Ausgangsbeschränkungen – Tag 12

„Bleiben Sie weiter stark (…)“, sagt die Kanzlerin. Ja, danke, jetzt geht’s mir besser. Das Kontaktverbot bleibt bundesweit bis 19.4. bestehen und auch danach dürfen wir, so meine Einschätzung, mit einer Verlängerung rechnen. Wir seien noch weit davon entfernt, von Lockerungen sprechen zu können. Hm, jetzt geht’s mir noch besser!

Es tut mir leid, aber ein wenig Ironie und Zynismus muss erlaubt sein in diesen Tagen. Denn ich bin müde. Zwar habe ich heute verschlafen und bin erst um halb zehn aufgestanden, aber ich bin dennoch müde. Körpermüde, geistmüde, coronamüde, isolationsmüde… ich bin mit nicht wenigen Menschen im (selbstverständlich digitalen) Kontakt und denen geht es größtenteils genauso. Es ist schwierig und man gewöhnt sich nicht an die Situation, sondern das Befinden wird schlechter, je länger diese andauert.

Es wird jetzt doch an vielen Stellen immerhin über Depression geschrieben und Durchhalteparolen (Sie sind nicht allein!) sowie Telefonnummern ausgegeben – aber Leute, das hilft doch nicht wirklich! Und vor allem: es gibt viele Menschen, die nicht (nur) an Depressionen leiden sondern auch Angsterkrankungen oder andere seelische Leiden haben. Ich habe hier schonmal darüber geschrieben, wie schwierig gerade für diese Menschen der ausnahmezustand ist und wurde dann gefragt, ob ein paar Wochen auf dem Sofa wirklich so schlimm seien, wenn man damit Leben retten kann. Ich finde, man kann das eine nicht gegen das andere aufwiegen und meine Schwierigkeiten in dieser bald zwei Wochen dauernden Kontaktsperre lassen sich mit „geretteten Menschenleben“ auch nicht wegdiskutieren. Genausowenig wie es ein künstlich herbei geredetes „Wirtschaft gegen Gesundheit“ geben sollte, genauso wenig möchte ich ein „Gesundheit A“ gegen „Gesundheit B“ herbei schreiben.

Ich habe Probleme, meine Tagesstruktur beizubehalten und kämpfe gegen eine zunehmende Schwere und Trauer an, die ich mir nur durch meine fehlenden live-Kontakte erklären kann. Meine Ängste habe ich einigermaßen im Griff, aber es macht sich eine gewisse Orientierungs- und Hilflosigkeit breit, die schwer auszuhalten sind. Ich brauche keine anonyme Stimme am Ende einer Seelsorgehotline, ich brauche meine regelmäßigen Kontakte und Tätigkeiten und nicht diese endlose Leere, die sich durch den Lockdown überall verbreitet. Leere Straßen, leere Parks, leere Tage… selten habe ich mir so sehr gewünscht, arbeiten gehen zu können…aber es hat ja einen Grund, warum ich das nicht kann.

Leider kann ich auch trotz intensiver Suche mit keiner guten Nachricht aufwarten, ich hätte uns alle gerne ein bißchen erheitert. Allerdings, getreu dem Motto: Kopf hoch auch wenn der Hals dreckig ist, habe ich mein Gedächtnis nach lohnenden Bildern und Videos durchsucht und habe mich an ein schon älteres, aber sehr witziges Video eines jungen Mannes erinnert, der sich eine junge Katze zugelegt hat und nun…nunja, mit den Folgen leben muss 😀 . Wer Lust auf charmantes, intelligentes Cat-Entertainment hat, dem seien Sparta und sein Herrchen empfohlen: Mean Kitty Song

Und damit beende ich diesen, heute launigen Beitrag und hoffe, morgen wieder mehr Optimismus verbreiten zu können! Ich bemüh mich, versprochen!

Liebe Grüße

Eure Merle

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