
Wer mich kennt, der weiß es – ich bin ein Weihnachtsmuffel. Ich kann weder mit den überall sprießenden Weihnachtsmärkten und dem gesteigerten Glühweinkonsum etwas anfangen, noch verfalle ich in einen Geschenke-Kaufrausch. Es gibt bei mir keine Weihnachtsdeko – schon allein, weil meine Katze diese zu genau untersuchen würde – und ich backe auch keine Plätzchen am Fließband, also eigentlich gar nicht. Weihnachten und Advent sind für mich schon lange eine Zeit des mich auf mich selbst besinnens und viel allein verbrachter Zeit (selbstgewählt) und ich genieße es, mich mit Tee oder Kaffee in dicke Decken zu mümmeln und den ein oder anderen Lebkuchen zu verspeisen, während es draußen schon dunkel ist und am besten schon verschneit, (was dieses Jahr scheinbar nicht sein soll). Ich betrauere mitunter das zu Ende gehende Jahr und denke an mir liebe Menschen (und Katze), die nicht mehr bei mir sind und es befällt mich oft eine Melancholie, die ich aber mit Gleichmut annehme.
Ich weiß nicht, ob es die kurzen Tage und die frühe Dunkelheit der Jahreszeit sind oder die Tatsache, dass alle um mich herum stönen, möge Weihnachten doch endlich vorbei sein, das alles arte ja nur in Stress aus und die Konflikte am Weihnachtsabend seien vorprogrammiert. Vielleicht ist es auch der Umstand, dass ich keine Familie habe, mit der ich feiern könnte – ich finde Weihnachten eher schwierig. Was ich mir schon lange wünsche, wäre ein Weihnachtsfest mit allen meinen Freunden, mit Menschen also, mit denen ich gerne Zeit verbringe, die ich liebe, und in einem Kreis, in dem es das Konfliktpotential wie in Familien gar nicht gibt. Ich stelle mir vor, dass man zusammen kocht und dann ausgiebig speist, gute Musik dazu und keine Geschenke, das wäre mir wichtig.
Aber natürlich feiern diejenigen, die eine Familie haben, mit eben dieser und es wird auch dieses Jahr so sein, dass mir die meisten nach Weihnachten erzählen, was alles schief gelaufen ist, wer beleidigt ist und wie stressig es war. Das stimmt mich traurig, denn in nicht wenigen Fällen ist es so, dass Weihnachten für die Kinder gefeiert wird -was schön ist- wähend jedoch die Erwachsenen unter dem Erwartungsdruck leiden und am liebsten weit weg fahren würden.
Warum ist das Fest der Liebe in so vielen Fällen so unfriedlich? Kenne ich nur verkorkste Familien oder sind alle Familien bis zu einem gewissen Grad verkorkst? Ich muss dazu sagen, dass ich von drei Familien eine Einladung habe, den Weihnachtsabend mit ihnen zu verbringen – doch da ich aus früheren Jahren weiß, wie schwierig sich dieser Abend in der Regel gestaltet, habe ich dankbar jede Einladung abgelehnt. Ich suche an Weihnachten Ruhe und Geborgenheit, keinen Zwist und Familienstreit. Ich will nicht undankbar erscheinen, ich glaube, dass sich alle wirklich große Mühe geben, einen schönes Fest zu gestalten, nur haut das eben oft nicht hin und das finde ich sehr schade. Vielleicht bin ich auch zu empfindlich und nehme manches zu ernst, aber gerade als Nicht-Angehöriger ist es besonders unangenehm, bei familiären Auseinandersetzungen anwesend zu sein.
Während ich also darüber nachdenke, was es ist, das Weihnachten so kompliziert macht, geht die Zeit in Meilenstiefeln vorüber und bald steht, wie jedes Jahr, das Christkind vor der Tür. Wie jedes Jahr werde ich spazieren gehen und die Ruhe auf den Straßen genießen, werde die mir von einer Freundin zugesandten, selbst gemachten! Plätzchen verspeisen und mich darüber freuen, dass die Tage wieder länger werden und das Licht in der Welt immer noch scheint. Insofern hat die Weihnachtszeit doch auch etwas beruhigendes – der Lauf der Natur wiederholt sich und egal, was wir Menschen aus diesem Fest machen, das Licht kehrt immer wieder.
Übrigens möchte ich mit diesem Beitrag keinesfalls all jenen die weihnachtliche Stimmung vermiesen, die diese genießen können! Wie das im Leben nunmal so ist, kann ich ja nur aus meinen eigenen Erfahrungen und Umständen berichten. Ich würde mich aber sehr freuen, wenn man mich eines Besseren belehrt und ich viele Geschichten zu lesen bekomme, in denen Weihnachten tatsächlich ein harmonisches und liebevolles Fest ist!
Und natürlich wünsche ich allen meinen Leserinnen und Lesern eine geruhsame und schöne (Vor-)Weihnachtszeit, ohne Geschenke-Stress, stattdessen mit Vergnügen und Vorfreude…
Und damit grüße ich Euch herzlichst,
Merle
„jegliches hat seine zeit“.
ich hatte diese familienweihnachten (glücklich und harmonisch) und jene familienweihnachten (stressig). und ich hatte die allein, aber nicht einsam- weihnachten.
die habe ich noch und sie haben tradition: jedes jahr um diese zeit arbeite ich die unterm jahr entstandenen bilder auf. (wie ein kleines kind warte ich gerade eben auf die bestellten farben)
es kommt nicht auf das aussen an, sondern auf unsere höchsteigene einstellung zu den dingen.
wenn du magst, kannst du her kommen und wir malen gemeinsam. 😉
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Zunächst mal: sind die Farben da oder gibt’s noch Vorfreude? Hach, wie gut ich Dich verstehe 😉 Du hast Recht, es kommt auf die eigene Haltung an, dann kann Weihnachten auch alleine eine schöne Zeit sein! Ich fänds nur noch schöner, wenn nicht so viele dieses Fest als Stressor empfänden. (Das einzige, was ich „stressig“ finde, ist, dass es schon im Advent keine guten Lebkuchen mehr zu kaufen gibt, weil alle ausverkauft ;-)) Jedenfalls, das Fest der Liebe allein zu zu verbringen, ist sicherlich nicht verkehrt, aber irgendwann wär’s auch wieder mal schön in guter Gesellschaft… wo müsste ich denn hinfahren, um mit Dir zu malen *bigfatgrin*
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Liebe Merle,
ich habe ein Gedicht von Iris Macke gefunden, das ich hier gerne weitergebe:
Advent heißt warten.
Nein, die Wahrheit ist
Dass Advent nur laut und sehr schrill ist
Ich glaube nicht
Dass ich in diesen Wochen zur Ruhe kommen kann
Dass ich den Weg nach innen finde
Dass ich mich ausrichten kann auf das, was kommt.
Es ist doch so
Dass die Zeit rast
Ich weigere mich zu glauben
Dass etwas Größeres in meine Welt hineinscheint
Dass ich mit anderen Augen sehen kann
Es ist doch ganz klar
Dass Gott fehlt
Ich kann unmöglich glauben
Nichts wird sich verändern
Es wäre gelogen, würde ich sagen:
Gott kommt auf die Erde!
So, und nun musst Du das Gedicht von unten nach oben lesen….!
Einen schönen zweiten Weihnachtstag,
Miriam.
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Liebe Miriam, danke für dieses Gedicht! Ich finde es wunderbar, dass die selben Worte das genaue Gegenteil bedeuten, wenn man es rückwärts liest – das ist eine schöne Metapher dafür, dass man ganz oft die Dinge nur von einer anderen Warte aus betrachten muss, und schon werden sie weniger schwierig oder schmerzhaft. – Ich hoffe, Du hattest auch schöne Weihnachten! Liebe Grüße, Merle
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