Ich bin genervt, undzwar gehörig. Und daran bin ich selber schuld – ich könnte einfach aufhören, Nachrichten zu lesen, könnte mich mit einem Buch einigeln, sollte im Telefonat mit Freunden andere Gesprächsthemen suchen… aber es gibt sie nicht! Dem Virus ist kein entkommen, so oder so. Wenn ich draußen bin, fällt mir auch ständig auf, was alles anders ist; denke ich unaufhörlich daran, ja genügend Abstand zu den wenigen Mitmenschen zu halten; sehe ich überall Schilder, die entweder eine Schließung verkünden oder aber zu Abstand gemahnen. Und neben meinem erhöhten Kaffeekonsum konstatiere ich auch, dass ich mehr rauche (aus Langeweile) und mehr Geld für Lebensmittel ausgebe. Ich belohne mich mit kleinen Leckerbissen, die ich mir aber eigentlich gar nicht leisten kann. Ich muss mich dringend wieder mehr in Disziplin üben. Oder ich frag doch noch die Bauarbeiter vorm Haus, ob ich mithelfen kann… 😉
Interessant finde ich die Debatte, die nun über die Rechtmäßigkeit der am Sonntag beschlossenen Maßnahmen aufkommt. Die FDP erinnert sich düster an ihren liberalen Auftrag und fordert – zu Recht! – mehr Mitsprache des Parlaments, Juristen weisen auf die dünne Rechtslage hin, aufgrund derer das Versammlungsrecht, das Recht auf persönliche Freiheit und Handlungsfreiheit, die Religionsfreiheit und das Recht auf Eigentum massiv eingeschränkt wurden. Und diese Dinge wurden nicht im üblichen Gesetzgebungsverfahren beschlossen sondern mehr oder weniger par ordre du mufti. Das bereitet mir ziemliche Bauchschmerzen, da vor allem keine zeitliche Begrenzung gesetzlich festgelegt wurde. Man muss kein Rechtsexperte sein um zu sehen, dass hier enorm wichtige Prozesse der Demokratie übergangen wurden. Werden hier Präzedenzfälle geschaffen, die die Hemmschwelle für zukünftige Krisen herabsetzen? Auch die geplante Änderung der Beschlussfähigkeit des Parlaments, wonach deutlich weniger Abgeordnete anwesend sein müssen um ein Gesetz zu beschließen, finde ich fragwürdig.
Ja doch, Handlungsfähigkeit ist wichtig – die Grundfesten unserer Demokratie aber auch!
Scheinbar finden aber die meisten Leute momentan Klopapier immer noch am wichtigsten. Und Nudeln und Konserven. Ich weiß nicht, ob das ein in Umlauf gebrachter Mythos ist, aber eine Bekannte erzählte mir sie habe gelesen, dass in Frankreich Rotwein und Kondome gehortet werden und in Schottland Whiskey…..hmmmm….was sagt das über uns Deutsche aus? Alle noch in der analen Phase? Ach ja, und Kabel und Farben werden in Baumärkten wie blöd gekauft, ebenso Himbeersträucher (???) und Kloschüsseln. Es gibt sogar einen Baumarkt-Tourismus, d.h., Bayern fahren nach Baden-Württemberg, um sich in den dort noch geöffneten Baumärkten einzudecken. Unfassbar.
Aber es gibt auch was Positives zu vermelden: zum einen habe ich auf meiner heutigen Spazierrunde Zettel von Privatleuten gesehen, die ihre Handy-Nummer und Hilfsangebote z.Bsp. zum Einkaufen angeben – und ein mir bekanntes Tattoo- und Piercingstudio hat es sich nach der Schließung zur Aufgabe gemacht, Hilfesuchende und Hilfeanbieter miteinander zu vernetzen. Das sind doch schöne Nachrichten!
Mit diesen verabschiede ich mich für heute und wünsche Euch Gelassenheit und Gesundheit!
Eure Merle
ganz schön viel auf einmal und letztlich das alte thema: freiheit oder sicherheit?
natürlich muss jeder das für sich entscheiden, obwohl wir mitteleuropäer, ganz besonders wir deutschen, auf sicherheit fokussiert sind.
als ich heute mit meinen kindern (42,36) telefonierte, stellte sich raus, dass beide genauso genervt sind wie du. nicht wirklich etwas unternehmen zu können, bringt sie schon jetzt hart an ihre grenzen. und doch ist da auch der wunsch, unbeschadet aus der sache hervorzugehen, obschon das risiko nach allem, was man erfährt, vergleichsweise minimal ist. die große findet die maßnahmen gut, der kleine alles sch…
dass ich als risiko-person die dinge so entspannt sehe und draußen keine einweghandschuhe trage, registrieren beide mit staunen. vielleicht, denke ich, haben unsere kinder zu wenig krise erlebt, um diese dinge jetzt real einschätzen zu können.
aber vielleicht täusche ich mich auch.
wir sind … zuversichtlich.
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Ja richtig, das ist das Spannungsfeld, in dem wir uns gerade bewegen: Freiheit oder Sicherheit/Gesundheit…nur finde ich, dass man eigentlich das eine nicht gegen das andere aufwiegen kann, genauso wenig wie man Menschenleben gegeneinader aufwiegen kann. Es ist eine verdammt vetrakte Situation. Und ich stimme beiden Deiner Kinder zu: ich finde die Maßnahmen in Ordnung UND Sch…. und obwohl ich sehr viele Ängste habe, ist die Angst vor Ansteckung bei mir tatsächlich nicht ausgeprägt. Ich fürchte, man kriegt es oder eben nicht, da macht Angst keinen Sinn… oh, und leider kann ich den Youtube-Link nicht öffnen 😦 … Liebe Grüße, Merle
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Die Ausgangsbeschränkung wird um eine Stunde verkürz t!!!! 🙂
(Sommerzeit ab Sonntag)
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😀 Danke für die Erinnerung! Wenigstens eine kleine Erleichterung *LOL*
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