So. Heute hab ich mal wieder einen Aufreger im Gepäck. Die Szene, über die ich mich aufrege, ist schon ein paar Stunden her, so daß ich mich schon wieder beruhigt habe, aber in mir grummelt es noch gewaltig. Aber von Anfang an:
Ich bin heute wie jeden Dienstag wieder mit meiner Patenhündin Yava spazieren gegangen, alles sehr idyllisch, die Bäume schlagen aus, die Vögel zwitschern und wir kommen an einer Wiese vorbei, auf der auf einem umgekippten Baumstamm zwei Frauen sitzen, vor denen wiederum zwei große Hunde im Gras flätzen. Der eine ist sehr groß und bullig, er setzt sich sofort auf, als er Yava sieht und ich denke noch, oh ohhh, das könnte ungut werden, als der auch schon losrast und sich laut knurrend und Zähne fletschend in Richtung des Zwergpudels schmeisst, für den ich gerade die Verantwortung trage. Ich weiß nicht, wer in diesem Moment mehr Angst hatte, Yava oder ich. Der Pudel ist sofort zwischen meine Füße geflitzt, der Hund steht geifernd und knurrend vor mir und alles was ich denke ist: er darf nicht riechen, dass ich Angst habe, er darf meine Angst nicht riechen. Was natürlich Quatsch ist, denn wenn ich das schon denke, dann riecht er sie auch gewiss. Und was macht die Besitzerin, während ihre Töle den kleinen Hund und mich in Schach hält? Sie ruft. Doch das Vieh hört nicht, also rufe ich – freundlich aber bestimmt – der Dame zu, ob Sie bitte ihren Hund zurückholen könne. Ich denke, wenn der nicht hört, dann muss sie doch mal aufstehen und kommen und sich das Tier greifen!? Aber nein, sie ruft weiter und mir dann zu, mit einem Ton der kaum an Verachtung zu überbieten ist: „Jaja, geh Du mal weiter…“ Dass „Jaja“ in diesem Fall l.m.a.A. heißt, ist nicht zu überhören und so langsam werde ich wirklich ärgerlich… doch erst muss ich mich von diesem Hund befreien, bevor ich was passendes sagen kann. Inzwischen verliert der Ruede aber Himmel sei Dank das Interesse an uns und Yava und ich können weiter gehen.
Doch eigentlich will ich mich noch an die Hundebesitzerin wenden, ihr sagen, dass sie 1. ihren Hund an die Leine nehmen sollte, wenn der derart aggressiv ist und nicht folgt und dass sie 2. mir nicht zu sagen hat, ich solle weiter gehen wenn das Vieh direkt vor mir steht und sich in bester Wachhundmanier aufführt und dass ich mich 3. nicht erinnern kann, ihr das Du angeboten zu haben. – Was ist das für eine dämliche Eigenart, dass Leute bei Konflikten in der Öffentlichkeit völlig Fremde mit Du ansprechen? Das ist mir schon früher aufgefallen und ich finde das vollkommen daneben. Ist das der Versuch, durch erzwungene Vertraulichkeit den Konflikt zu entschärfen oder eine billige Art, dem anderen klar zu machen, dass er nicht mit Höflichkeit oder Respekt zu rechnen hat? Ich fürchte ja, eher letzteres.
Leider bin ich Punkt 1 bis 3 nicht bei der Frau losgeworden – ich bin dann tatsächlich weiter gegangen und habe mir jeglichen Kommentar verkniffen, was mich im Nachhinein mal wieder kolossal ärgert. Diese Hundebesitzerin war extrem verantwortungslos, das hätte böse ins Auge gehen können und ich sage das als jemand, der sonst auch vor großen Hunden keine Angst hat. Ich traue mir durchaus zu zu erkennen, wann eine Situation wirklich brenzlig wird, und das war eine solche. Entsprechend hätte ich gerne reagiert, habe mir aber wie meistens gedacht, dass das eh nichts bringt weil die meisten Leute nicht zuhören und auf ihrem „Recht“beharren, wo es eigentlich nicht ums Recht haben geht sondern um Verständigung im gemeinsamen öffentlichen Raum. Aber meine Freundin J., das Frauchen von Yava, wies mich darauf hin, dass es nicht sehr sinnvoll erscheint, sich mit einer unfreundlichen Hundebesitzerin anzulegen, die auch noch einen unfreundlichen Vierbeiner hat… ich nehme an, es war also klüger, sich nicht auf ein Gespräch einzulassen.
Aber was ist das mit diesen Leuten, die so derart rücksichts- und gedankenlos durch die Welt stapfen? Sehen die die anderen wirklich nicht? Wird da alles ausgeblendet, was mir selber nicht in den Kram passt und der Rest ist wie bei Pipi Langstrumpf: ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt! Das ist lustig, wenn es um ein Kind mit einem Äffchen und einem Pferd geht, es ist weit weniger erheiternd, wenn die individuelle Freiheit zur Bedrohung für andere wird. Und selbst wenn die Dame sich sicher war, dass ihr Hund niemanden angreift: in dem Moment in dem ich sehe, dass ein anderer Hund oder ein Mensch Angst vor ihm hat, hol ich ihn zurück!
Nun gut, ich werde mich damit abfinden müssen, dass es immer mal wieder mehr oder weniger asoziale Elemente in meinem Umfeld gibt, damit muss man leben, dagegen kann man nichts tun, außer Großmut und Gedult entwickeln. Und wenn mir doch irgendwann mal der Kragen platzt und ich laut werde, dann freue ich mich, dass ich meine Wut an der richtigen Adresse platziert habe. Sollte es je soweit kommen: ich werde berichten!
Für heute sage ich Tschüß und wünsche Euch noch einen schönen Tag und passt auf Euch auf!
Eure Merle