
Kennt Ihr auch diese Menschen, denen ständig das Schlimmste passiert und die unaufhörlich darüber sprechen können, was alles nicht klappt und worin sie überall Opfer sind? Die nicht müde werden zu erklären, wie ungerecht die Welt mit ihnen umgeht und die – offen oder verdeckt – um das Mitleid der anderen buhlen?
Ich kenne solche Menschen zur genüge und ich habe in den letzten Jahren dafür gesorgt, dass sie in meinem sozialen Umfeld keine Rolle mehr spielen, denn ich möchte mich dem ewigen Gejammer nicht mehr aussetzen und auch keine Tiraden mehr darüber hören, wie böse und arg doch alles ist. Es gibt so jemanden auch in meiner Familie und auch hier habe ich irgendwann konsequent die Reißleine gezogen – ich konnte es nicht mehr ertragen und fand dieses ständige darauf beharren, dass es ihr ganz besonders schlecht ergeht nicht mehr hinnehmbar. Bisher habe ich mehr oder weniger verschwurbelte oder verklausulierte Erklärungen abgegeben, wenn ich den Kontakt zu so jemandem beendet oder stark reduziert habe. Bei denjenigen, denen ich eine gewisse Portion Selbstreflexion zutraue, habe ich schlicht die Wahrheit gesagt: ich möchte keinen Kontakt mehr zu Menschen, die sich ständig in der Opferrolle sehen. Das kam nicht gut an.
Heute aber hat mir eine Freundin ein wunderschönes Bild an die Hand gegeben, eine Mini-Anekdote von den zwei Fröschen in der Sahne:
Schwimmen zwei Frösche in der Sahne. Der eine guckt entsetzt und schreit: „Oh mein Gott!“ und geht unter. Der andere strampelt bis die Sahne geschlagen ist und er darauf hinausklettern kann.
Ich finde dieses Bild stellt ganz wunderbar dar, wie unterschiedlich die Menschen mit dem Leben umgehen und ich werde diesen Zweizeiler in Zukunft benutzen, wenn mir wieder mal jemand begegnet, der sich in seiner Opferrolle sonnt.
Um Missverständnissen vorzubeugen: ich sage nicht, dass es nicht schlimme Ereignisse und Unglück und Leid gibt. Ich meine auch nicht, dass man darüber nicht reden soll oder sich keine Hilfe holen soll. Im Gegenteil: wer sich Hilfe holt, ist schon einen Schritt aus der Opferrolle hinausgetreten. Wer aber ständig nur jammert, immer andere für das eigene Unglück verantwortlich macht und dieses als das größte Unrecht per se wahrnimmt, der hat meiner Meinung nach eine verzerrte Wahrnehmung.
Man kann Unglück und Leid nicht messen und das eine ist nicht größer als das andere. Wer wollte den messen, wie es dem einzelnen in seiner Misere ergeht? Aber als Erwachsene ist es meines Erachtens unsere Aufgabe, zu gucken, wie wir uns helfen können, wie wir Selbstfürsorge praktizieren können und aufzuhören, das eigene Leid mit dem der anderen zu vergleichen und anzufangen, über den eigenen Tellerrand hinaus zu blicken. Nun gibt es Menschen, denen ist von klein auf der Satz eingetrichtert worden: Du kannst das nicht. Aus diesem „ich kann das nicht“ herauszufinden, sozusagen die Sahne mit den eigenen Füßen zu schlagen, ist schwer, aber machbar und lohnenswert. Aus der Opferrolle und der Starre der Ohnmacht hinaus zu treten ist so wichtig, weil wir erst dann auch die Schönheit des Lebens erkennen. Wer aufhört, sich selbst in der Rolle der Schwächeren oder ungerecht Behandelten zu sehen, nimmt sein Leben in die Hand und fängt an zu gestalten anstatt die anderen gestalten zu lassen.
Dass man, in den Sahnetopf gefallen und in der schweren, klebrigen Masse gelandet, erstmal flucht oder entsetzt aufschreit: allzu verständlich. Aber dann sollten wir anfangen zu strampeln und in Bewegung kommen, damit wir dann gestärkt daraus hervor gehen. Und mit ein klein bißchen Glück können wir dann leckeren Kuchen mit der leckeren Sahne essen. 🙂
In diesem Sinne wünsche ich uns allen, dass wir immer die Kraft haben werden, zu strampeln, wenn wir in der Sahne gelandet sind!
Euch noch eine schöne Woche, herzlich
Eure Merle
Ein schönes Kaffeekränzchen mit Kuchen und Sahne wünsche ich Dir. Ich stimme Dir zu vor „finnischen“ Geschichten und Räuberfamilien muss man sich in Acht nehmen.
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Dankeschön! 😅 … Was die finnischen Geschichten angeht stehe ich auf dem Schlauch, was meinst Du damit? *Neugier* liebe Grüße, Merle
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Man sagt so: wenn sich zwei Finnen treffen erzählt jeder sein Ungemach – und jeder weiss noch etwas schlimmeres zu berichten.
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Ah, ok, verstanden…das werd ich mir merken!
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Bei den Finnen heißt es dann auch „schlimmer geht immer“… 🙂
LG, Miriam
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