Ganz schön schön.

Als ich vor ein paar Wochen Geburtstag hatte, gab es eine kleine Feier mit einigen Freundinnen in meinem Stammcafé und zu diesem Anlass kam ich geschminkt in die Runde. Da sagte eine meiner Freundinnen zu mir, das sehe wirklich gut aus und ich solle das doch öfter machen, mich so herrichten. Ich bedankte mich für das Kompliment aber dachte bei mir: naja, das mache ich halt ab und an wenn ich ausgehe, aber doch nicht für mich allein zu Hause.

Und dann fing ich an, mich genauer mit diesem Gedanken zu beschäftigen und stellte bald fest, dass ich viele Dinge für mich nicht tue, die es doch eigentlich wert wären, für mich getan zu werden.

Vieles tue ich, wenn es auch andere sehen oder genießen können: neben schminken sind das Dinge wie Blumen kaufen, Kerzen hinstellen, Kochen, mich schön kleiden, Schmuck tragen, mich gerade und aufrecht hinsetzen – wenn ich alleine bin, lümmle ich gerne… kurz: mich schön machen, meine Wohnung schön machen, es mir schön und gemütlich machen. Das tue ich in der Regel für andere oder doch zumindest wenn andere dabei sind. Und da frage ich mich: warum eigentlich? 

Weil ich zu bequem bin. Vielleicht bin ich auch oberflächlich und möchte den anderen zu sehr gefallen. Vielleicht ist es auch oberflächlich, einen Artikel über Schönheit zu schreiben. Das kann man so sehen. Ich glaube aber eher was anderes: ich bin es mir selbst nicht wert, mich oder meine Wohnung oder das Essen für mich schön zu machen. Es reicht doch, wenn ich in T-Shirt und Jogginghose zu Hause rumlaufe und mir ein Butterbrot schmiere. Wozu und für wen soll ich mich da zurecht machen, wenn mich eh keiner sieht? Und ob ich nun gerade oder zusammengesunken am Tisch sitze, interessiert doch keinen, wenn nur ich da bin. Eben. Wenn nur ich da bin. Nur ich. Das ist eigentlich schade. Denn ich finde, es sollte mir wichtig sein, wie ich am Tisch sitze – schließlich geht es dabei nicht nur ums Aussehen sondern auch um das Körpergefühl und die innere Haltung, die sich damit ändert. Das gilt auch für die Kleidung! Wer das ganze Wochenende im Trainingsanzug zuhause rumgammelt, ich überspitze jetzt absichtlich, hat ein anderes Gefühl von sich und von sich in der Welt als jemand, der sich nett und gepflegt kleidet. Genau das gleiche gilt natürlich auch für Make-Up, Schmuck etc. … und selbstverständlich macht es auch für mich allein einen Unterschied, ob da Blumen und Kerzen stehen oder nicht!

Heißt das jetzt, ich schminke mich jeden morgen und sitze zu Hause im Kostüm vor dem Rechner oder auf der Couch? Natürlich nicht. Es wird auch weiterhin viele viele Tage geben, an denen ich in meiner Jogginghose unfrisiert und unbemalt, ohne gänzliche künstliche Verschönerung, zu Hause dem Alltag nachgehe. Aber ich möchte in Zukunft öfter darauf achten, wie ich mich halte, wie ich mich kleide und herrichte, auch wenn nur ich das zu sehen bekomme. 

Weil ich glaube, dass ich es mir wert sein sollte. Das ist so ähnlich, wie eine Bodylotion, die man sich nach dem Duschen aufträgt. Ist nur für mich, tut aber sehr gut. Weil ich weiß, dass das Innen und Außen in einem Dialog oder einer Dialektik zueinander stehen und weil es für mich ein Teil von Selbstfürsorge ist, quasi so, als habe ich ein Date mit mir selbst. Und warum auch nicht? 

Vielleicht beschäftigt mich das Thema auch deshalb, weil ich ja aufgrund meiner Erwerbsminderungsrente nicht so viel unter Leuten bin wie andere, die jeden Tag im Büro sind. Dass man da einfach nur froh ist, wenn man aus den schicken Büroklamotten raus kann, ist total nachvollziehbar. Aber wer den Großteil seines Alltags selber strukturieren muss und sich selbst disziplinieren muss, rauszugehen, etwas zu unternehmen bzw. tätig und aktiv zu sein, der hat andere Rahmenbedingungen. Und unter diesen Bedingungen kann ich nur sagen, macht es Sinn und Spaß und ist erfrischend, sich und sein Umfeld schön zu machen, egal, ob nun Besuch da ist, egal, ob ich nun ausgehe oder nicht. Und ich muss feststellen, dass der Ansatz, mich mit mir selber zu verabreden auch Wirkung zeigt. Sich selbst die positive Aufmerksamkeit zu geben, die man sonst anderen gibt oder gerne von anderen hätte, ist einfach nur schön. Sich und sein zu Hause schön zu machen heißt auch nicht, dass der andere Zustand unakzeptabel wird. Die Übung soll nicht zur Pflicht werden. Sondern es geht darum, sich ab und an die Zeit zu nehmen und die Pflege zu schenken, die vielleicht auch etwas Besonderes aus dem Tag macht, wofür es aber eben nicht immer einen Anlass im Außen braucht. Es reicht, dass ich da bin, dass ich mich sehe und meine und die mich umgebende Schönheit genießen darf.

In diesem Sinne wünsche ich uns allen immer wieder Momente der Schönheit.

Herzlich, Eure Merle

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