Wozu das ganze eigentlich…?

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In meinem ersten Beitrag habe ich bereits erwähnt, dass es mir in meinen Arbeiten auch um die Sinnfrage geht. Diese möchte ich heute hier stellen und versuchen, ein paar Antworten zu finden auf die Frage: warum sind wir hier, wozu das ganze überhaupt? Ich weiß noch nicht, wo mich das Thema hinbringen wird, bin aber sehr gespannt.

Wahrscheinlich gibt es auf einer Ebene so viele Antworten auf die Sinnfrage, wie es Menschen gibt. Auf einer anderen Ebene frage ich mich, ob es einen Grund für unser Dasein gibt, der allen gemein ist, der uns als Menschheit zugrunde liegt. Ich glaube schon, dass dem so ist, genauso wie ich an eine universelle Kraft, genannt Liebe, glaube.

Das Menschsein ist geprägt von bestimmten Themen, die universell und zeitlos sind: die Befriedigung der Grundbedürfnisse, also Schlafen, Essen und Trinken sowie Sexualität und soziale Beziehungen, außerdem Sicherheitsbedürfnisse, individuelle Bedürfnisse uend das Bedürfnis nach Selbstverwirklung. Das Streben und Handeln des Menschen wird offenbar durch den Wunsch nach der Erfüllung dieser Bedürfnisse angetrieben und gesteuert, wobei es hierbei eben nicht nur um den reinen Selbsterhaltungstrieb geht sondern auch Bedürfnisse nach Entwicklung und Herausbildung bestimmter Fähigkeiten ihren Stellenwert haben, undzwar in der Selbstverwirklichung, aber auch in dem Punkt individuelle Bedürfnisse, unter den das Streben nach Prestige, Achtung und Status gefasst wird.

Funktional betrachtet könnte man also sagen, wir sind hier und wir plagen uns mit den menschlichen Unbillen des Lebens ab, weil wir unsere Bedürfnisse erfüllen wollen. Es geht eben doch nur um Selbsterhalt, Fortpflanzung und das Haus, das Auto, das Boot und die Frau. Ende der Geschichte. Wirklich? Ich glaube nicht, ich glaube das die Bedürfnislehre nicht ausreicht um zu erklären, warum wir hier sind. Sie beschreibt unsere wichtigsten Beweggründe für allgemein menschliches Handeln, aber sie nennt uns keine Gründe, warum wir das ganze durchlaufen. Welchen Sinn hat unser Dasein?

Ich nehme an, die Sinnfrage ist leichter zu beantworten, wenn man gläubig ist, aber das ist nur eine Vermutung. Da ich nicht religiös bin, steht mir die Orientierung an einem Plan Gottes und die Heilserwartung im Jenseits nicht nur Verfügung. Ich würde mich bestenfalls als spirituellen Menschen bezeichnen, in dem Sinne, dass ich glaube, dass es mehr gibt als unsere materielle 3-D-Welt und dass wir Menschen auch mehr sind als Materie. Wir bestehen zumindest aus Körper, Geist und Seele und haben, so glaube ich, neben unserem greifbaren Körper auch feinstoffliche Körper. Darüber hinaus gibt es Ebenen des Bewusstseins, die das Materielle weit übersteigen. Ich denke, Transzendenz, als Überschreiten der Grenze des Materiellen, Endlichen ist möglich, in dem Sinne, dass zum Beispiel in tiefer Meditation das Unendliche und die geistige Welt, erfahrbar werden.

Aber hilft mir das bei den Überlegungen zur Sinnfrage. Nur bedingt. Ich schließe einen göttlichen Plan und das Streben nach einem gottgefälligen Leben zur Erreichung des Paradieses aus und stelle fest, dass ich an die Möglichkeit der Bewusstseinserweiterung und eine feinstoffliche Welt-Ebene glaube. Das bringt mich einer Antwort meiner Frage nach dem Sinn noch nicht weiter, es sei denn, ich sehe die Ausdehnung meines Bewusstseins als Sinn meines Daseins, was mir aber als Antwort auch nicht genügt.

Wenn ich in meine Vergangenheit blicke, muss ich feststellen, dass ich lange Zeit davon überzeugt war, dass der Sinn meines Daseins ist, meine Berufung, meine Leidenschaft zu finden und damit, wenn möglich, meinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Über weite Strecken in meinem Leben war das der Inhalt meines Seins. Meine Leidenschaft habe ich gefunden, leben kann ich davon nicht. Ich würde es auch heute nicht mehr als Sinn meines Daseins bezeichnen, meine Leidenschaft ausleben zu können, obwohl das einen extrem wichtigen Anteil an der Selbstverwirklichung und der Selbstliebe hat. Eine gelungene berufliche Karriere oder berufliche Selbstentfaltung ist also auch keine Antwort, die Anhäufung materieller Güter und Statussymbole schließe ich ebenfalls für mich aus.

Viele Menschen glauben, dass wir hier sind um Lernerfahrungen zu machen um das persönliche, seelische Wachstum zu fördern. Eine Weile habe ich das auch geglaubt, doch ich bin inzwischen davon abgekommen, das klingt mir zu sehr nach „das hab ich mir ausgesucht“ und einer Art göttlichem Lehrplan. Ich glaube nicht, dass irgendwo einer irgendeinen Plan hat und ausgesucht hab ich mir ganz viel ganz sicher nicht.

Worin liegt er also der Sinn unseres Daseins? Ich schaue auf die Natur und frage mich, was uns Menschen einzigartig macht, was uns hervorhebt. Zunächst fällt mir da nicht viel ein, wir sind Säugetiere, die unglaublich viele Mängel im Bauplan haben und dabei sind, den Planeten zu ruinieren. Das soll die Krone der Schöpfung sein? Nein, soweit würde ich nicht gehen, trotzdem finde ich die Frage interessant, was uns Menschen einzigartig macht. Und da fällt mir die Liebe ein, in all ihren Facetten und Formen halte ich sie für etwas Einzigartiges, zu dem wir fähig sind. Natürlich sind auch unsere Haustiere, in erster Linie würde ich sagen, Hunde und Katzen, zu Liebe zu ihrem Herrchen oder Frauchen fähig, aber erstens sind dies domestizierte Tiere und zweitens glaube ich, dass es einen Unterschied gibt zwischen der Liebe eines Tieres zu seinem Besitzer und der Liebe zwischen Menschen. Auch wenn ich diesen nicht in Worte fassen kann und vielleicht bin ich ja auch auf dem Holzweg. Vielleicht ist Liebe einfach Liebe, egal ob im Tier- oder Menschenreich.

Ich persönlich denke aber, wie gesagt, dass die Formen der Liebe, zu der der Mensch in der Lage ist, einzigartig ist. (Ich spreche Tieren damit keinesfalls Gefühle oder ein Bewusstsein ab!) Sei es die Liebe zwischen Mutter und Kind, zwischen zwei Erwachsenen, platonische oder erotische Liebe sowie die Selbstliebe, die selbstlose Liebe und die Nächstenliebe.

Wie ich schon in meinem Beitrag über die Liebe erwähnt habe, verstehe ich die Liebe als Energie, in die wir uns hinein begeben können. Ich glaube, dass Liebe eine Kraft ist, die schlicht und einfach existiert und wir können uns dafür entscheiden, hineinzugehen, einzutauchen. Ich denke nicht, dass Liebe etwas ist, das ich oder jemand anderes macht  – unser Handeln kann Ausdruck von Liebe sein und wir können dadurch die Liebesgefühle in uns stärken, aber ich glaube, dass die Liebe einfach da ist, wo immer sie willkommen ist.

Je länger ich darüber nachdenke und hineinspüre, desto besser finde ich die Vorstellung, dass wir hier sind um zu lieben und Liebe zu erfahren bzw. um in der Liebe einfach zu Sein. Wir machen Erfahrungen, wir drücken uns aus, wir verkörpern die unterschiedlichsten Rollen und Aspekte unseres Selbst – was wäre das alles ohne Liebe? Vielleicht ist die Liebe oder die Sehnsucht danach sogar ein größerer Motor für uns Menschen als unsere Grundbedürfnisse, ich halte das durchaus für möglich, trotz dem Weltgeschehen, trotz aller Kriege und Konflikte.

Bin ich eine unverbesserliche Optimistin? Vielleicht, ja. Aber ich sehe bei allem Schrecken und Schrecklichen, das auf der Welt passiert, auch die vielen Bemühungen und Ansätze, das Leid zu beenden, die vielen Menschen, die sich für andere einsetzen, das Wachsen einer Achtsamkeitswelle, die auch Mitgefühl lehrt, welches für mich definitiv auch eine Form der Liebe ist. In der Geschichte der Menschheit hat jede Bewegung eine Gegenbewegung ausgelöst, und so glaube ich, dass auch die aktuellen Tendenzen zu Krieg und nationalen Abgrenzungen ihre Gegenbewegung hervorrufen.

Liebe ist in meinen Augen die Kraft, die das große Ganze sozusagen zusammenhält und uns hoffen lässt. Die Liebe durchzieht unser ganzes Sein und lehrt uns, einfach zu Sein. Liebe will nicht und strebt nicht, Liebe ist einfach, so wie wir einfach Sein dürfen. Wenn wir lieben, sehen wir Schönheit und das Lichtvolle um uns, wenn wir lieben, sind wir frei und setzen uns gleichzeitig in Bezug zu jemanden. Wenn wir in der Liebe sind, entdecken wir Möglichkeiten und Wege, wo vorher scheinbar nichts war. Welchen besseren Grund, welchen höheren Sinn also als die Liebe kann es für unser Dasein geben?

Wie beantwortet Ihr Euch die Sinnfrage? Ich bin gespannt auf Eure Kommentare!

Eure Merle

 

 

 

4 Gedanken zu „Wozu das ganze eigentlich…?“

  1. Hallo! Für mich ist es Sinn stiftend, wenn ich etwas mache, dass einen positiven Einfluss auf die Welt hat. Wenn ich zum Beispiel mit meiner Nichte Zeit verbringe, und schaue, dass wir uns gut verstehen und dass sie womöglich etwas von mir lernen kann. Oder wenn ich Dinge, die ich nicht mehr brauche, anstatt, wegzuwerfen, einfach weitergebe. Das ist sicherlich nicht das Einzige, was meinem Leben Sinn verleihen kann, aber das ist mir so auf die Schnelle eingefallen! Liebe Grüße, Bernhard

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    1. Hallo Bernhard, ich freue mich sehr über Deinen Kommentar, danke dafür! Ich denke auch, dass es Sinn gebend ist, wenn wir etwas Positives in die Welt bringen; für mich wären Deine beiden Beispiele ein Akt der Nächstenliebe – oder würde Dir das zu weit gehen? Ich bin Dir jedenfalls dankbar für Deinen Beitrag, weil ich gerade am überlegen bin, wie ich in meinem Alltag mehr Sinn stiftende Momente einbringen kann… Liebe Grüße, Merle

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      1. Hallo Merle! Weiß nicht, ob es Nächstenliebe ist, es ist zumindest der Versuch dem Gegenüber wohlwollend zu begegnen und nicht nur an sich zu denken…viel Erfolg bei deinen Bemühungen! Lg, Bernhard

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