Liebe LeserInnen,
nach einer etwas über einjährigen Pause, die sowohl der Bürokratie als auch persönlichen Lebensumständen geschuldet war, mache ich mich erneut auf und schreibe meinen Blog über die Kunst des Seins und freue mich, alle interessierten LeserInnen auf meiner Seite begrüßen zu dürfen!
Nach meinem Umzug Ende 2022 war ich zunächst einige Monate damit beschäftigt, meine neue Wohnung vollständig einzurichten, mich in der neuen Umgebung zurecht zu finden und überhaupt die Veränderungen, die mit dem Ortswechsel einhergingen, irgendwie zu verarbeiten. Ich bin kein Mensch, der mit Veränderungen gut und schnell klar kommt, deshalb war dies eine recht schwere Zeit für mich. Und weil Schwierigkeiten selten alleine auftreten sondern dazu neigen, sich zu einem Konglomerat zusammen zu finden, hatte ich letztes Jahr hauptsächlich mit gesundheitlichen Themen zu tun und war vollauf mit mir und der Frage beschäftigt, wie es in meinem Leben weiter gehen kann und darf. In den letzten Wochen und Monaten hat sich der Sturm gelegt, es kam als positiver Aspekt ein Minijob in mein Leben und so langsam wird es wieder lichtvoller.
Wobei das entscheidende Wort hier tatsächlich „langsam“ ist. Ich habe mich lange gegen den Spruch „Die Zeit heilt alle Wunden“ gewehrt und möchte auch heute noch gegen das „alle“ darin ein Veto einlegen. Aber wie ich schmerzlich erfahren habe, gibt es Dinge im Leben, die schlicht nur durch Zeit, durch tägliche Routine und Disziplin, durch die Wiederholung eines neuen Tages, langsam besser werden. Trauer, Gewöhnung an Neues, Loslassen und Lernen brauchen Zeit. Unter Umständen viel Zeit und das macht oft auch mal mürbe. Wir sind es gewohnt, Dinge zu tun, zu handeln und nicht selten unter Druck wollen wir Veränderungen herbei führen und können es nicht erwarten, dass unangenehme Gefühle oder Umstände endlich verschwinden.
Die gute Nachricht ist: nichts bleibt wie es ist. Gefühle gehen vorüber. Wie alles andere auch. Aber es dauert eben oft viel länger als uns lieb ist. Das Gras wächst nicht schneller wenn man dran zieht. Diesen Spruch habe ich mal auf einer Postkarte gefunden und finde ihn sehr passend für die Erfahrung, dass alles seine Zeit braucht. Für mich bedeutet das vor allem, dass wir auch durchs Nichts-tun wachsen. Durchs Geschen-Lassen, manchmal auch im Abwarten. In der großen Kunst der Geduld üben. Nicht immer machen wollen. Sondern lauschen, zusehen, die Dinge gewähren lassen.
Die Zeit heilt alle Wunden…. ich weiß nicht, ob es alle sind. Ich wage es zu bezweifeln. Aber Heilung braucht Zeit, egal, ob es um den Körper oder die Seele geht. Und oft habe ich den Eindruck, dass gerade meine Seele mich dazu zwingt, langsam zu machen, den Dingen ihre Zeit zu geben. Die Seele hat ihr eigenes Tempo, selbst wenn der Körper meint, schon wieder fit zu sein.
Dieses Phänomen, dass die Seele ihr eigenes Tempo hat, konnte ich auch schon beim Reisen beobachten: wenn ich wohin fliege, fühle ich mich beim körperlichen Ankommen nie ganz da, als ob ein Teil von mir, meine Seele, noch hinterher hechelt. Es brauchte dann immer eine ganze Weile, bis ich mich vollständig da und präsent fühlte. Ganz anders, wenn ich mit dem Zug fahre, da kommen alle meine Anteile mit 🙂 Zeit, was für ein Luxus und wie schön, wenn wir sie haben, um all unsere Erfahrungen zu verarbeiten, zu integrieren und gegebenenfalls auch um zu heilen.
In diesem Sinne wünsche ich uns allen genügend Zeit für all das, was das Leben uns präsentiert!
Herzlich, Merle