Ausgangsbeschränkungen – Tag 16

davLiebe Leserinnen und Leser, heute möchte ich erstmal die Gelegenheit nutzen und mich bei Euch für Euer Interesse bedanken! Ich würde so oder so täglich schreiben, weil es mir selber immens hilft – aber dass meine Beiträge auch gelesen werden, macht es natürlich noch viel schöner! Herzlichen Dank dafür!

Es ist Sonntag und sonnig, ich war auch schon draußen und habe meine Nase in die Sonne gehalten, damit ich ordentlich Vitamin D produziere – und ich habe wie immer in der Presse gestöbert und möchte ein paar der gefundenen Themen hier aufgreifen.

Ich muss leider mit einem unschönen Thema beginnen, ich kann das auch nicht auslassen, dafür ist es zu wichtig. Der Spiegel meldete gestern, dass in Berlin die Anzeigen aufgrund häuslicher Gewalt bereits um 10% gestiegen sind, die Anrufe bei dem Hilfetelefon „Nummer gegen Kummer“ erhöhten sich um 20%. Bereits am 28.3.20 wurde im Spiegel vor dem Ansteigen häuslicher Gewalt und sexueller Übergriffe vor allem gegen Kinder gewarnt. Man kenne die Häufung von solchen Fällen über Weihnachten – also in Zeiten, in denen die Menschen viel Zeit zu Hause verbringen – nur dass die jetzigen Stressoren und die Zeitdauer um einiges höher liegen.

Aus Wuhan weiß man, dass dort während der Quarantäne drei mal so viele Opfer von häuslicher Gewalt registriert wurden. Die von der deutschen Regierung bzw. den Bundesländern getroffenen Maßnahmen umfassen die „Aufrechterhaltung“ der Hilfetelefone (ist das nicht selbstverständlich??) aber auch die Möglichkeit, bei überfüllten Frauenhäusern Hotelzimmer oder alternative Unterbringungsmöglichkeiten anzumieten. Doch in deutschen Frauenhäusern fehlen auch ohne Corona schon 15.000 Plätze nach Expertenmeinung. Einen sehr interessanten Artikel zur Situation der Frauenhäuser gibt es ebenfalls im Spiegel,  allerdings hinterlässt auch dieser mehr Fragen als Antworten. Das Thema wurde von der Bundesregierung offenbar zu lange nicht angefasst. Jetzt stehen die Agierenden mit zu wenigen Mitteln da. Das ist mehr als ärgerlich und für viele Frauen und Kinder gefährlich.

Einen anderen Artikel, den ich sehr empfehlen kann, habe ich auf ntv gefunden. Der Autor findet nicht, dass der totale Lockdown alternativlos ist und analysiert sehr differenziert und klug den Schaden, den unser Wirtschafts- und Sozialgefüge nehmen wird, wenn wir die Marktwirtschaft auf Dauer künstlich brach liegen lassen. „Die Politik darf die Interaktionsdichte von wirtschaftlicher Stabilität nicht unterschätzen. Wenn diese – wie jetzt bei einem Shutdown – zerstört wird, bricht die Achse wirtschaftlichen Vorankommens. Die von Beamten und Juristen dominierte Politik neigt offenkundig dazu, die Wirtschaft wie eine statische Großbehörde zu betrachten, die man eine Zeit lang mal schließen könne und ihr notfalls hinterher mit Geld wieder aufhelfe. In Wahrheit aber ist die Wirtschaft wie ein lebendiger Organismus, der einfach stirbt, wenn sein Kreislauf nicht zirkuliert.“ (Kommentar von W. Weimer auf ntv, 2.4.20) Es geht hier nicht darum, das Leben der einen gegen das wirtschaftliche Funktionieren der anderen aufzuwiegen. Sondern vielmehr darum, dass ein Land zugrunde gerichtet werden kann, wenn man die wirtschaftlichen Strukturen und Prozesse zu lange unterdrückt. Und dann, so meine Befürchtung, helfen uns auch viele Intensivbetten nichts mehr.

Da ich mich auch mit dem Thema Handy-App zur gezielten Kontrolle der Virus-Ausbreitung beschäftige, habe ich hier noch interessante Informationen zu einer möglichen App: „Da kommt eine Initiative mit der Bezeichnung PPEP-PT ins Spiel. 130 Experten aus mehreren europäischen Ländern haben an dem Projekt mitgewirkt. Das Ziel: Eine Überwachung der Bürger, ohne sie zu überwachen. „Wir messen nur, was für die Übertragung dieses Virus relevant ist – nämlich die Nähe“, sagt René Habendorf von Vodafone. Für die Messung, wie nahe sich zwei Menschen gekommen sind, werde die Bluetooth-Technologie genutzt. Erst wenn Menschen sich über mehrere Minuten nahe sind, werden anonymisierte Daten auf den Handys gespeichert. Bei einer Infektion würden sie übermittelt und die Kontaktpersonen gewarnt.“ (ntv, 4.4.20) Ich habe über das Thema vorgestern schonmal kurz geschrieben und es wurden zu Recht auch datenschutzrechtliche Zweifel an dem Einsatz von Handy-Apps angemeldet. Allerdings muss ich sagen, dass ich inzwischen schon auf die Entwicklung einer – vertrauenswürdigen – App warte, in der Hoffnung, dass diese auch zu einer Lockerung des Lockdown genützt würde. (Eventuell kann man hier auch von Österreich was lernen (positiv wie negativ), wo ja bereits so eine App existiert.)

Mehr Sorgen macht mir hingegen die Idee von Herrn Schäuble, der derzeit über die Einrichtung eines „kleinen Notparlamentes“ nachdenkt. (Tagesschau Liveblog, Samstag 4.4.20, 09:29) Zwar solle dies dem Erhalt der Demokratie dienen, aber ich frage mich: wie wenige Abgeordnete sind dann für Beschlüsse notwendig? Es sind ja jetzt schon nur die Hälfte, würden es noch weniger, kann man bald nicht mehr von demokratischer Legitimation sprechen. Im Übrigen würde dies meines Wissens eine Verfassungsänderung notwendig machen – diese in solchen Zeiten mal eben durchzusetzen, halte ich für fahrlässig.

Eine gute Zusammenfassung zum Thema Exit-Strategien aus dem Lockdown gibt es auf den Seiten des Deutschlandfunks. Außerdem wird dort eine Reihe an Links zu zentralen Themen rund um die Corona-Krise angeboten: zu Zahlen und Daten, über Testverfahren und Medikamente sowie einen Überblick über den Umgang in anderen Ländern u.v.m.

Doch nun zu etwas leichterem: eine sehr unterhaltsame Kolumne ist mir in der Berliner Zeitung  über den Weg gelaufen: die Autorin lebt allein, ist Single und spricht über ihre Befindlichkeit als solche in Zeiten von Corona. Dies ist nicht nur sehr amüsant sondern auch erhellend: die derzeitige Ausnahmesituation lässt manche über ihre Lebensentwürfe nachdenken und: nicht jede Single-Frau über 30 hat Katzen! 🙂

Währenddessen wird in München diskutiert, ob das Oktoberfest dieses Jahr stattfinden kann oder nicht. (Münchner Merkur online, 5.4.20) Hä? Ernsthaft? Ein Happening, bei dem sich an guten Tagen 250.000 Menschen aus aller Welt eng an eng über die Festwiese schieben, soll eventuell stattfinden? (Man muss dazu wissen, dass der Aufbau des Festes bereits im Juni beginnt, das bedeutet, so lange kann man die Entscheidung jetzt nicht herauszögern.) Also, wenn die Wiesn dieses Jahr nicht abgesagt wird, dann verlier ich den Glauben… Aber klar, man könnte an den Eingängen Atemschutzmasken verteilen und Ordner anstellen, die auf den Mindestabstand achten… na, das stell ich mir heiter vor! *Kopfschüttel*

Und zu guter letzt noch was zum Schmunzeln:

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Habt noch einen schönen Sonntag und morgen einen guten Start in die Woche!

Eure Merle

2 Gedanken zu „Ausgangsbeschränkungen – Tag 16“

  1. Liebe Merle,
    danke für Deine Zusammenfassungen zu Corona aus Funk und Fernsehen.
    Heute kam auch die Meldung (wiederholt) dass die Pflegenden, jedenfalls in Bayern, einen steuerfreien Bonus von 500,00; Euro bekommen sollen, da sich zeigt, was für einen großen Einsatz diese gerade leisten! Das stimmt auf jeden Fall, aber das haben Menschen dieser Berufsgruppe vor Corona – lange vor Corona – schon getan und niemand aus der Politik hielt das für erwähnenswert. Man beklagt Fachkräftemangel und holt Verstärkung aus anderen Ländern. Dabei gibt es hier gute Fachkräfte, nur muss man sie halt anständig bezahlen. Da muss sich ein dauerhaftes Umdenken einstellen.
    (Ich arbeite nicht in diesem Bereich, aber die helfenden Berufe haben schon immer meinen größten Respekt).
    Viele Grüße

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    1. Liebe Miriam, ich stimme Dir uneingeschränkt zu! Ich wundere mich seit Tagen, dass angeblich jetzt erst auffällt, wer alles systemrelevant ist und dass man diese Berufe besser bezahlen muss. Ich hoffe sehr, dass diese Krise auch zur Folge hat, dass sich die Löhne in der Pflege ändern. Liebe Grüße, Merle

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