Ausgangsbeschränkungen – Tag 6

Gestern Abend die Spiegelkolumne von Sascha Lobo gelesen, Spiegel-Kolumne Sascha Lobo, und darin einen interessanten Satz gefunden: Angeblich hat die Bundeskanzlerin in kleiner Runde Bedenken geäußert, dass es in den kommenden Wochen vermehrt zu Depressionen und Suiziden kommen wird. Sollte das stimmen, bin ich einigermaßen angetan, dass auf hoher Regierungsebene auch die psychischen Folgen der Lage bedacht werden. Allerdings frage ich mich dann auch, was man als Prävention zu tun gedenkt. Die Frauenhäuser schlagen jetzt schon Alarm wegen der zunehmenden häuslichen Gewalt. Ich fürchte, es ist wie auch in anderen Krisenzeiten: die, die ohnehin schon in prekären Situationen leben und die schwächsten der Gesellschaft sind, werden auch in dieser epochalen Krise am meisten leiden. Allerdings, auch das stimmt, es gibt scheinbar eine große Welle der Hilfsbereitschaft vor allem in den einzelnen Vierteln und Nachbarschaftsnetzwerken. Ich hoffe, dies ist kein Strohfeuer sondern eine Bewegung, die längeren Atem hat, denn den werden wir benötigen.

Einstweilen bin ich am Überlegen ob ich auch der Meinung bin, dass dieser Krise Gutes abzugewinnen ist. Die Entschleunigung, die Eltern, die sich wieder mehr mit ihren Kindern beschäftigen, die Besinnung auf das wirklich wichtige im Leben, die Hilfsbereitschaft und Solidarität, der Zwang, zur Ruhe zu kommen und weitgehend auf sich selbst zurück geworfen zu sein (so man denn alleine lebt)…und vieles mehr, was laut Medien alles als positiv zu sehen ist. Ich tu mich ein bißchen schwer damit, ich gebe es zu – nicht, weil ich der Meinung bin, dass das alles Quatsch ist sondern weil ich mir nicht sicher bin, ob das anhaltende Veränderungen bewirkt oder ob wir all das „Gute“ schnell wieder vergessen, wenn die Krise denn mal irgendwann vorbei ist. So gesehen leben wir tatsächlich in höchst „spannenden“ Zeiten.

Doch nun zu leichteren Themen: Weil sie gerade so schön elegant neben meinem Laptop liegt: habe versucht, zu Hause mit Acryl zu malen – und feststellen müssen, dass das gar nicht geht. Meine Katze ist der dringenden Meinung mitmalen zu wollen und tappst sofort in die Farben auf dem Teller…ich müsste sie also anschließend immer duschen oder gleich scheren… da ich beides nicht so doll finde, lasse ich das mit dem Acryl zu Hause lieber. Wer jetzt denkt, dann sperr halt die Katze aus dem Zimmer aus. Jahaaa, schöne Idee! Aber meine Katze ist es gewohnt, keine verschlossenen Türen vorzufinden und wenn ich doch mal eine schließe, sitzt sie (im Zweifelsfall über Stunden) davor und jault aus tiefster Seele und kratzt solange an der Tür, bis man ihr Einlass gewährt. Nein, unter solchen Umständen kann man nicht kreativ arbeiten. Da muss ich mit meinen Acryl-Ideen leider warten, bis das Atelier wieder öffnet…*Schade*

Zum guten Schluß noch eine „Empfehlung“ der Schweizerischen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie:

Liebe Mitbürger/Innen
Dass Sie in der Quarantäne mit Ihren Tieren, Pflanzen oder Haushaltsgeräten reden, ist völlig NORMAL. Deswegen müssen Sie sich nicht bei uns melden. Eine fachliche Hilfe sollten Sie erst aufsuchen, wenn diese Ihnen anfangen zu antworten.

Besten Dank

Ihre überlasteten Psychiater und Psychotherapeuten

🙂 In diesem Sinne wünsche ich frohe Selbstgespräche und einen schönen Abend!

Eure Merle

 

2 Gedanken zu „Ausgangsbeschränkungen – Tag 6“

  1. diese „epochale krise“ lass dir patentieren, sofern dus nicht woanders aufgeschnappt hast.
    für den rest: ich rede schon seit jahren mit gegenständen, pflanzen und nicht anwesenden personen und hatte noch nie auch nur den gedanken, eine fachkraft zu bemühen.
    ich gehe davon aus, dass das der psycho-hygiene dient und werde es auch beibehalten.
    sie antworten ja nicht. 🙂

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    1. Die „epochale Krise“ stammt tatsächlich von mir… Aber irgendwer hat’s woanders bestimmt auch schon geschrieben… Ja, was die Gespräche mit anderen belebten und unbelebten Wesen angeht: bei mir antworten sie sogar manchmal 😰 *lol*

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