Nun sind es also morgen bereits drei Wochen, die wir mit den Ausgangsbeschränkungen leben und ich stelle rückblickend fest, dass es doch von Woche zu Woche für mich schwieriger wird, mit den Änderungen in meinem Tagesablauf umzugehen. Auf jeden Fall muss ich bald wieder neue Bücher bestellen, denn mein Lesestoff neigt sich dem Ende zu und lesen ist doch das, was ich am häufigsten mache. – Natürlich nicht auf einer Parkbank im Grünen, denn das ist ja in Bayern verboten, sondern auf meinem Balkon…auf den sich heute trotz Katzennetz tatsächlich eine wunderschöne Kohlmeise verirrt hatte! Ich war sehr froh, dass meine Katze den Vogel zu spät wahrgenommen hat – als sie in Lauerstellung ging, flog die Meise auch schon wieder weg. Aber das war ein Besuch, über den ich mich sehr gefreut habe!
Eine gute Nachricht habe ich heute Nachmittag vernommen: laut Frau Merkel sind derzeit keine weiteren Verschärfungen der Maßnahmen notwendig. Das ist doch immerhin mal was. Und ich habe gelesen, dass Herr Söder in Bayern bleiben will und nicht an eine Kanzlerkandidatur denkt. Hm, ob ich ihm das glaube, weiß ich noch nicht.
Ziemliche Sorgen machen mir die Prognosen aus der Wirtschaft – was da an Rezession und Zusammenbruch auf uns zu kommt, wird uns noch schwer zu schaffen machen. Aber momentan hoffe ich erstmal, dass sich Europa über entsprechende Unterstützungsmechanismen einig wird und dass das europäische Haus nicht auch noch zusammenkracht.
Bei meinem heutigen Spaziergang ist mir aufgefallen, dass deutlich mehr Menschen eine Atemschutzmaske tragen – und dass genau diese überwiegend nicht auf den vorgeschriebenen Mindestabstand geachtet haben – das war auch im Supermarkt zu beobachten. Also ist die bereits mehrfach in den Medien geäußerte Warnung, dass Masken den Abstand nicht überflüssig machen, sehr berechtigt und ich ärgere mich ein wenig über die Laxheit, mit der manche Menschen immer noch mit der Situation umgehen. Außerdem scheinen die Corona-Regeln in unserer Stadt dazu zu führen, dass Radfahrer jetzt auf dem Bürgersteig fahren dürfen. Ich verstehe den Zusammenhang nicht, aber tatsächlich begegnen mir seit den Ausgangsbeschränkungen viel mehr Radfahrer auf dem Gehweg als sonst. Die Kausalität erschließt sich mir noch nicht, aber vielleicht fange ich mal, nachzufragen. Eventuell kommt ja was erhellendes bei raus.
Ansonsten ärgere ich mich ein wenig über mich selbst, weil ich vieles, was ich mir für die Zwangspause vorgenommen hatte, einfach nicht in Angriff nehme. Die zu stopfenden Socken und Kleidungsstücke liegen immer noch unbeachtet rum, die Briefe, die ich schreiben wollte, habe ich immer noch nicht geschrieben und mit meiner Kreativität zu Hause ist es auch nicht weit her… ich stelle fest, dass Aktivität aktiv sein nach sich zieht und (zumindest unfreiwillige) Ruhephasen zu noch mehr Passivität führen. Man könnte ja meinen, dadurch dass ich sonst nix zu tun habe, flutscht es nur so mit den – zum Teil unliebsamen – Aufgaben – aber nein, einmal in der Ruhephase angekommen, ist es schwer wieder rauszukommen! Das ist irgendwie so als würde man sagen, Schlafen macht müde, ich weiß, aber es stimmt trotzdem. Anscheinend brauchen Körper und Geist ein bestimmtes, angenehmes Stresslevel, damit der Mensch agiert und nicht nur vor sich hin gammelt. Diese Erkenntnis sollte mich jetzt wahrscheinlich dazu bringen, Joggen zu gehen oder mir ein Ehrenamt zu suchen… aber darüber muss ich erst noch meditieren 😉
So, jetzt setze ich mich noch mit meinem Buch auf den Balkon, genieße die letzten Sonnenstrahlen und wünsche Euch einen ebenso angenehmen Abend! Bis morgen,
Eure Merle