Innerhäusliche Kommunikation

Fee_Nov_2020

Eigentlich bin ich nicht der Typ, der mit süßen Katzenfotos Aufmerksamkeit gewinnen will – aber dieses Bild musste jetzt einfach sein, vor allem, da es heute um meine Mitbewohnerin Fee geht.

Fee ist eine sehr mitteilsame Katze, besonders, seitdem ihr Freund und Kumpel Frodo nicht mehr bei uns ist. Sie meckert, sie fiept, sie schnattert und miaut, manchmal gurrt sie und oft schnurrt sie. Natürlich ist mir bekannt, dass Schnurren ein Ausdruck des Wohlbefindens ist, (zumindest in der Regel, manche Katzen schnurren auch bei Schmerzen) und auch sonst dachte ich lange, dass ich gut darin bin, an der Körperhaltung meiner Katze abzulesen, wie es ihr geht. Das hat sich geändert seitdem sie so viel redet und ich als Mensch einfach nicht verstehe, was sie möchte oder was sie mir erzählt. Nun besteht auch noch der starke Verdacht, dass sie die gleiche Nierenerkrankung bekommt, wie Frodo sie hatte und sie hat angefangen, sich im hintersten Eck meiner Kleiderkammer zu vergraben. Wenn Katzen anfangen, sich so zurück zu ziehen, ist das normaler Weise kein gutes Zeichen.

Ich mache mir also Sorgen um Fee und würde gerne wissen, was ich für sie tun kann, doch ihren vielfältigen Sprachtiraden komme ich einfach nicht auf die Spur. Ich versuche es mit Kraulen, mit Leckerchen, mit Spielen… aber so richtig zufrieden wirkt sie eigentlich nur, wenn ich mich abends ins Bett lege und sie sich zu mir kuscheln kann. Siehe obiges Bild. Da sie nun schon seit einer ganzen Weile so ausgiebig mit mir spricht und dabei unzufrieden klingt, mache ich mir so meine Gedanken und dachte mir heute morgen, wie schrecklich das sein muss, wenn man von dem Wesen, von dem abhängig ist, so gar nicht verstanden wird! Da versucht sie wahrscheinlich ständig, mir irgendwas klar zu machen und ich reagiere einfach nicht richtig, wie blöd ist das denn für so ein Fellknäuel!

Noch schlimmer geworden ist es übrigens, seitdem ich eine Wohnung suche. Man sagt ja, dass sich die Stimmungen von Menschen auf ihre Tiere übertragen, bei Fee und mir scheint das eins zu eins der Fall zu sein. Meistens kommt sie erst aus ihrem Versteck wieder heraus, wenn ich aufgehört habe, im Netz nach Wohnungen zu suchen. Wenn ich zur Ruhe komme, dann kommt sie zu mir. Das ist ja eigentlich ein deutlicher Hinweis. Aber ich kann nicht den ganzen Tag im Bett verbringen und Ruhe ausstrahlen, ich hab ja Dinge zu erledigen und meine Laune ist nunmal entsprechend unterschiedlich. Also habe ich angefangen, meinerseits mit ihr zu sprechen, in der Hoffnung, dass sich bei meinen Erklärungen und Beruhigungsversuchen sozusagen die Vibes übertragen und sie mitbekommt, was los ist. Ich habe keine Ahnung, ob das funktioniert, aber irgendwie glaube ich schon. Einen Versuch ist es jedenfalls wert. Ich leugne nicht, dass ich immens froh bin, dass keiner mitbekommt, wie mich meine Katze ungehalten anmaunzt und ich dann mit Engelszungen antworte. Jemand, der beide Sprachen spricht, würde sich wahrscheinlich vor Lachen wegschmeißen.

Aber was soll man machen. Wir leben mit unseren Haustieren und sind bemüht, das Beste für sie zu tun. (Die meisten jedenfalls.) Dass aber die Kommunikation über die Artgrenzen hinweg mitunter ganz schön schwierig sein kann, das lernt man meistens erst in Krisensituationen. Insofern bewundere ich die Geduld unserer felligen Begleiter, die treu akzeptieren, dass wir sie halten und füttern und ansonsten nicht so viel darüber wissen, was in unseren Katzen und Hunden vor sich geht.

Eigentlich ist es ein Kompliment meiner Katze an mich, dass sie so viel meckert – immerhin scheint sie davon auszugehen, dass ich sie verstehe, und sie gibt nicht auf, trotz bestimmt vieler Enttäuschungen! Ganz falsch scheine ich es aber auch nicht zu machen, sonst würde sie wohl nicht jeden Abend zu mir kommen und schnurren wie ein Traktor.

Und wenn ich mich zum Affen mache in dem Bemühen, meiner Katze gerecht zu werden – seis drum, schaden kann es nicht 😉 Und so einem knuffigen Wesen kann man eh nie lang böse sein, egal wie entnervend das Wehklagen ist. Am Ende hoffe ich einfach nur, dass wir nicht komplett aneinander vorbei reden.

Allerdings, wenn ich mir anschaue, wie oft Menschen aneinander vorbei reden und es noch nichtmal bemerken, dann bin ich doch ganz zufrieden, wie es mit Fee und mir läuft: wir kuscheln immerhin jeden Abend miteinander!

Euch wünsche ich auch jemanden zum Kuscheln, egal ob mit vier oder zwei Beinen…

Herzlich, Eure Merle

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