Abstand bitte!

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Corona ist die Pest. Jaja, ein flacher Witz, aber was ich damit meine, ist das Verhalten vieler Leute in der Öffentlichkeit und mein eigenes als Reaktion darauf. Ich mag es nicht mehr hinnehmen, wenn jemand im Bus neben mir die Maske unter der Nase hängen hat. Ich toleriere es nicht mehr, wenn jemand keinen Abstand im Laden oder auf der Rolltreppe hält. Ich mutiere zu einer Person, die ich früher nie hätte werden wollen. Ein kleiner Blockwart blitzt durch mein Gemüt, wenn jemand in meiner Nähe sich nicht an die Regeln hält. Das hängt auch damit zusammen, dass Corona in meinem privaten Umfeld angekommen ist. Noch hat keiner meiner Freunde ein positives Testergebnis, aber einige kennen jemanden mit positivem Test. Das lässt mich vorsichtiger werden und unnötige Kontakte vermeiden.

Ich möchte, dass dieser Lockdown so kurz wie möglich ist und dafür müssen sich alle an die Abstands- und Hygieneregeln halten. Ich glaube, dass das nicht schwierig ist und eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein sollte. Ich habe Verständnis dafür, dass man mal das Abstandhalten vergisst oder eine Maske verrutschen kann. Aber dann dürfte es ja auch kein Problem sein, wenn man denjenigen höflich darauf hinweist. Eigentlich war das heute in der Drogerie auch kein Problem. Ich habe die beiden Mädchen dicht hinter mir in der Kassenschlange freundlich und humorig gebeten, Abstand zu halten. Die beiden fanden das offensichtlich nicht schlimm und gingen auch gleich ein wenig zurück. Doch da musste sich eine ältere Frau aus der Nebenschlange einmischen und mir vorwurfsvoll mitteilen, dass das doch Kinder seien! Da könne man doch keinen Abstand fordern! Ich gucke sie entgeistert an und sage, dass auch Kinder sich an den Abstand halten müssen – und fordere sie im gleichen Atemzug dazu auf, sie möge doch bitte ihre Maske über ihre Nase ziehen.  Die Frau sagt nichts mehr und zieht ihre Maske hoch. Ich bin völlig verdattert. Ich hatte mit weiteren Vorwürfen oder Ausreden gerechnet, aber nein, sie tut was ich sage und ignoriert mich dann.

Nicht falsch verstehen, ich wünsche mir keine Konflikte! Ich bin nicht auf Krawall gebürstet. Aber die Reaktion der Frau erschreckt mich ironischer Weise, weil ich mich nun plötzlich frage, ob ich zu autoritär aufgetreten bin. War ich unhöflich? Habe ich eine Grenze überschritten? Eigentlich bin ich der Meinung, dass mein Ton angemessen freundlich war. Die beiden Mädels jedenfalls haben mich mit den Augen angelächelt und genickt, als ich sie um Abstand gebeten habe. Dass von der Frau so gar nichts mehr kam, irritiert mich. Wahrscheinlich mache ich mir zu viele Gedanken. Aber ich möchte eben kein Blockwart sein, ich würde auch meine Nachbarn nicht verpfeifen, wenn sie eine Party feiern würden. Ich mag nur nicht, dass Menschen in meiner unmittelbaren Nähe sich nicht an die Regeln halten. Ist das schon überzogen? Werde ich doch zum Tyrannen? Dass ich mir solche Gedanken machen muss, das nehme ich dem Virus wirklich übel. Genauso, dass ich die letzten Tage nicht in das Atelier gehen konnte, weil bei einer Freundin von mir unklar war, ob sie positiv ist. Da ich viel Kontakt mit ihr hatte, bin ich vorsichtshalber zu Hause geblieben. Jetzt gab es Entwarnung, dem Himmel sei Dank.

Des weiteren frage ich mich, ob es unverantwortlich von mir ist, in diesen Tagen Entrümpler zu beauftragen. Ich möchte unbedingt meinen Keller leeren, da sind 15 Jahre Artefakte versammelt, das will ich vor meinem Umzug über die Bühne gebracht haben. Aber ist das in Ordnung? Da die Firmen noch arbeiten dürfen, habe ich mir gesagt, dass das schon ok ist, aber wohl fühle ich mich nicht dabei. Jedenfalls kommt heute Nachmittag ein Mensch von einer Rümpelfirma vorbei, sieht sich das Chaos an und macht mir dann einen Kostenvoranschlag. Bin schon sehr gespannt. Wenn ich ehrlich bin, könnte man das auch privat machen. Aber erstens dürfen sich ja nur noch 2 Haushalte treffen und zweitens kenne ich nicht genügend Leute, die keine Spinnenphobie haben. Keller ist für mich das Sinnbild für Spinnen. Jedes Mal, wenn ich etwas runter gebracht habe, hatte ich danach ewig das Gefühl, dass etwas an mir rumkrabbelt…schauderhaft. Und jetzt traue ich mich nicht mehr in die Untiefen des Gerümpels, also muss ich das Fachleute machen lassen…

Ich hoffe sehr, dass es bis zu meinem Umzug wieder möglich sein wird, dass Helfer aus mehreren Haushalten zusammen kommen dürfen. Eine Umzugsfirma kann ich mir eigentlich nicht leisten… Aber da ich im Moment für keine Wohnung benannt bin, kann das auch noch dauern. Meine überschäumende Begeisterung ist dementsprechend gerade abgeflacht, ich muss mich in Geduld üben. Corona und der Wohnungsmarkt, dass sind keine schönen Beschäftigungsfelder. Ich merke, wie ich immer angespannter werde, meine Gelassenheit den Bach runter segelt und sich stattdessen eine Verbissenheit breit macht, die mir gar nicht gefällt… Ich versuche es als Übungsfeld für Achtsamkeit zu betrachten und mich daran zu erinnern, dass ich schon so viel in meinem Leben gewuppt habe, da werd ich das auch hinkriegen. Aber es würde nichts ausmachen, wenn es etwas schneller gehen würde 🙂

Nun denn, ich weiß nicht, wie es Euch gerade mit Corona und den Maßnahmen geht, ich wünsche Euch jedenfalls eine gerüttelte Portion Entspanntheit und natürlich Gesundheit!

Herzlich, Eure Merle

Update: der Entrümpelungsmensch war eben da. Für einen Keller, der in maximal 1,5 Stunden ausgeräumt ist, möchte die Firma 380 €! So einen Stundenlohn hätte ich auch gern mal gehabt. Mir kommt das spanisch vor. Immerhin gibt es einen Aufzug und ich würde mithelfen. Da muss ich nochmal nachhaken und morgen kommt noch eine andere Firma, um sich den Keller anzusehen… kann es wirklich so teuer sein, Müll loszuwerden? Ich werde berichten… 😉

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