Eigentlich könnte ich schlicht sagen, Hoffnung ist wichtig und damit wäre das Thema erledigt.
Doch so einfach ist es meiner Meinung nach nicht.
Hoffnung ist unfassbar wichtig, wo wären wir ohne diese Stimme, die uns sagt, dass ein erfreuliches Ende einer Geschichte möglich ist, diese Kraft, die uns weiter machen lässt, wenn nichts mehr zu gehen scheint? Ein Leben ohne Hoffnung ist für mich nicht vorstellbar, denn jeden Tag und in unzähligen Situationen vertraue ich darauf, dass meine Hoffnungen erfüllt werden und ohne diesen Antrieb würde ich die meisten Dinge meines Lebens gar nicht angehen.
Um konkreter zu werden hier zwei Beispiele: der öffentliche Nahverkehr in meiner Stadt ist eine Katastrophe. Ständig fällt etwas aus, bleibt mitten auf der Strecke stehen oder kommt einfach so viel zu spät. Ginge ich ohne Hoffnung zur S-Bahn, könnte ich es eigentlich auch gleich bleiben lassen. Aber ich hoffe darauf, dass ich pünktlich zum Termin komme wenn ich etwas mehr Zeit einplane und siehe da, erstaunlich oft funktioniert das dann auch. Manchmal kann ich keine extra Zeit einplanen und eile in der Hoffnung zum Bahnhof, dass ich die U-Bahn erwische, die doch mal pünktlich ist und auch da habe ich immer wieder Glück.
Ein anderes Beispiel, dass mich gerade beschäftigt zeigt sich in meiner Liebe zu Musikinstrumenten. Ich habe ein paar zu Hause, die ich mir autodidaktisch aneignen wollte und nun liegen sie schon seit geraumer Zeit zu Hause und fristen ein trauriges Dasein, weil ich gemerkt habe, dass ich ohne Unterricht nicht weiter komme, doch der ist mir zu teuer und irgendwie habe ich auch keine Lust auf regelmäßigen Unterricht. Nun könnte ich sagen, dass Thema lasse ich, ich mache da nicht weiter. Doch nun hat mich die Handpan in ihren Bann gezogen und im Moment darf ich zu Hause auf einem geliehenen Instrument spielen und ich bin völlig begeistert. Es ist nicht so einfach wie gedacht, aber besser alleine machbar als die Querflöte, die ich nicht gemeistert habe oder das Didgeridoo (die zirkuläre Atmung habe ich leider nie hinbekommen…). Im Augenblick strotze ich also vor Freude und Hoffnung und habe beschlossen, mir in Bälde eine Handpan zuzulegen und einen Workshop zum Einstieg zu besuchen. Ich habe die Hoffnung nicht aufgegeben, ein Instrument zu lernen, dass mich begeistert und das mir im Alltag viel Freude bringen wird – obwohl ich schon ein paar Mal in der Vergangenheit gescheitert bin.
Hoffnung ist das Licht am Ende des Tunnels, das uns über Misserfolge hin weiter gehen lässt, das uns einen möglichen Weg aus dem Grau zeigt und dass uns die Gewissheit gibt: es geht weiter, selbst wenn wir noch nicht genau wissen, wie. Doch manchmal ist es auch an der Zeit, Hoffnung aufzugeben, es gibt Situationen, da wäre es naiv und unrealistisch, zu hoffen.
Ich denke da an offensichtliche Dinge, wie: nächste Woche gewinne ich im Lotto; der Klimawandel ist bald gestoppt, der öffentliche Nahverkehr bei uns wird die Preise nicht weiter erhöhen…
Aber auch die Hoffnung, mit einem Ex-Partner wieder zusammen zu kommen oder einen Menschen für sich zu gewinnen, der offensichtlich kein Interesse hat, ist mir Vorsicht zu genießen, ebenso die Hoffnung, dass meine Rente zum Leben reichen wird oder dass die AFD im Osten bald kein Thema mehr ist.
Hoffnung ist ein zweischneidiges Schwert, oder kann es zumindest sein. Denn wir sollten uns davor hüten, blind zu hoffen, wo offensichtliche Anzeichen oder Umstände eine andere Realität anzeigen als wir uns das wünschen. Deshalb ist Hoffnung für mich wie eine zarte, empfindsame Pflanze, die wir behutsam aber kontinuierlich pflegen, gegebenenfalls beschneiden oder düngen sollten, damit sie uns nicht in die Irre führt oder aber uns in Trauer und Hoffnungslosigkeit verkümmern lässt.
Wir dürfen der Hoffnung auch eine Wachstumsrichtung geben. Oft ist es klüger und ratsam, auf ein generell gutes Ende zu hoffen als sich genau vorzustellen, wie denn das Ende auszusehen hat. Also dem Leben seinen Lauf zu lassen und darauf zu vertrauen, dass sich neue Wege und Lösungen aufzeigen, auch wenn das von mir gewünschte Ergebnis nicht eintreten wird.
Hoffnung ist unverzichtbar, gepaart mit dem Vertrauen ins Leben und auf unseren inneren Kompass und mit klugem Realismus ist sie unschlagbar.
Denn ohne Hoffnung handeln wir anders als mit. Ohne Hoffnung verbeißen wir uns entweder in unsere Vorstellungen oder aber wir werden passiv und versuchen gar nicht mehr, die Dinge zum Besseren zu wenden. Wer nicht hofft, gibt auf und das ist jammerschade. Denn Hoffnung ist die Tür, die sich öffnet, wenn wir dem kreativen Flow vertrauen und der erste Schritt aus dem Dunkel des nicht Wissens. Hoffnung hilft uns über Zeiten der Ungewissheit und lässt uns glauben, dass es auch wieder aufwärts geht, wenn doch gerade alles nur schlimm ist und wir verzweifeln wollen.
Hoffnung ist eine Gabe, Hoffnung mit Weisheit ist eine Gnade. Wir sind die Gärtner dieses Gewächses und wir sollten sie pfleglich und wohlwollend behandeln und ihr gleichzeitig eine Form und Wuchsrichtung geben, damit sie nicht ungehemmt wuchert und uns den klaren Blick versperrt.
Hoffen ist Balsam, doch blind zu hoffen ist wie eine rosa Brille, die uns den Blick dafür nimmt, was getan werden muss. Wer nur hofft ohne aktiv zu gestalten, läuft Gefahr, das Nötige zu unterlassen, Gelegenheiten zu verpassen und verliert die Bodenhaftung, die wir brauchen, um uns in dieser Welt zurecht zu finden.
Und so schließe ich heute mit den Worten: lasst uns hoffen, aber klug. Und ich wünsche uns allen ein glückliches Händchen, den grünen Daumen für die Hoffnung in uns, damit sie uns ein Leben lang dienen kann und uns selbst die Gestalter unseres Wegs sein lässt.
Herzlich, Eure Merle
wie ich das mit den instrumenten kenne …
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