Ausgangsbeschränkungen – Tag 18

Herr Söder hat’s mal wieder getan – er ist vorgeprescht und hat jetzt schon die Verlängerung der Maßnahmen nach dem 19.4. angekündigt und auch gleich noch eine Maskenpflicht. Man wird das drängende Gefühl nicht los, dass sich da einer als Kanzlerkandidat profilieren will, ohne Rücksicht auf Verluste und offensichtlich pfeifend auf die Abstimmung mit den anderen Bundesländern. Alles zum Wohle der Bevölkerung, die nun schon seit Wochen in einer Zwangsjacke steckt.

In einem sehr klugen Artikel in der Süddeutschen Zeitung vom Wochenende fordert Heribert Prantl die Einrichtung eines multidisziplinären Expertenausschusses zur Beratung über die weitere Vorgehensweise in der aktuellen Krisensituation. Er mahnt dabei auch zur Rückkehr zu unseren Grundrechten und kritisiert, dass die bisherigen Entscheidungen sich vor allem an den Aussagen von Virologen, also Naturwissenschaftlern, orientieren, und dass quasi mit einem „Fingerschnippen“ mal eben eine ganze Bandbreite an Grundrechten außer Kraft gesetzt wurde. Prantl rät hingegen zu einem Beraterstab, in dem auch „Grundrechts- und Gesellschaftsexperten“ sitzen, also zum Beispiel Wirtschaftswissenschaftler, Soziologen und Psychologen sowie „Experten aus Kultur, Kunst und Religion“. Ich muss sagen, Herr Prantl spricht mir da aus dem Herzen, ich finde es zunehmend verantwortungslos, wie mit unseren Menschenrechten, unseren im Grundgesetz verankerten Freiheitsrechten umgegangen wird. Das kann kein Dauerzustand bleiben und doch hören wir entweder nichts (von der Kanzlerin) oder eben Herrn Söder, der mal eben eine Verlängerung, aber ohne Endpunkt, ankündigt. Ebenso verantwortungslos finde ich die Versuche, eine offene Debatte über sogenannte Exit-Strategien unterdrücken zu wollen. Das sei jetzt nicht der Zeitpunkt. Wer bestimmt denn das? Leben wir in einer Demokratie oder nicht?

Nein, ich möchte nicht, dass in unseren Kliniken Zustände wie in Italien herrschen. Aber ich möchte auch nicht, dass die bisherige Vorgehensweise (mal wieder) als alternativlos dargestellt wird. Ich möchte eine offene gesellschaftliche Diskussion darüber, wie wir längerfristig mit der Pandemie umgehen wollen und können. Auch das muss eine demokratische und freiheitliche Gesellschaft aushalten. Diese Debatte hat heute dankenswerter Weise auch der Deutsche Ethikrat gefordert: „Es ist zu früh, Öffnungen jetzt vorzunehmen. Aber es ist nie zu früh, über Kriterien für Öffnungen nachzudenken.“ (Tagesschau.de vom 7.4.20)

Was die Maßnahmen, zumindest in Bayern, zum Beispiel bedeuten, ist heute in einem Tweet der Münchner Polizei klar geworden: auf eine entsprechende Frage einer Mutter eines behinderten Kindes war die Antwort: Nein, das Lesen eines Buches auf einer Parkbank ist nicht erlaubt. Sprich: Bewegung im Freien ist ein triftiger Grund zum Verlassen der Wohnung, aber das Verweilen an einem bestimmten Ort nicht. 150 Euro Bußgeld kann das im Zweifel kosten. – Ich bin gerade immens froh über meinen Balkon, das kann ich gar nicht oft genug betonen…

Und sonst so? Ich merke, dass ich langsam asoziale Züge annehme. Aus dem erzwungenen Alleinsein wird gerade ein leicht trotziger Rückzug, ich meide zum Teil Gespräche, aus Angst, es geht wieder nur um Corona, (obwohl ich mich ja selber viel medial mit dem Thema beschäftige) und wenn ich spazieren gehe, suche ich gezielt einsame Orte… (was am Sonntag gar nicht so einfach war) ich habe Sehnsucht nach der Welt, wie sie war und kann mich mit dem jetzigen Zustand einfach nicht anfreunden. Aber gut, wer kann das schon, sage ich mir und versuche mir Mut zu machen für die Wochen die da kommen.

Jetzt werde ich erstmal wieder mein Buch zur Hand nehmen und in fremde Welten eintauchen …bis ich schlafen gehe…und morgen ist wieder ein neuer Tag, in dieser inzwischen auch recht fremden Welt…

Ich wünsche Euch einen schönen Abend und viele gute Ideen für die Zeit daheim…

Eure Merle

Hinterlasse einen Kommentar