Ein paar Worte über Neid

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Es passieren interessante Dinge dieser Tage in meinem Umfeld. Seitdem ich aktiv geworden bin um mir einige meiner Wünsche zu erfüllen – oberste Priorität neue Wohnung und Hund, meine Leser*innen wissen das schon – schlagen mir bisweilen sehr seltsame Reaktionen entgegen. Innerhalb weniger Tage wurde ich jetzt zwei Mal mit derart offensichtlichem Neid konfrontiert, dass mir fast die Spucke wegbleibt. Und dabei ist noch keines meiner Vorhaben realisiert worden, nein, aber ich bin mit großem Eifer und Optimismus bei der Sache und schon allein das bringt manche Gemüter offenbar gegen mich auf.

„Das mit dem Hund, das schaffst Du nicht, Du wirst Dich noch wundern, wie nervig das ist. Nimm Dir doch lieber einen Chow Chow…“ Jeder, der sich mit Hunden auskennt, weiß, dass ein Chow Chow von einem Vizsla so weit entfernt ist wie ein alter Opel von einem neuen Sportwagen. Es folgten jedenfalls noch mehrere andere, irrsinnige Vorschläge und das ganze war garniert mit einem süffisant-herablassenden Lächeln, so dass ich mich in dem Moment wirklich gefragt habe, ob ich den Menschen kenne, der da sitzt und so mit mir redet. Ich habe mich zunächst davon nicht aus der Ruhe bringen lassen und habe gelacht, aber als die Person weg war, wurde ich ziemlich wütend und deprimiert… bis mir eingefallen ist, dass eben jener Mensch mir vor gar nicht allzu langer Zeit erzählt hat, dass er selbst gern wieder einen Hund in seinem Leben hätte undzwar auch einen Jagdhund. Und plötzlich habe ich die Reaktion verstanden. Meine Wut verflog, aber ein bitterer Nachgeschmack bleibt, wenn ein Freund so nickelig ist und sich nicht für mich freuen kann.

Der andere Neidnagel, der sich seinen Weg in meine Eingeweide suchte, betraf meine grundsätzlich optimistische Haltung was meine Suche nach einer sozial geförderten Wohnung angeht. Wie ich denn davon ausgehen könne, so eine Wohnung zu bekommen. Warum ich überhaupt Anspruch auf so eine Wohnung hätte. Ähhhm, weil ich im Lotto gewonnen habe?! Leider kamen diese in einem sehr vielsagenden Ton ausgespuckten Fragen in einer Runde von Frauen, von denen ich bisher dachte, wir seien uns alle wohlgesonnen. Tja, so kann man sich täuschen. Der Neid schaffte es nicht bis in meine Galle, ich hab ihn vorher weggeatmet, aber ein wenig enttäuscht bin ich schon.

Doch mein Vertrauen und meinen Optimismus lasse ich mir nicht nehmen! Ich bin, wie im vorletzten Beitrag schon beschrieben, davon überzeugt und habe die Erfahrung gemacht, dass ich mir mein Leben am besten kreiere, wenn ich vertrauensvoll meine Entscheidungen treffe und loslasse. Ich bin übrigens niemand, der Affirmationen vor sich her sagt und ich habe auch keine Post-its am Spiegel, auf denen steht, dass ich toll bin und alles gut wird. Ich entscheide mich für Vertrauen und Optimismus und gehe davon aus, dass sich ergeben wird, was für mich gut ist. Dass das im Moment so gut klappt mit dem Vertrauen, davon bin ich selbst einigermaßen überrascht aber hey, soll ich mich jetzt beschweren? Nein, wir erschaffen uns zu einem Großteil selbst unsere Realität und wem ich zu positiv gestimmt bin, der hat höchst wahrscheinlich mit sich selbst ein Problem. Ich habe so viele Hochs und Tiefs in meinem Leben erlebt, dass ich weiß, wie schnell sich alles ändern kann – soll ich deshalb die Hochs nicht genießen?

Es sollte mich nicht erstaunen, dass es Neider gibt, wenn man sich und sein Leben zum besseren hin entwickelt. Einer meiner spirituellen Lehrer hat mir dies schon vor Jahren gesagt: Wer anfängt, sich auf den Weg zu sich selbst zu machen und sich vom Leben nimmt, was es alles Schönes und Gutes zu bieten hat, der wird über kurz oder lang feststellen, wer die wirklichen Freunde sind. Die freuen sich mit mir, drücken mir die Daumen und lachen mit mir über meine überbordende Begeisterung. Und sollte ich doch keine Sozialwohnung bekommen, werden sie nicht grinsend dastehen und sagen: „hab ich doch gleich gesagt“ sondern mir Mut machen und Trost spenden. Aber so weit wirds ja eh nicht kommen! 😀

Neid ist ein fieses Gefühl, weil es so unmittelbar beim Gegenüber ankommt. Ich kann mich im ersten Moment gar nicht dagegen wehren sondern spüre direkt den damit intendierten Pfeil, der sich festhakt und flüstert: „Du bist falsch, mit Dir stimmt was nicht, glaub ja nicht, dass Dir das zusteht…“ Immerhin lässt der Pfeil mich los, sobald ich verstanden habe, worum es eigentlich geht und ich kann einigermaßen drüber stehen… aber schade find ichs doch.

Aber nur kurz, denn meine Freude an den anstehenden Veränderungen ist ungebrochen und ich bin ganz kribbelig vor lauter Adrenalin. Und weil es so schön ist, gibt’s heute einen Cliffhanger: morgen erfahre ich, ob ich einen Besichtigungstermin für „meine“ Wohnung bekomme… ich werde berichten!

Euch wünsche ich noch einen schönen Abend und viel Freude an dem, was ihr gerade tut!

Eure Merle

2 Gedanken zu „Ein paar Worte über Neid“

  1. Liebe Merle,
    wir drücken dir beide Daumen. Einen das du die Wohnung bekommst und den anderen, dass der Hund der zu dir passt dich findet.
    Wir finden, du hast beides verdient.
    Viele Grüße
    Sophia und die Baumhausbande

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