Vom Träumen

Heute beginne ich mit einem Gedicht von Georg Heym aus dem Jahr 1912:

Träumerei in Hellblau

Alle Landschaften haben
Sich mit Blau gefüllt.
Alle Büsche und Bäume des Stromes,
Der weit in den Norden schwillt.

Blaue Länder der Wolken,
Weiße Segel dicht,
Die Gestade des Himmels in Fernen
Zergehen in Wind und Licht.

Wenn die Abende sinken
Und wir schlafen ein,
Gehen die Träume, die schönen,
Mit leichten Füßen herein.

Zymbeln lassen sie klingen
In den Händen licht.
Manche flüstern, und halten
Kerzen vor ihr Gesicht.

Ich muss sagen, ich träume äußerst selten wenn ich schlafe, und wenn, dann meistens davon, dass ich mein Abitur noch nicht gemacht habe. In dem Traum bin ich als Erwachsene immer noch in der Schule und frage mich immer bang, wie ich das Abitur in Mathematik nur hinkriegen soll – als ich damals tatsächlich mein Abitur machte, konnte man Mathe noch abwählen, mit der richtigen Fächerkombination. Es ist kein schöner Traum, ich bin angsterfüllt und unsicher und frage mich dann am Schluss immer, ob ich tatsächlich noch keinen Schulabschluss habe…. der Traum endet in der Regel ohne Antwort. Ich bin dann immer sehr erleichtert, wenn ich aufwache.

Dafür habe ich umso schönere Tagträume 🙂 Darin bin ich wirklich eine Meisterin. Ich stelle mir die Dinge vor, die ich (noch) nicht in meinem Leben habe, von denen ich aber träume, im Sinne von: es sind sehnliche Wünsche. Dazu gehört, mit einem Hund zu leben (vorzugsweise ein Magyar Vizsla), direkt am Chiemsee zu wohnen und meinen Lebensunterhalt mit Kunst und/oder Coaching bzw. einer heilenden Tätigkeit zu verdienen. An guten Tagen bin ich davon überzeugt, dass ich das alles noch realisieren werde, an schlechten Tagen machen mich meine Träume traurig, weil sie sehr weit weg scheinen, sehr unrealistisch, sehr vermessen. Aber was sind Träume, wenn nicht vermessen? Oder sagen wir lieber: groß angelegt, nach den Sternen greifend. Und wer will schon beurteilen, was möglich ist und was nicht? Es gibt durchaus Szenarien, die realistisch erscheinen, in denen ich meine Träume verwirkliche, aber ob das so kommen wird…?

Dann wieder kommen mir meine Träume vor wie ein Stück Schokolade, das einem vor die Nase gehalten wird, das man aber nie bekommen wird. Eine Art Teaser, um weiter zu machen, nicht zu resignieren… und was mache ich dann, wenn ich mir die Träume wirklich erfüllt habe? Wovon träume ich dann? Kann es sein, dass ich mich selbst sabotiere, um immer etwas zu haben, wovon ich träumen kann?

Mein größter, wichtigster Traum ist es, kein Hasenfuß mehr zu sein. Denn meine Hasenfüßigkeit hält mich davon ab, meine anderen Träume Realität werden zu lassen – abgesehen vom Geld. Beides Faktoren, die man nicht mal eben so verändert. Und davon abgesehen: was mache ich, wenn mir die Erfüllung der Träume gelingt, aber alles ganz anders wird, als erhofft? Der Hund eine schwer erziehbare Belastung, das Leben am Chiemsee schrecklich einsam und der Beruf zu langweilig?

Bei so viel wenn und aber wundert es mich nicht, dass meine Träume noch Träume sind. Träume konfrontieren uns mit uns selbst – seien es nun die Filme im Schlaf oder die Sehnsüchte bei Tag. Wer sich anguckt, wie er oder sie mit den Wünschen und Traumbildern umgeht, lernt viel über sich selbst. Ich stehe mir selbst im Weg, das hab ich verstanden. Mal sehen, wann ich den entscheidenden Schritt zur Seite gehe.

Und damit wünsche ich Euch für heute schöne Träume, ob bei Tag oder Nacht…

Herzlich, Eure Merle

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