
Man sagt, jede gute Geschichte benötigt einen Konflikt. Wenn das so ist, dann ist mein Leben eine verdammt gute Geschichte. Ich bin nämlich so ziemlich ständig im Konflikt. Möchte ich A, zieht es mich bestimmt auch zu B, wobei A und B diametral entgegengesetzt sind. Am deutlichsten spüre ich meinen inneren Konflikt, wenn es darum geht, raus zu gehen oder noch besser, Sport zu machen. Es gibt einen Teil in mir, der weiß genau, wie gesund das ist, dass Bewegung an der frischen Luft belebt, dass es wichtig ist, Vitmanin D zu tanken, denn das können wir ansonsten nur in Pillen zu uns nehmen. Draußen zu sein, führt in der Regel dazu, dass man sich mit der Welt (wieder) verbunden fühlt, vor allem, wenn ich in der Natur oder doch zumindest in einem Park mit Bäumen unterwegs bin. Gehen hat eine meditative Wirkung und wenn ich tatsächlich jogge, bin ich hinterher stolz wie Bolle.
Aber da ist auch der Kaffee, der auf mich wartet ebenso wie mein Sofa, meine Katze und das gute Buch. Und überhaupt, raus gehen heißt Menschen begegnen und dazu habe ich selten Lust, es sei denn, es handelt sich um Freunde. Ich bin kein Misanthrop, ich finde nur oft viele Menschen eher lästig und wenn man an einem Sonnentag wie diesem bei uns spazieren geht, dann begegnen einem Massen. Und die, die joggen, jagen mir ein schlechtes Gewissen ein. Das könnte ich sein. Bin ich aber nicht. Hinaus gehen bedeutet, das kuschelige Nest verlassen und meistens bin ich sehr gerne in meinem gemütlichen Zuhause. Früher war das irgendwie anders, da konnte ich nicht oft genug am Fluss oder im Park sein, doch seit einigen Jahren bin ich eher ein Couchpotato geworden. Bis auf die vielen Male, wenn ich doch raus gehe und meinen inneren Schweinehund überlistet habe. Wobei ich lieber Muffeltier sage. Es ist ein sehr muffeliges Wesen in mir zu Hause.
Zum Beispiel auch bei der Frage: in eine WG ziehen oder lieber alleine wohnen? Mensch, WG ist doch toll, besonders mit meiner Freundin E., das wird bestimmt lustig und wir verstehen uns doch so gut! Määääp! tönt es da in meinem Kopf: ja, aber ich bin doch gern allein, wenn ich aus dem Atelier nach Hause komme und wer weiß, ob ich ordentlich genug bin für eine WG und rauchen darf ich dann auch nicht in der Küche…und Morgenmuffel bin ich auch und überhaupt, das Muffeltiert, das lieber alleine vor sich hin öttelt…
Noch so ein Konflikt beladenes Thema: Rauchen. Ich fänds super aufzuhören, ich nehme es mir immer wieder vor, bin überzeugt, dass ich das schaffe…ach nee, vielleicht doch nicht, dann nehme ich wieder zu und als ich das letzte Mal aufgehört habe, ging es mir Wochen lang richtig schlecht…
Wenn man es genau betrachtet, dann sind in der Regel mein Verstand und mein Bauch im Konflikt. Ich habe bis heute Schwierigkeiten, die beiden zu konsolidieren und zu Lösungen zu kommen, die beiden gerecht werden. Meistens entscheide ich mich für eins von beiden und muss dann mit dem Gelaber des Verlierers zurecht kommen. Dabei hat mir eine sehr lebenskluge ältere Dame einmal gesagt, dass der Königsweg, um Hirn und Bauch zu versöhnen, über das Herz geht. Huch? Hab ich kein Herz? Doch, ich glaube schon, aber ich höre nicht oft genug hin! Beziehungsweise, das Geschrei der beiden anderen Kontrahenten ist oft so laut, dass ich die Stimme meines Herzens einfach nicht mitbekomme. Und mein Muffeltier hat ein besonders lautes, tiefes, dröhnendes Organ, da kommt so eine feine Stimme einfach nicht gegen an.
Also lautet die Devise: Zeit nehmen. Zur Ruhe kommen, genau hinhören. Durchaus auch mal bewusst auf mein Herz konzentrieren und es fragen, was es für angemessen hält. In den seltenen Fällen, in denen ich das bisher gemacht habe, kam ich immer zu einem Ergebnis, das uns allen gefallen hat. Ich mach das nur zu selten, weil mein Muffeltier natürlich auch hier dagegen ist. Und es ist extrem gut darin, mir vorzumachen, dass alleiniges einigeln das Beste ist, was es gibt. Nur schmore ich dann zu lange in meinem eigenen Saft, das hilft auch keinem weiter.
Doch ich übe und mache Fortschritte. Versuche, mein Muffeltier und meinen Verstand Schritt für Schritt mit meiner Herzensstimme bekannt zu machen. Ich bin zuversichtlich, dass ich so einige meiner Konflikte zumindest sanfter werden lassen kann. Denn wenn die Geschichte dahinter auch noch so gut ist: im ständigen inneren Kampf zu sein macht keinen Spaß, es ist anstrengend. Auch daran erkennt man, dass das Herz in der Entscheidung beteiligt ist: die Dinge fließen und ergeben sich wie von selbst. Und so lässt es sich doch viel besser leben.
Nun wünsche ich Euch noch einen schönen Sonntag und wenn ihr mal nicht ins schöne Wetter rausgehen wollt und Euer Muffeltier Euch aufs Sofa verbannt, denkt Euch nichts, es kommen weitere schöne Tage, man muss auch nicht aus jedem Tag das Maximum herausholen… sagt mein Herz.
Es grüßt Euch Eure Merle
Kein Problem sehe ich im mal muffeln und mal nicht. Am nicht mehr Rauchen sollte Frau/Mann arbeiten. Mein Freund hat sich mit 56 und Lungenkrebs verabschiedet. Letztens war ich beim Nierenarzt. Der Fragebogen übers Rauchen war alleine eine halbe Seite lang.
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Ja, da hast Du Recht…wie gesagt, ich denke oft ans Aufhören…und habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass ich es schaffe…
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