Ausgangsbeschränkungen – Tag 1, früher Abend

…kaum haben Bayern und das Saarland die Ausgangsbeschränkungen beschlossen, werden die Rufe nach noch strengeren Maßnahmen laut…entschuldigt bitte, aber das kommt mir verrückt vor. Hört irgendjemand auf die Ärzte und Wissenschaftler, die auf den enormen Schaden für die Bevölkerung bei einem totalen Ausgangsstop hinweisen? Soll hier wirklich der Lagerkoller in Kauf genommen werden und das Übersehen zig anderer Krankheiten und Notstände, die es in diesem Land auch gibt? Ich gebe es unumwunden zu, schon die Aussicht auf Wochen der Ausgangsbeschränkungen macht mich depressiv, ich will gar nicht daran denken, was ist, wenn wir nicht mal mehr alleine spazieren gehen dürfen…

Was ich auch nicht verstehe, ist das immens schwierige Verfahren, bis man sich testen lassen kann bzw. wie lange die Ergebnisse dauern, wenn man sich hat testen lassen. Haben wir wirklich zu wenige Tests auf Lager? Warum wird nicht, wie in Südkorea, flächendeckend getestet und gezielt isoliert? Und warum wartet eine mir bekannte WG (trotz mehrfacher Nachfragen) seit über einer Woche auf das Testergebnis? Und wie kann es sein, dass eine Bewohnerin der WG seit über einer Woche von niemandem behandelt wird – weil alle Arztpraxen erst das Ergebnis des Tests abwarten wollen (und wenn es positiv ist, darf sie erst recht in keine Arztpraxis) ? Und warum muss eine Bekannte von mir, in deren Arbeit eine Kollegin positiv getestet wurde, vier Tage warten, bis sie selbst auch getestet wird? Und – jetzt kommt das Beste – wie kann es sein, dass es der Arbeitgeber selbiger Kollegin erlaubt bzw. zu wünschen scheint, dass positiv getestete für „wichtige Tätigkeiten, die über Home-Office nicht möglich sind“ in die Arbeit kommen, so lange sie symptomfrei sind, einen Mundschutz tragen und direkten Kontakt vermeiden. Aha. Aber ich darf vielleicht bald nicht mehr Joggen gehen.

So sehr ich mich bemühe, dafür fehlt mir das Verständnis, da müsste meiner Meinung nach auf anderen Ebenen nachjustiert werden, aber nicht an der alleinigen Bewegung an der frischen Luft, die nach meinen Kenntnissen bei einer „echten“ Ausgangssperre nicht mehr erlaubt wäre.

Nun, es bleibt abzuwarten, was die nächsten Tage bringen… ich wünsche uns allen, dass es bei den Ausgangsbeschränkungen bleibt…

Besorgte Grüße

Eure Merle

 

 

18 Gedanken zu „Ausgangsbeschränkungen – Tag 1, früher Abend“

  1. Naja, wenn sich nicht alle an die Beschränkungen halten und trotzdem Grillparties feiern, ist eine Ausgangssperre die logische Konsequenz daraus. Aber ehrlich gesagt finde ich, das ist ein sehr geringer Preis dafür, dass wir so mehr Leben retten können.

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    1. Lieber Leo, danke für Deinen Kommentar! Ich sehe das allerdings etwas anders: um Grillparties zu verbieten bzw. hart zu bestrafen, reichen die derzeitigen Ausgangsbeschränkungen. Ebenso wie das Auflösen jedweder Menschenansammlungen. Und in Bayern, so habe ich es der Presse entnommen, halten sich die Leute zu einem ganz überwiegenden Teil an die Beschränkungen. Eine Ausgangssperre wäre weit restriktiver und ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass das, über Monate eingehalten, ein kleiner Preis wäre – so sehr ich mir selbstverständlich die Rettung eines jeden Kranken wünsche. Liebe Grüße, Merle

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      1. Die Ausgangsbeschränkungen reichen ja offenbar nicht, wenn die Leute trotzdem Grillparties feiern. Es ist kein kleiner Preis zu Hause auf dem Sofa zu sitzen, wenn du so ein Leben retten kannst? Okay. 😀
        Natürlich hat auch das Folgen, aber liebe Merle, wir befinden uns in einer Pandemie, eine Ausnahmesituation, eine Krise. Normalität gibt es hier grade nicht. Ich finde es schon ziemlich merkwürdig, dass du dich mehr darum sorgst was passiert, wenn du ein paar Wochen zu Hause bleiben sollst, und nicht was passiert, wenn die Zahl der Infizierten weiterhin exponentiell ansteigt.

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      2. Jeder der einen Garten hat, kann daß recht gut überwinden! Aber was ist mit den Menschen die im Hochhaus und in kleinen Wohnungen wochenlang ausharren sollen?
        Ein eingeschränktes Ausgangsverbot ist wohl besser auf Dauer realisierbare! Aber es ist natürlich auch schwer, den ultimativen richtigen Weg zu finden!
        Ich bin jedenfalls gespannt, wann die Zahlen in Italien zurück gehen werden.
        Die ganze Panikmache hat leider bewirkt, daß Menschen, die sich nicht in Lebensgefahr befinden und einen leichten Verlauf haben, den Ärzten auch oft die Zeit für die lebensbedrohlichen Fälle stehlen.

        Alles Gute!

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      3. Hey, ja das stimmt. 🙂

        Natürlich wäre es mir am liebsten, wenn es keine Ausgangssperre geben würde. Ich finde es schrecklich. Aber ich kann nachvollziehen wenn es das bald geben wird, wenn sich niemand an die Bitte hält, zu Hause zu bleiben.

        Ich finde es auch schlimm, dass es irgendwie nur zwei Extreme zu geben scheint: Hamstern und Panikmache, oder Corona Parties und Egal-Haltung. Es wäre so viel einfacher, wenn niemand Panik hätte, und alle einfach zu Hause bleiben würden, wenn sie nicht unbedingt raus müssen und gegenseitig auf sich achten würden. 🙂

        Liebe Grüße

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      4. Über eine länger Zeit eine komplette Ausgangssperre zu verhängen, wäre auch keine Lösung und würde Auswirkungen und Probleme nach sich ziehen, die wir uns heute noch nicht vorstellen können!
        Mir macht außerdem Sorgen, daß jetzt auch geplant ist die Handys zu überwachen. Die Corona-Krise ermöglicht Handlungen der Regierung, die danach hoffentlich wieder Rückgängig gemacht werden!
        Also schaltet Eure Handys ab, dann kann man auch kein Überwachungs Bewegungsprofil von Euch erstellen. Alleine der Gedanke daran ist gruselig!

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  2. „so sehr ich mir selbstverständlich die Rettung eines jeden Kranken wünsche.“
    Es geht bei dem Ganzen nicht um die Rettung der Kranken, sondern um die Verhinderung und das Stoppen von Neuinfizierten.

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    1. Ja, auch das ist richtig, aber die Grillwütigen werden auch bei totalen Hausarrest nicht die Regeln befolgen – leider gehst Du auf den Unterschied zwischen Beschränkung und Sperre nicht ein. Darüber hinaus geht es für sehr viele Menschen nicht um ein paar Wochen auf dem Sofa. Du scheinst keine Vorstellung davon zu haben was es für sehr viele Menschen, gerade auch mit anderen Erkrankungen, bedeutet, komplett ohne Sozialkontakte und psychosoziale oder medizinische Versorgung zu sein. In dem Gebiet kenne ich mich ganz gut aus und ich kann Dir sagen, das wird eine große Anzahl von Leuten heftig treffen. Und zwar mitunter auch lebensbedrohlich.

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      1. „Ja, auch das ist richtig, aber die Grillwütigen werden auch bei totalen Hausarrest nicht die Regeln befolgen – leider“
        Stimmt, dann lass es uns niemandem verbieten, weil es ja eh jeder macht. 🙂

        Wie ich bereits sagte, die Situation ist für alle Mist, egal wie man es dreht und wendet. Und wie ich ebenfalls bereits sagte, ist mir klar, dass es schlimme Folgen haben wird. Im Übrigen leide ich auch an Depressionen.
        Dennoch liegt im Augenblick das Hauptaugenmerk auf der Verhinderung von Infizierten. Ich verstehe nicht, warum das für dich nicht die höchste Priorität hat? Du scheinst ja nicht zu glauben, dass das im Moment das größte Problem von allen ist.

        Weißt du wann du viel weniger medizinisch versorgt werden kannst, als es jetzt der Fall ist? Wenn es kaum noch Ärzte gibt, die nicht infiziert sind.

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      2. Leo: Ich bin mir nicht ganz sicher was du sagen willst. Bei einer totalen Ausgangssperre geht es nicht darum Grillparties zu verbieten. Die sind jetzt schon verboten und können mit bis zu 25000 € Bußgeld bestraft werden. Und ich muss Merle auch Recht geben was die Psychisch oder anderweits Erkrankten angeht. Dass du mit der Situation zurecht kommst trotz Depression ist sehr erfreulich. Es gibt bestimmt auch viele andere, die das trotz Schwierigkeiten schaffen werden. Was ist aber mit denen die es nicht können? Die Leute die recht instabil zu hause sitzen und nicht in der Lage sind sich ihren Tag alleine ohne soziales Netzwerk zu strukturieren? Die es nicht mal schaffen, ohne Grund in der Früh aufzustehen? Die sich so sehr in einem emotionalen Tiefpunkt befinden/befinden werden, dass selbst ein Telefonat ihnen plötzlich zu einer unüberwindbaren Hürde wird und sie am Ende alleine verkümmern? Merle sagt ja nicht, dass es keine Einschränkungen geben soll, sondern dass eine komplette Sperre auf Dauer auch verheerende Folgen haben kann. Wie „gering“ der Preis wäre/sein wird, können wir noch gar nicht sagen. Selbst die aktuellen Maßnahmen (die ich für durchaus sinnvoll erachte) können noch schwerwiegende Folgen haben. Es würde mich nicht wundern, wenn viele ältere Menschen, am Ende nicht am Virus sondern an der Einsamkeit sterben werden. Jeder der schon mal im Altersheim gearbeitet hat, hat mit Sicherheit auch schon miterlebt, wie jemand recht fit und gesund rein kommt und dann innerhalb mehrerer Wochen so stark abbaut, dass er/sie stirbt, einfach weil die vorherigen Kontakte plötzlich weg sind. Ich glaube tatsächlich nicht, dass man durch eine komplette Ausgangssperre unbedingt mehr Leben rettet. Dafür reichen die momentanen Regelungen.
        Aber Ausgangssperre hin oder her, ich denke egal was am Ende entschieden wird, wie man solche Einschränkungen empfindet ist etwas sehr individuelles. Die Einen kommen damit gut zurecht und für andere ist es eine wahre Tortur. Und ich finde es auch absolut berechtigt, sich „darum zu sorgen“ wie es einem selbst dabei ergehen wird. Das heißt ja nicht, dass einem alle anderen gleichgültig sind! Und übrigens, wenn man allein mit auf dem Sofa sitzen, Leben retten würde, dann wäre ich schon längst ne echte Heldin!

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      3. Danke Jumo für Deinen Kommentar, dem ist nichts hinzuzufügen! In ca. einer Stunde wissen wir, wie die Bundesländer bzgl. neuer Einschränkungen beraten haben… angeblich gibt es ein Kontaktverbot für mehr als zwei Personen… man darf gespannt sein.

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      4. „Ich bin mir nicht ganz sicher was du sagen willst.“
        Ich möchte sagen, dass wenn die Zahlen der Infizierten nicht zurückgehen, die Maßnahmen nicht ausreichen.

        „Ich glaube tatsächlich nicht, dass man durch eine komplette Ausgangssperre unbedingt mehr Leben rettet. Dafür reichen die momentanen Regelungen.“
        Das hoffe ich auch. Aber das wird man ja erst sehen, wenn die Zahlen zurückgehen. Deswegen macht es wenig Sinn sich zum jetzigen Zeitpunkt darüber zu streiten, welche Maßnahme die richtige ist. Denn das weißt du auch nicht.

        „Und ich finde es auch absolut berechtigt, sich „darum zu sorgen“ wie es einem selbst dabei ergehen wird.“
        Natürlich darf man das, das tue ich auch.

        „Dass du mit der Situation zurecht kommst trotz Depression ist sehr erfreulich.“
        Das habe ich nirgendwo gesagt.

        „Merle sagt ja nicht, dass es keine Einschränkungen geben soll, sondern dass eine komplette Sperre auf Dauer auch verheerende Folgen haben kann.“
        Und ich habe ihr zugestimmt. Und das gleiche auch schon 3 Mal gesagt.

        Ich denke wir sind doch alle der gleichen Meinung. Das einzige worum es geht ist doch, ob die Maßnahmen ausreichen oder nicht. Und das können wir weder vorhersehen, noch steht es in unserer Macht das zu bestimmen.

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      5. Mir gefällt dein letzter Paragraph. Der passt sehr gut als Antwort auf alles was du vorher zu dem Beitrag gepostet hast.

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