Vom Sinn der Weihnacht

Heute melde ich mich nach gefühlt etlichen Tagen zurück, undzwar in Wort und Bild.

dav

Tanz der Sirenen (Dezember 2018, Acryl und Lackstift auf Papier)

…und ich möchte heute über Weihnachten schreiben. Ich sag es gerade heraus: ich tue mich schwer mit Weihnachten, was nach aller Wahrscheinlichkeit daran liegt, dass ich keine Familie habe, mit der ich Weihnachten feiern kann. Gleichzeitig ist es aber dieses Jahr so, dass mich tatsächlich ein vorweihnachtlicher Zauber berührt, was auch daher kommt, dass ich das Gefühl habe, die Welt um mich herum ist tatsächlich etwas ruhiger und besinnlicher geworden. Vielleicht war ich nicht oft genug in den Verkaufszonen der Stadt, aber obwohl ich selber mitten in der Stadt wohne, merke ich, dass die Betriebsamkeit nachgelassen hat und die Menschen anders miteinander umgehen. Das freut mich ungemein. Und dann habe ich letztes Wochenende doch tatächlich einen Weihnachtsmann von meinem Küchenfenster aus die Straße entlang gehen sehen! Es weihnachtet also ganz gehörig um mich herum, weshalb ich mir dieses Jahr auch Lebkuchen und Plätzchen gönne und mich über den Adventskranz freue.

Und doch gibt es diesen Stich in meinem Herzen, der sagt, dass ich allein sein werde, wenn Freunde und Bekannte mit ihren Familien das Lichterfest begehen. Es ist nicht das erste Mal, dass ich Weihnachten alleine feiere, eigentlich habe ich Übung darin, aber auch gerade weil mich die Vorweihnachstzeit gepackt hat, ist es doppelt schade, dass es keinen familiären Kreis geben wird, in dem man sich bekabbeln, hochnehmen, anpflaumen und dann doch gemeinsam feiern wird. Weihnachtslieder alleine singen macht auch keinen Spaß, das hab ich schon probiert. Ich habe mich vor Jahren auch schon auf eine Tour durch die Krankenhäuser der Stadt gemacht, um Kindern vorzulesen und kleine Geschenke zu bringen – ich war positiv überrascht, wie wenig Bedarf es daran gab! Dann kann ich natürlich auch noch alleine zum Inder Essen gehen, das hat aber auch einen gewissen Frustfaktor, weil ich auch dort nur auf Grüppchen oder Pärchen stoße.

Nein, ich habe mir dieses Jahr vorgenommen, den Geist der Weihnacht richtig zu spüren. Ich möchte das Magische, das Zauberhafte, das Unerklärliche am Weihnachtsabend richtig erfahren. Ich möchte mich darüber freuen, dass das Licht der Welt nicht erlischt und immer weiter getragen wird und die Tage wieder länger werden. Ich möchte mich darüber freuen, dass fast überall auf der Welt die Menschen die gleichen Lieder singen und fest daran glauben, dass das Gute in der Welt ist und dass wir es bewahren und feiern sollten. Ich möchte an all die leuchtenden Kinderaugen denken, die vor den geschmückten Weihnachtsbäumen und den Geschenken stehen und aus dem Staunen nicht mehr heraus kommen. Ich werde an all diejenigen denken, die an Weihnachten arbeiten und so für uns alle wichtigen Funktionen aufrecht erhalten. Aber ich werde auch an die denken, die niemanden haben und die kein Weihnachten feiern können, sei es, weil sie zum Beispiel auf der Flucht sind oder in Armut leben. Ich möchte das menschliche Wunder spüren, das eigentlich ein göttliches ist, dass wir nämlich immer noch da sind, so wie das Licht der Welt.

Wenn das Wetter es zulässt, werde ich vielleicht einfach den Sternenhimmel betrachten oder ich gehe spazieren und schaue mir die Weihnachtsbeleuchtungen in meinem Viertel an. Ganz sicher werde ich mit meinen Katzen kuscheln und mich bei ihnen bedanken, dass sie immer noch da sind und mich begleiten.

Weihnachten ist schon seltsam, auf wunderbare Weise. Ich habe mich Jahre lang über den Konsumrausch aufgeregt und mich geärgert über das maßlose Schenken. Heute denke ich etwas anders darüber. Heute glaube ich, dass viele Menschen so das Leuchten und Glitzern in die Welt zu bringen hoffen, dass doch eigentlich von ihnen selber ausgeht. Darum geht es doch, um das eigene innere Licht und dass wir es zum Strahlen bringen. Dafür muss ich nichts schenken. Ich gebe zu, dass ich schon manches Mal gute Lust hatte, an Weihnachten, wenn die Geschäfte noch offen sind, durch die Menschenmassen zu gehen und Einzelne einfach zu fragen, ob sie auch ihr inneres Licht nicht vergessen haben. Aber dann kommt mir das auch wieder vermessen vor und ich lasse es sein. Das Schöne ist ja, dass hier die meisten ihr Weihnachten so gestalten können, wie sie es wollen, und das möchte ich gar nicht stören. Obwohl, so ein kleiner Störfaktor kurz vor der Bescherung… na, ich glaube nicht.

So, ein paar Tage ist es ja noch hin, bis das Christkind vor der Tür steht. Allen, die sich in Vorbereitungen für die Feiertage befinden, wünsche ich dabei Freude und gutes Gelingen und uns allen wünsche ich, dass wir das Magische dieser Tage erfahren und bewahren können.

In diesem Sinne wünsche ich eine schöne Adventszeit,

Eure Merle

 

 

2 Gedanken zu „Vom Sinn der Weihnacht“

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