewegung. Ich hoffe inständig, dass Spaziergänge und Joggen erlaubt bleiben und nicht doch noch verboten werden.

Aber gewiss ist in diesen Zeiten nichts, wir müssen alle abwarten und das Beste hoffen. Es tröstet mich, dass wenigstens eine von dem Ausgangsverbot begeistert ist: meine Katze Fee, mit der ich jetzt öfter eine Spieleinheit einlegen werde, da haben wir wenigstens beide etwas Bewegung.

Für heute wünsche ich Euch noch einen schönen Tag, bleibt gesund und passt auf Euch auf,

Eure Merle

 

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