
Dieser Beitrag hat einen Haken: es fehlt das „vorher“-Bild. Leider war ich nicht geistesgegenwärtig genug, ein Foto vom Abriss des Hauses zu machen, das auf dem gezeigten „nachher“-Foto eben nicht mehr zu sehen ist – dafür aber sieht man jetzt mehr Licht, mehr Himmel. Es handelt sich übrigens um einen Blick aus meinem Küchenfenster, der so viel heller ist ohne das Abrisshaus, dass ich es festhalten musste.
Es waren laute Tage die letzten 2-3 Wochen, es knirschte und polterte und wenn ich an den Abrissarbeiten vorbei ging, sah ich die Eingeweide des Hauses und war schaurig fasziniert vom sichtbaren Innenleben der Ruine. Es gab im Erdgeschoß mal einen Universitätsbuchladen (die medizinischen Fakultäten sind hier im Viertel) und auch Mietswohnungen. Was dort stattdessen jetzt gebaut werden soll, weiß ich nicht. Man munkelt, es soll noch ein Hotel hingesetzt werden. Als ob wir davon nicht schon genug hätten.
Ein paar Schritte weiter um die Ecke gab es bis vor einigen Jahren meine Stammkneipe, fast ein zweites Wohnzimmer. Ich hatte dort über viele Jahre eine Menge toller Menschen kennengelernt und habe so manchen wunderschönen Sommerabend davor verbracht. Man hatte dort einen herrlichen Blick auf das Treiben der Straße und das war oft besser als jedes Fernsehen. Doch dann wurde auch dieses Haus mit der Kneipe abgerissen und dort steht jetzt – ein Hotel.
Ich frage mich in letzter Zeit immer öfter, was für Vollkoffer eigentlich unsere Stadtplaner sind. Man gewinnt den Eindruck, dass „Otto-Normalverbraucher“ aus den Innenstädten vertrieben werden soll. Stattdessen Gewerbeflächen oder Oligarchenpenthäuser, Hotels und Nobelläden. Das geht sowas von an der Realität der Mehrheit vorbei, dass es weht tut. Ein anderer Trend, der sich ein paar Straßenzüge weiter zeigt, ist, dass kleine, feine Ladengeschäfte aufgeben und dort Wettbüros oder Shishabars eröffnen. What the f…? Wieviel solcher Dinger kann man denn brauchen?
Ich bin sehr gespannt, was an der neuesten frei gewordenen Baufläche entstehen wird und ob ich das noch mitbekomme. Es wäre schön, wenn es nicht wieder so ein hoher, grauer Kasten würde, wie das Haus, das dort abgerissen wurde, außer es entstünde dort bezahlbarer Wohnraum, aber das ist wohl eher ein Traum. Im Moment freue ich mich jedenfalls an der lichten Stelle und versuche, den Baulärm auszublenden.
Ich wünsche Euch einen schönen, sonnigen Tag mit viel Himmel in Sicht!
Eure Merle