
Also offensichtlich wird meine Wohnungssuche dieses Mal keine Blitzaktion wie bei den vorhergehenden Umzügen. Aber das macht nichts, ich lerne dazu und vertraue nach wie vor darauf, dass ich etwas Schönes finden werde. Die Wohnung, die ich am Montag besichtigt habe, habe ich eben abgesagt. Denn nicht nur, dass der Verdacht bestand, dass es dort spukt 😀 (Kommentarleser wissen, was gemeint ist), nein, der Vermieter bestätigte in seiner Antwort auf meine Fragen auch, dass es einen Schimmelbefall gab. Und das ist für mich ein K.O.-Kriterium, auch wenn das Ganze saniert wurde. Es ist der Wärmeschutz in einem Teil der Außenmauer erneuert worden. Doch wer sich den neu verputzen Bereich ansah, der sah auch, dass der Schimmel offenbar bis in den Boden reichte. Und der Bodenbelag der Wohnung wird nicht ausgetauscht. Nun muss man dazu wissen, dass ich in einem Schimmelzimmer groß geworden bin. Meine Eltern unternahmen damals alles erdenkliche, um das fiese Zeug loszuwerden, aber nichts half. Trotz vorschriftsmäßiger Lüftung und Beheizung kam der Schimmel immer wieder und ich entwickelte eine ordentliche Schimmelpilzallergie. Von daher kann und will ich das Risiko nicht eingehen, in diese Wohnung zu ziehen.
Nun habe ich mich auf zwei neue Sozialwohnungen beworben, von denen aber leider weder die genaue Lage noch der Grundriss im System hinterlegt sind. Das ist ärgerlich, aber was soll man machen außer warten und hoffen. Vor allem hoffen, dass ich trotz der weit über 200 Mitbewerber eine Besichtigung bekomme. Was den freien Mietmarkt angeht, habe ich fast schon die Hoffnung aufgegeben. Jede Nachricht, die ich bisher an einen potentiellen neuen Vermieter geschickt habe, blieb unbeantwortet, bis auf eine. Und in der wurde mir mitgeteilt, dass der Inserent über 300 Emails bekommen habe und daher leider nicht mehr in der Lage sei, jedem Einzelnen zu antworten. Wenn das allen so geht, wovon auszugehen ist, dann wundert mich nicht, dass keiner antwortet. Mein nächster Schritt wird sein, selber Zettel in der Stadt zu verteilen, vielleicht bringt das ja etwas. Mir graut nur davor, weil ich mich damit so exponiert fühle. Doch ich will nichts unversucht lassen, also muss ich mein Schamgefühl wohl oder übel überwinden.
Letztens habe ich mich übrigens mit einer Psychologin über Wohnungsuche unterhalten und die meinte, dass das Thema ja für jeden ein sehr existentielles sei und dabei in der Regel auch Themen das erste Zuhause des Menschen betreffend hochkämen: nämlich der Bauch der Mutter. Das finde ich hochinteressant und ich finde mich darin durchaus wieder: meine Mutter hatte während der Schwangerschaft mit mir sehr große Ängste, weil ihr die Ärzte eine weitere Schwangerschaft aus gesundheitlichen Gründen eigentlich „verboten“ hatten. Es stand zu befürchten, dass sie die Geburt nicht überlebt. Aber dann ist doch alles gut gegangen und wir beide waren wohlauf. Nun weiß man heute, dass Babies im Mutterleib so ziemlich alles mitbekommen, was die Mutter durchmacht. Wenn ich mir meine jetzigen Ängste und Befürchtungen genauer anschaue, dann kann ich mir gut vorstellen, dass da einiges aus meiner vorgeburtlichen Existenz dabei ist – aber eben auch, was den guten Ausgang und das Vertrauen angeht: es wurde ja alles gut.
Man muss aber an so etwas nicht glauben, um beim derzeitigen Stand des Wohnungsmarktes Ängste zu bekommen, da reicht auch ein Blick in die Zeitungen, wo man eben fast nichts findet oder Garagenstellplätze für 450 EUR im Monat. Ich bin sauer, dass die Politik in den vergangenen Jahren nichts oder viel zu wenig getan hat, um die Wohnungsnot zu beheben. Sicher, mit einem hohen Einkommen hätte ich keine Probleme, ein neues Zuhause zu finden, aber das habe ich nunmal nicht und viele andere auch nicht. Dass ein so wichtiges, grundlegendes Bedürfnis des Menschen so stiefmütterlich behandelt wird, ist fast schon kriminell. Die oberste Priorität im Leben ist nunmal ein Heim zu haben, wie kann man das derart leger den Marktprinzipien überlassen? Das ist mir ein Rätsel. Und es ist auch nicht etwa so, dass in den Randgebieten der Stadt die Mieten niedriger wären, im Gegenteil. Falls man dort aber was finden sollte, kommen dann noch die Pendelkosten oben drauf… Ach, es ist und bleibt ein ärgerlicher Zustand. Wie meinte eine Freundin gestern so schön treffend: „Jetzt hast Du DIE Gelegenheit, Geduld zu üben!“ Ja, das ist wohl wahr.
Ich habe mir übrigens vor etwas mehr als 46 Jahren viel Zeit gelassen, den Bauch meiner Mutter zu verlassen. Ich kam zwei Wochen zu spät. Es sollte mich also eigentlich gar nicht wundern, wenn das jetzt auch etwas länger dauert ;-).
Für heute wünsche ich Euch noch eine schöne Woche und bleibt gesund!
Eure Merle