
…erscheint mir dieses Foto, das ich eben auf meinem Balkon gemacht habe. Es ist Mitte November, doch mild warm und sehr sonnig und wie um den Kalender Lügen zu strafen blüht meine Rose und hat noch fünf vielversprechende Knospen. Ich hoffe natürlich sehr, dass sie noch Gelegenheit haben, sich zu entfalten aber seltsam unpassend fühlt sich der heutige Tag bzw. das Wetter doch an. Und natürlich habe ich (mal wieder) ein schlechtes Gewissen, weil ich bei dem Sonnenschein eigentlich spazieren gehen sollte. Ich müsste dringend das Licht und die Wärme nutzen um aufzutanken für den Winter, der bestimmt noch kommt… aber ich habe so gar keine Lust! Ich finde keine Ruhe und halte mich an Kaffee und Zigaretten fest und hoffe, das die Zeit vergeht. Was sie natürlich tut, aber eben viel zu langsam. Hoffen, bangen, warten… das wäre auch eine passende Überschrift gewesen.
Denn morgen früh schaue ich mir endlich mal wieder eine Wohnung an. Es wird Zeit. Für die beiden Wohnungen, auf die ich am meisten gehofft hatte, bin ich nicht benannt worden. Nun gefällt mir die Lage und der Grundriss der Wohnung, die ich morgen besichtige, auch sehr gut und ich hoffe inständig, dass sie so schön ist, wie ich sie mir vorstelle und vor allem, dass ich sie dann auch bekomme! Wie meistens habe ich ein gutes Gefühl, doch gleichzeitig macht mich das Warten mürbe. Warten auf eine Benennung, dann auf den Besichtigungstermin, dann auf die Zusage des Vermieters… Dann folgt das Warten auf den Mietvertrag… und schließlich warten auf die Antwort meines jetzigen Vermieters, ob er mich vor Ablauf der 3-monatigen Kündigungsfrist aus dem Vertrag lässt. Denn Sozialwohnungen sind praktisch alle ab sofort zu beziehen. Warum das so ist, weiß ich nicht, aber es fällt wirklich auf, dass die alle ab jetzt gleich zu vermieten sind.
Es ist nicht nur so, dass ich den Umzug endlich hinter mich gebracht haben möchte, es kommt hinzu, dass die Atmosphäre in meinem jetzigen Mietshaus immer unangenehmer wird. Die Hälfte der Wohnungen ist jetzt mit Gastarbeitern belegt. Auch die Wohnung über mir und die gegenüber auf meinem Stockwerk. Die Wohnungen sind nicht nur überbelegt (in den 1,5-Zimmer-Wohnungen, wie ich sie habe, wohnen vier Männer) sondern die neuen Mieter sind auch sehr laut, sie spucken bei jeder Gelegenheit lautstark vor die Haustür, sie grüßen nicht, wenn man sich im Treppenhaus begegnet und treten grundsätzlich in laut palavernden Gruppen auf. Fremde, meist bullige und laute Männerhorden gehören nicht zu meinen Lieblingsnachbarn. Mir ist bewusst, dass sich das eventuell ausländerfeindlich anhört, aber ich bin mir sicher, auch wenn es deutsche Arbeiter wären, hätte ich Einwände gegen dieses Auftreten. Jedenfalls steigt in mir das Bedürfnis, auszuziehen quasi täglich.
Aber zuerst muss ich morgige Odyssee hinter mich bringen. Ich kann nämlich nicht einfach zur Wohnung fahren und mir dort mit dem Vermieter dieselbe ansehen. Nein, ich muss erst 45 Minuten zum Mieterzentrum fahren und mir um 8 Uhr den Schlüssel abholen. Von dort fahre ich dann ca. eine Stunde zur Wohnung, sehe mir diese alleine an und fahre dann wieder eine Stunde zurück zum Vermieter und gebe den Schlüssel ab um dann wieder 45 Minuten nach Hause zu fahren. Es ist gut, dass ich momentan ohnehin immer um 5 Uhr morgens wach werde, so habe ich in der Früh ausreichend Zeit um präsentabel zu sein. Aber die Hin- und Herfahrerei schlaucht mich jetzt schon. Laut Vermieter ist diese Vorgehensweise wegen Corona notwendig. Nun gut, für eine schöne Wohnung nehme ich das gern in Kauf.
Was mir genauso Kopfzerbrechen bereitet wie die Warterei ist die bange Frage, ob in ein paar Wochen ein Umzug noch erlaubt sein wird. Ich weiß nicht, wie das im letzten Lock-Down war, aber ich habe die Befürchtung, dass sie bei einer Verschärfung der Maßnahmen auch Umzüge verbieten. Was dann passiert, falls ich den Mietvertrag bekomme, sollte ich mir gar nicht ausmalen. Doch mein Problem war schon immer, dass ich, wenn ich genügend Zeit habe, eine Meisterin darin bin, mir vorzustellen, was alles schiefgehen kann. Noch ein Grund mehr warum es jetzt mal losgehen sollte! Hab ich schon erwähnt, dass Geduld nicht zu meinen Stärken zählt?
Wahrscheinlich wird alles wie am Schnürchen laufen und ich verplempere mal wieder zu viel Energie auf „was-wäre-wenn“-Fragen. Außerdem muss ich die Wohnung ja erstmal bekommen… 😉 Drückt mir die Daumen, falls Ihr einen frei habt und ich werde über die morgige Aktion natürlich berichten!
Einen schönen Sonntag wünsche ich Euch!
Herzlich, Merle
Das läuft bei Dir – bestimmt.
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🤗
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Liebe Merle,
im letzten Lock-Down durfte man nur mit Umzugsfirma umziehen aber es war nicht verboten.
Ich drücke dir für die Besichtigung die Daumen.
Liebe Grüße
Sophia
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Danke Sophia, das ist gut zu wissen!
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