
…Du Gefühl, nach dem sich alle sehnen, ohne das es nicht Bibliotheken voller Bücher und Lieder und Filme gäbe….ohne das die Menschheit sich wahrscheinlich schon ausgerottet hätte…
Was bist Du, Liebe? Ein Zustand? Ein Gefühl? Eine Entscheidung? Sehnsucht? Nähe? Ein Mysterium? Alles das und noch viel mehr…?
Ich gebe es zu, aus gegebenem Anlass habe ich mir ein klein wenig bewusstseinsverändernde Substanzen zugeführt und vielleicht weiß ich jetzt mehr oder weniger als ohne diese… Fakt ist, ich glaube erkannt zu haben, dass Liebe ein Konzept ist, das zeitlich, räumlich und kulturell unterschiedlich erlebt und definiert wird und dass außerdem immer eine höchst individuelle Komponente dazu kommt, frei nach dem Motto: jeder Mensch ein eigenes Universum. (Ich behaupte nicht, dass ich die erste mit dieser Erkenntnis bin, aber bei mir ist das heute so richtig klar angekommen…)
Was das bedeutet? Es bedeutet vor allem nach meiner Erfahrung, dass über Liebe zu sprechen mit dem Objekt der Hingabe nur bedingt zielführend ist. Es sei denn, man geht ins Detail und fragt nach: was meinst Du damit? Wie fühlt sich das an? Was bedeutet das für Dich? Dann kann man vielleicht eine Annäherung erreichen und bekommt einen Eindruck davon, was der andere fühlt und meint. Aber hat man damit etwas gewonnen? Und wer zersetzt und analysiert die Liebe schon derart in einem Gespräch? Und was bedeutet es, wenn mir jemand sagt: ich liebe Dich? Am Ende des Tages sagt das nur soviel aus wie: ich kann Dich verdammt gut leiden. Mehr ist es nicht und der Nimbus des „heiligen“, den diese Worte umgeben, ist eigentlich für den, Pardon, Popo. Denn weder Verbindlichkeit, Commitment, der Wunsch nach einer gemeinsamen Zukunft noch sonst irgendwas kann daraus abgeleitet werden. Das tun aber viele Menschen und deswegen schreib ich das hier so ausdrücklich. Ich kann Dich verdammt gut leiden. Mehr ist es unter Umständen nicht.
Man weiß es nicht und wer fragt schon nach wenn er diese Worte hört? Ich nicht. Ich wollte nie die Atmosphäre, die Energie solcher Momente zerstören. Und wer diese Worte sagt – denkt sie oder er vorher so genau darüber nach oder ist es nicht vielmehr ein unbändiges Gefühl in der Brust und im Bauchbereich, dass unbedingt hinaus will? Dass sich ausdehnen will und geteilt werden will? Egal, welche Konnotationen, Assoziationen oder Komplikationen damit verbunden sind?
Nunja, man kann diese Worte auch mit Verantwortungsbewusstsein sprechen oder es mit demselben auch sein lassen. Ich weiß, was ich meine, wenn ich sage, ich liebe Dich. Für mich hat das eine große und weitreichende Bedeutung und deshalb kommt mir das nicht leicht über die Lippen. Aber, siehe oben: jeder Mensch ein Universum und die Botschaft des Sprechers kommt in den seltensten Fällen genauso beim Adressaten an, wie sie gemeint ist. Weil wir nicht wissen können, wie die Worte interpretiert werden, welche Bedeutung ihnen beigemessen wird und welche Motivation dahinter steht oder auch wie die akute Stimmung den Sinn der Worte auflädt oder nicht.
Kommunikation ist ein verflixtes Ding. Das vergessen wir nur in Liebesdingen gerne und wir sehnen uns so nach ihr und nach Nähe und allem, was dazu gehört, dass wir gerne hören, was wir eben gerne hören. Wir sollten es aber überprüfen oder aber in der Lage sein immer so zu leben, als sei morgen alles ganz anders.
Da stellt sich die Frage: warum noch in Beziehung gehen, Bindungen zulassen und sich einlassen, wenn doch eh keiner weiß, was das eigentlich sein soll und die Erfolgsgeschichten andauernder Liebe eher spärlich gesät sind, die der Schmerzen aufgrund gescheiterter Liebe dafür zuhauf vorhanden. Tja, warum? Wenn ich ehrlich bin, weiß ich das im Moment auch nicht, außer, dass das verbindende Element der Liebe ein sehr starkes und verführerisches ist.
Und weil eine liebevolle Umarmung einen für Jahre nährenden Effekt haben kann, ebenso wie ein mit Liebe erfülltes Lächeln oder Streichen über die Wange. Das heißt mit anderen Worten: es zählt immer der Moment – in der Liebe genauso wie in allen anderen Dingen.
Neulich sagte mir jemand: ich habe noch nie vorher eine Beziehung so im Hier und Jetzt geführt. Und ich dachte mir: welche andere Art gibt es denn sonst, die Sinn macht? Insbesondere, wenn man keine gemeinsamen Verpflichtungen hat und das äußere Leben nicht miteinander verquickt ist. (Zum Beispiel durch Kinder oder gemeinsam wohnen… .) Was ich meine ist: sei Dir bitte Deiner selbst, Deiner Muster und Deiner Gefühle bewusst, bevor Du über Liebe sprichst oder Dinge in der Zukunft planst. Und wenn man sich all dessen nicht bewusst ist oder verwirrt oder unklar, dann sollten wir auch das einander mitteilen. Weil Aufrichtigkeit und Transparenz das einzige Sicherheitsnetz ist, das wir einander in Liebesbeziehungen geben können.
Liebe ist für mich ein wunderbares, warmes, strahlendes und leuchtendes Gefühl und ein Zustand der tiefen Ruhe und des sich hingezogen Fühlens gleichermaßen. Früher habe ich mich geschämt, wenn ich wusste, meine Liebe ist einseitig. Heute weiß ich, dass Liebe ein Geschenk ist und es nichts gibt, wofür ich mich schämen müsste. Liebe ist außerdem, und das vor allem Dingen, ein Kind der Freiheit und mitunter sehr flüchtig. Eigentlich erstaunlich, dass die Säule ganzer kultureller Bewegungen so ätherisch und brüchig ist. Vielleicht weil es immer die Liebe des Großen und Ganzen gibt, die jederzeit und immer da ist. Und in die kann ich mich immer begeben… to BE in love… wie es so schön auf Englisch heißt… Ja, und das kann ich immer sein….
In diesem Sinne wünsche ich Euch viel Liebe.
Herzlichst, Merle