Kaum vergeht ein Jahr…

…schon gibt es einen neuen Beitrag auf Merles Kunststücke 🙂

Als ich eben nachsah, habe ich festgestellt, dass mein letzter Beitrag zum Onlinedating-Selbstversuch war. Die geneigte Leserin meint vielleicht, der sei Auslöser für mein digitales Schweigen gewesen… dem ist aber nicht so. Tatsächlich gab es ein paar unschöne real life Begegnungen, die aber auch nicht der Grund für das Pausieren des Blogs waren. Ja, was denn nun? Ich war in erster Linie mit der sehr dringenden Wohnungssuche und dann mit dem Umzug beschäftigt und seit ein paar Monaten bin ich mit dem Ankommen mehr als ausgelastet. Und wie es die Startseite meines Blogs sagt, es geht natürlich nicht nur ums Ankommen in der neuen Wohnung und im neuen Viertel (in der gleichen Stadt) sondern vor allem auch und immer noch ums Ankommen bei mir selbst.

Offenbar bin ich aber eben doch eine Künstlerseele, das Schreiben und Malen und den kreativen Output zu zeigen hat mir gefehlt. Deshalb bin ich jetzt zurück, für wer weiß wie lange? Ich sag mal, open end!

Was ich während des vergangenen Jahres in erster Linie gelernt habe, ist: Erwachsen sein heißt für mich, zu ändern, was mich stört und was veränderbar ist. Zu akzeptieren und Gleichmut zu üben gegenüber dem, was mich stört und was ich nicht ändern kann (ggf. im Moment) und zu lernen, das jeweilige zu erkennen. Mehr spüren (und das ist für mich DAS Maß wenn ich sage, bei mir ankommen), heißt auch, mehr Verantwortung übernehmen, zumindest, wenn ich nicht jedes Gefühl ausagieren will.
Da ich in der überaus glücklichen Lage bin, in der Regel 5-10 widersprüchliche Gefühlsregungen gleichzeitig wahrzunehmen, ist das mit dem Ausagieren ohnehin eher schwierig. Ja, und Humor ist auch sehr wichtig.

Es geht also weiterhin um die Kunst des Seins, das weiter Explorieren, was macht das Leben für mich zu einem guten Leben, wie kann ich mir Umstände kreieren, in denen ich gut und hoffentlich zufrieden leben kann? Aktuell ist hier das Thema Hellhörigkeit besonders im Vordergrund. Eigentlich eine Gabe, macht es das Leben in der Stadt und in einem Mietshaus oft zur Qual. Ich bin für ein Grundrecht auf Ruhe, aber meine Mitmenschen sehen das leider meist anders. Ständige Aktivität und Berieselung lenkt ja auch so schön vom eigenen Grundrauschen ab.

Der Fairness halber soll nicht unerwähnt bleiben, dass auch meine Katze nicht viel von nächtlicher Ruhe hält (obwohl es besser wird) seitdem unser bester Freund Frodo nicht mehr bei uns wohnt, sucht sie lautstark nach etwas, dass ich ihr offenbar nicht geben kann. Meine Fähigkeit und Geneigtheit zum gegenseitigen Fellputzen ist auch eher weniger ausgeprägt. Nachdem ich vieles versucht habe (natürlich auch die Tierarztbesuche mit Abklärung möglicher organischer Ursachen), sehe ich langsam ein, dass meine innere Haltung „Ich will kein Kind, ich wollte nie ein Kind und ich werde auch nie Kinder haben!!! Dafür habe ich mir eine Katze angeschafft!!!“ – nicht so hilfreich ist, wie sie (für mich) gut klingt. Das Leben hat mir die Fähigkeit zu Mitgefühl und Liebe geschenkt und ob ich es will oder nicht, darf ich langsam akzeptieren, dass Katzen sich wie kleine Kinder aufführen können, mit denen ich mitleide, die ich nicht verstehe, die ich an die Wand klatschen könnte, die ich über alles liebe und deshalb meinen Langmut trainieren werde. Und – wer hätte das gedacht? – siehe da, das ist auch eine gute Übung im Umgang mit den eigenen inneren Kindern. (What??? Ich wollte nie Kinder, ich will kein Kind….!!!)

Ich plane in Zukunft öfter mal politisch unkorrekt zu sein, es soll hier auch vermehrt um gesellschaftlich weniger akzeptierte Gefühle wie Wut (bei Frauen!?!) und Hass gehen, ich möchte ein bisschen Lästern über die spirituellen Suppenteller (denen die Tiefe der Abgrundserfahrung fehlt) da draußen und ich möchte allen Leser*innen an die Hand geben: passt gut auf Euch auf, egal, was jemand Euch über Euch erzählt, Ihr seid der Maßstab für Euch selbst und müsst nicht alles glauben, was anerkannte oder selbsternannte Könner Euch sagen, wie das so funkioniert mit dem Leben.

Wie immer freue ich mich sehr über Kritik, Anregungen, Kommentare und verbleibe herzlich,

Merle

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