Ausgangsbeschränkungen – Tag 11

Liebe LeserInnen, heute melde ich mich mal etwas früher… ich habe drei Meldungen gelesen, die mich – auf sehr unterschiedliche Weise – sehr berührt haben. Die erste Nachricht ist keine gute, aber ich bin froh, dass es endlich in den Medien angesprochen wurde, ich hatte schon verwundert darauf gewartet, dass darüber berichtet wird. Heute um 09:16 Uhr der Eintrag im Liveblog der Tagesschau:

„Der Armutsforscher Christoph Butterwegge hat höhere Hartz-IV-Sätze gefordert und vor einer „Verelendung“ in Teilen der Gesellschaft gewarnt. „Von den Rettungspaketen für die Unternehmen kommt im Kellergeschoss der Gesellschaft wenig an“, sagte der Kölner Politikwissenschaftler dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Die Corona-Krise wirke „sich nicht allein auf die Immunschwachen, sondern auch auf die Einkommensschwachen fatal aus. Tafeln schließen und Bettler bekommen nichts mehr, weil die Straßen leer gefegt sind und alle eine Infektion fürchten. Damit wird die ohnehin brüchige Lebensgrundlage der Ärmsten vollends zerstört.“

Butterwegge betonte: „Werden für die Allerärmsten, Obdachlose, Drogenabhängige und Transferleistungsbezieher keine Rettungsschirme aufgespannt, kann es in dieser Personengruppe zu einer seit der unmittelbaren Nachkriegszeit nie mehr gekannten Verelendung kommen.“

Ich habe zwar in unserer Stadt schon ein kleines Gabenzäunchen für Obdachlose gesehen, aber das kann es ja nicht gewesen sein. Darüber hinaus gibt es in meiner Nähe einen Park, in dem sich seit Jahren eine Gruppe Drogenabhängiger trifft – die ich nun beim Vorbeigehen immer wie Falschgeld rumlaufen sehe. Die Polizei versucht, die Ansammlung dauerhaft aufzulösen, was aber nicht gelingt. Ich frage mich: sollen die Suchtkranken jetzt alle auf kalten Entzug gesetzt werden? Die Caritas hat in München schon ihr Beratungsangebot rein auf online und Telefon umgestellt, ich weiß nicht, welche Anlaufstellen es gerade noch gibt. (Wer jetzt denkt, ach, die Süchtigen sind doch selber schuld, ebenso Obdachlose – dem sage ich erstens: Sucht ist eine Krankheit und zweitens: geh in ein Obdachlosenasyl, schau es Dir genau an und spreche mit den Menschen…!)

Während große Konzerne ihre Miete nicht mehr zahlen und auf staatliche Unterstützung hoffen können, sehe ich momentan nicht, wie den von Butterwegge genannten Gruppen geholfen wird – das sollte sich dringend ändern!

Eine andere Nachricht, die mich maßlos ärgert, ist der Aufruf des bayerischen Innenministers Herrmann an die Bürger, man solle mehr „Sozialkontrolle“, vulgo Überwachung, über seine Mitbürger ausüben. Da die Polizei nicht überall sein könne, sei sie darauf angewiesen, dass die Menschen Verstöße gegen die Maßnahmen der Ausgangsbeschränkung melden (gelesen auf ntv am 31.3.2020). Geht’s noch? Bin ich der Hiwi der Polizei und sollen wir jetzt alle zu Denunzianten werden? Herr Herrmann, das ist mal ein richtig tiefer Griff ins Klo! In diesen Zeiten auch noch Misstrauen unter den Menschen zu sähen, ist echt das Allerletzte!

Und nun zu einer ganz anderen Art der Meldung, die von sehr viel Humor und Einfühlungsvermögen zeugt – und die wirklich eine gute Nachricht ist 😉

Die Münchner Polizei nahm sich der Frage eines Kindes an, das wissen wollte, ob der Osterhase auch von den Ausgangsbeschränkungen betroffen ist. Die Anfrage und Antwort findet Ihr unter folgendem Link: Polizei München
Ich sage nur: Ostern ist gerettet!

Und damit wünsche ich Euch noch einen schönen, sonnigen Dienstag, vielleicht bis später!

Eure Merle

 

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