
Meine Wettervorhersage hat mir bis heute Vormittag erzählt, dass es nicht regnen wird, das hat sie mir sogar noch gesagt, als es schon regnete. Ich glaube, das Wetter hat sich kurzfristig an meine Laune angepasst. Da kann man nichts machen. Tut mir leid, Leute.
Heute morgen sah alles noch recht vielversprechend aus, als ich aufstand, freute ich mich noch über meine zwei Sonnenblumen auf dem Balkon, doch dann ging es rapide bergab. Trotz großen Unmuts und fehlender Motivation bin ich dann doch ins Atelier gefahren – wo ich Kreuzworträtsel löste, anstatt kreativ zu sein. Am Ende hab ich noch ein Ahornblatt abgezeichnet, das war der Höhepunkt der heutigen Schaffenskraft, ansonsten habe ich keinen Strich zusammen gebracht, geschweige denn eine Farbkomposition.
Es gibt Tage, da will einfach nichts gefallen, nichts spricht einen an, alles erscheint öde und fad – kurz: keinen Bock auf gar nichts. Was macht man da? Ich könnte putzen oder staubsaugen, weiter Rätsel lösen, Zeichnen (hab ich probiert, geht immer noch nichts), oder aus den Versuchen kleine Papierkügelchen machen und für die Katze durch die Gegend schießen. Doch meine Apathie scheint ansteckend, die Geschosse, die bei Fee sonst immer sehr gut ankommen, haben nur ein kurzes Interesse geweckt, bis sie wieder zusammen gemümmelt bei mir saß. Hm, aber ich kann doch hier jetzt nicht über Nichts schreiben. Das ist ja total langweilig für meine Leser, das will doch keiner wissen!
Mal schauen, wie fühlt sich das Nichts denn an? Wie Kaugummi, unglaublich schwer und träge und, interessanter Weise, kalt. Aber dann kann es doch nicht Nichts sein, oder? Stimmt auch wieder. Also befinde ich mich in einem Zustand, den mein Intellekt als Nichts wahrnimmt, mein Körper aber nicht. Warum ist das so? Weil Nichts-Tun für meinen Verstand gleich Nichts ist. Für den Rest meines Seins aber gar nicht. Und außerdem schreibe ich ja gerade einen Text, also alles andere als Nichts. Daraus folgt, dass ich einer Verstandes-Illusion aufsitze. Und mein Antreiber stöhnt ständig, ich solle doch jetzt endlich mal was Gescheites tun! Unternimm was! Sei aktiv! Häng hier nicht so rum! Ja, aber ich weiß nicht was, außer schreiben. Reicht das nicht? Mein Antrieber grummelt: ok, ja, das ist was. Aber danach, was machst Du danach? Lesen! Schon wieder? Ja, schon wieder. Nee, das geht nicht. Mach lieber Yoga. Keine Lust.
So geht das jetzt seit Stunden und nein, ich mache kein Yoga, ich mag Yoga nicht. Meditiert hab ich heute schon. Ahh, es klopft an der Tür, moment. (…) Der Nachbar hat sein Paket abgeholt. Ein kurzes Highlight! Doch das kann ja so nicht weiter gehen, also betreibe ich mal eben Innenschau und erforsche mein Lustzentrum, worauf es denn jetzt Lust hätte. Ich werde fündig und stelle fest, dass ich jetzt gern mit einer Freundin hier gemütlich Kaffee trinken und klönen würde. Das würde mir jetzt wirklich gefallen! Aber die eine wohnt in Berlin, die andere arbeitet und die dritte ist auf Reha, von der die vierte gerade erst zurück gekommen ist und sich zu Haus wieder einrichten muss. Sieht also nicht gut aus. Spazieren gehen! Es regnet… immer noch. Obwohl die Wetteransage was anderes ansagt. Tja, meine Laune ist ja auch nicht besser, warum soll es das Wetter sein?
Mit einiger Erleichterung merke ich, dass ich Hunger habe. Gut, dann esse ich jetzt was. Das nimmt immerhin schon mal ca. 30 Minuten in Anspruch. Danach? Ich werde vielleicht lesen, ich werde nicht putzen und auch keine Ablage machen. Ich werde auch das noch anstehende Ausräumen eines Regals nicht in Angriff nehmen und die Wäsche mach ich auch morgen. Denn, ich habe keine Lust zu nix. Und für dieses Nichts-Tun habe ich ja jetzt ein wunderbares Sofa auf dem es sich so richtig gut nichts tun lässt. Das höchste der Gefühle wird sein, meine Katze zu kraulen und ansonsten einfach da zu sein. Einfach so. Ohne Anspruch, ohne Ziel und mit viel Zeit.
Wie ihr seht, nichts zu tun kann unheimlich anstrengend sein! Ich wünsche Euch definitiv mehr Talent und Erfolg beim Nichts-Tun als ich es habe und ich selbst werde das jetzt mal wieder üben.
Seid herzlich gegrüßt und habt ein schönes Wochenende!
Eure Merle
Nichts tun ist das Schwerste.
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Ja! In der Tat!!! 🤔🙄😁
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Wenn ich all die Löcher zusammennehmen würde, die ich ständig in die luft starre, könnte ich glatt meinen, ich würde in einem Sieb leben.
Heute ist für mich wieder mal so ein Tag, an dem ich zu nix richtig Lust habe.
Also, ich kann Dich verstehen.
LG, Miriam
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