Ausgangsbeschränkungen – Tag 31 Ein Rückblick

Aus aktuellem Anlass habe ich ein bißchen in meinen früheren Beiträgen gestöbert und bin dabei auf einen Beitrag vom August 2018 gestoßen, der ganz wunderbar zu meiner jetzigen Situation passt. Momentan bin ich wegen zwei Dingen sehr ungeduldig und verunsichert. Erstens macht mich der Corona-Lockdown kirre und zweitens muss ich einen Antrag bei der Deutschen Rentenversicherung auf Verlängerung meiner Erwerbsminderungsrente stellen. Wann ersteres sich ändern wird, steht in den Sternen und ich habe null Einfluß darauf. Zweiteres muss rechtzeitig erledigt werden, meine Ärzte müssen Berichte schreiben – und ich bin von der Rentenversicherung abhängig, weil diese mir die Formulare für die Verlängerung zuschickt. Erst hieß es im Mai, heute sagte man mir, im Juni werde das passieren. Die haben aber eine Monate dauernde Bearbeitungszeit und meine Rente läuft bis Oktober. Viel Zeit, möchte man meinen, aber nicht so bei dieser Behörde. Also bin ich auch hier ziemlich zappelig und habe versucht, mir aus dem Internet die kompletten Formulare zu ziehen – aber Fehlanzeige. Also warten.

Und nun zu dem Beitrag aus 2018:

Beim Thema Loslassen muss ich immer an den schönen Spruch denken: „Herr, gib mir Geduld, aber zackig!“ Ich bin kein geduldiger Mensch, oh nein. Die Dinge auf mich zukommen zu lassen gelingt mir nur selten. Ich hätte gerne immer alles sofort und nach meinem Geschmack geregelt und geklärt und wenn das nicht funktioniert, wird es ungemütlich in mir. Nicht mit mir; ich lasse meinen Frust nicht an anderen aus sondern beginne zu grübeln und Szenarien im Kopf zu entwickeln und vergesse dabei vollkommen, dass Vieles im Leben einfach nicht planbar ist. Mir selbst einzugestehen, dass ich nicht weiß, was passieren wird, ist unfassbar schwer. Ich weiß nicht, wie lange meine Kater noch leben wird, ich weiß nicht, ob ich meinen Job behalten werde, ich kann nicht mit Sicherheit sagen, ob mein Antrag auf Erwerbsunfähigkeitsrente angenommen wird und ich weiß auch nicht, ob ich mit meinem Freund alt werde. Ich plane, treffe Entscheidungen, bereite vor und mache A um B zu erreichen – aber am Ende bleibt das meiste schlicht offen, auch wenn ich mich gern der Illusion hingebe, ich hätte alles in der Hand.

Hm, das zu lesen war schon erhellend: viel habe ich in den nicht ganz zwei Jahren offenbar nicht dazu gelernt. Ich möchte immer noch alles unter Kontrolle haben und vertraue selten auf den Lauf der Dinge bzw kann mich nicht damit abfinden, wenn ich von äußeren Faktoren abhängig bin. Loslassen, ja, gern, aber mit dem richtigen Endergebnis bitteschön. Dass das Leben passiert während ich versuche, alle Fäden in der Hand zu halten, das hat mir der alte Text an zwei Stellen gezeigt: Mein Kater ist im Mai 2019 verstorben und mein Partner und ich haben uns kürzlich getrennt. Beides Ereignisse, die ich mir noch im August 2018 nicht vorstellen konnte. Die gute Nachricht ist, ich habe gelernt, mit beidem umzugehen. Die schlechte ist: was kommt als Nächstes?

Ich weiß es nicht und das ist sehr wahrscheinlich auch gut so. Angst macht es mir trotzdem. Und wieder einmal muss ich mir klar machen, dass auch Angst zum Leben dazu gehört und keine böse alte Tante ist, sondern ein warnendes Gefühl, das zwar öfter mal über die Stränge schlägt, es aber eigentlich gut mit mir meint. Säbelzahntiger und so… gut, sind mir jetzt in letzter Zeit eher wenige über den Weg gelaufen, aber dennoch beschäftigen mich ja existentielle Themen, das Bild ist also nicht allzu weit her geholt.

Und so werde ich mich auch in Zukunft versuchen, auf alle Eventualitäten vorzubereiten, so bin ich nunmal, ich glaube, das krieg ich nicht mehr aus mir raus – um dann überrascht zu werden von dem, was das Leben mir tatsächlich bringt.

(…) In Bayern bringt es jetzt erstmal die Maskenpflicht, wie gut, dass ich zwei Stück zu Hause habe und der ganze Rest…nun, der wird sich schon irgendwie ergeben…

Damit sage ich Tschüß für heute, wünsche Euch eine gute, angenehme Woche,

herzlich, Merle

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